Meide alles was zur Unkeuschheit verleitet

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

Sünden gegen das sechste Gebot Gottes

„Du sollst nicht ehebrechen“

Meide alles, was zur Unkeuschheit verleitet

Was verbietet das sechste Gebot Gottes?

2. Das sechste Gebot verbietet auch alles, was zur Unkeuschheit verleitet

Wenn Gott die Unkeuschheit selbst verbietet, dann muss er natürlich auch fordern, daß wir soweit möglich alles meiden, was für uns oder andere eine nächste Gelegenheit dazu wird. Dahin gehört:

Vorwitz der Augen

Wer alles sehen will, wozu der Vorwitz ihn reizt, dessen Blicken wird auch manches begegnen, was im Herzen unlautere Begierden wachruft, und von da ist´s nur noch ein Schritt bis zur inneren Einwilligung; ein zweiter Schritt führt dann auch leicht zur äußern Tat. So erging es den zwei lasterhaften Greisen, von denen Daniel spricht (Dan. 13)… So erging es selbst David, dem Manne nach dem Herzen Gottes; ein unbewachter Blick machte ihn zum Ehebrecher und Mörder. (2. Kön. 11) Die hl. Väter eifern mit großem Nachdruck gegen den Vorwitz der Augen. „Wer unvorsichtig durch diese Fenster nach außen schaut“, sagt der hl. Papst Gregor, „der verfällt meistens, und gleichsam ohne es zu wollen, der sündigen Lust.“ Der hl. Augustin nennt das Auge die „Pforte der Seele“, durch welche die Sünde mit Leichtigkeit in dieselbe eingeht. Hören wir übrigens die Mahnung des Lehrers aller Lebensweisheit, den Hl. Geist selbst: „Hefte deine Augen auf keine Jungfrau“, spricht er, „daß ihre Schönheit dir nicht zum Falle werde. Gaffe nicht auf den Straßen der Stadt umher. Wende dein Angesicht von einem geputzten Weibe ab und blicke nicht nach der Schönheit einer Fremden. Durch die Schönheit eines Weibes gingen schon viele zugrunde, und durch sie entbrennt die unreine Lust wie ein Feuer.“ (Sir. 9,5-9)

Unehrbare Kleidertracht

Eine unehrbar gekleidete Frauensperson ist nach der Bemerkung des hl. Cyprian „ein Dolch und ein Gift für alle, die sie sehen“, oder wie ein anderer Lehrer des geistlichen Lebens sich ausdrückt, „eine Angel, deren sich der Satan bedient, um Seelen zu fischen“. Sie setzt aber auch ihre eigene Seele der größten Gefahr aus. Denn sie ermutigt durch eine solche Kleidung leichtfertige Menschen zu unehrbaren Zumutungen, unerlaubten Freiheiten und gefährlichen Nachstellungen und wird leider nur zu oft selbst von dem unlautern Feuer ergriffen, das sie mit oder ohne Absicht in andern entfacht. –

Die Kleidung verdient aber unehrbar genannt zu werden, wenn sie entweder Teile des Leibes, die dem christlichen Anstand gemäß bedeckt sein sollen, unbedeckt läßt, oder wenn sie sich auf solche Art an den Körper anschließt oder auch so dünn und durchsichtig ist, daß in andern unwillkürlich die Lüsternheit geweckt wird. Es ist das eine schmachvolle Selbstentehrung, deren sich jede anständige Person schämen muss. Manche glauben, dieselbe beschönigen zu können mit der Ausrede: „Es ist nun einmal so Mode.“ Was war vor der Sündflut unter den Menschen nicht alles Mode? Fragt der fromme Overberg und fährt dann fort: Hat sie dies, daß es damals Mode war, so zu leben, vom Untergange gerettet? Und wenn wir das Böse mitmachen, wird uns die Entschuldigung retten, daß es zu unserer Zeit so Mode war? – „Aber man wird ausgelacht, wenn man die Mode nicht mitmacht.“ Es mag nicht immer unrecht sein, daß man die auslacht, welche eine gute oder gleichgültige Mode nicht mitmachen wollen, um als etwas Absonderliches zu erscheinen.

Ist aber eine Mode der Sittsamkeit oder einer andern christlichen Tugend zuwider, so können nur törichte Leute darüber lachen, daß man dieselbe nicht mitmacht. In diesem Falle müssen wir uns eines von beiden gefallen lassen, entweder daß leichtfertige Toren, die sich weder um ihr eigenes, noch um unser Heil bekümmern, uns auslachen, oder daß die verständigen Leute, die um unser Heil besorgt sind, über uns weinen. Was ist da wohl das Bessere für uns?

Es gibt ferner eine Kleidertracht, die an und für sich nicht unehrbar, aber für christliche Frauenspersonen höchst tadelnswert ist. Dieses ist der Fall, wenn sie sich über ihr Vermögen und ihren Stand kleiden oder innerhalb der Grenzen ihres Standes aus Hoffart und Gefallsucht durch ausgesuchten Schmuck aller Augen auf sich ziehen und über ihresgleichen hervor zu glänzen trachten. Solchen ruft der Apostel zu: „Die Weiber sollen sich in ehrbarer Tracht mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit geflochtenen Haaren oder Gold und Perlen und kostbarem Gewande.“ (1. Tim. 2,9) Die Erfahrung lehrt es allenthalben, daß putzsüchtige Jungfrauen meistens unglückliche Frauen werden und putzsüchtige Frauen nicht die treuesten Gattinnen sind.

Schlüpfrige Bücher und schändliche Bilder

„Böse Reden verderben gute Sitten“, sagt der Apostel (1. Kor. 15,33) Dieser Ausspruch bewährt sich doppelt hinsichtlich der schlechten Bücher; denn kein Verführer ist der Herzens-Reinheit so gefährlich wie ein schlüpfriges Buch. Der Verführer wird bisweilen zurückgehalten durch ein unwillkürliches Gefühl der Hochachtung für Unschuld und Tugend; er wird an der Ausführung seiner seelenmörderischen Pläne verhindert durch die Obhut der Eltern und andere äußere Rücksichten. Ganz anders verhält es sich mit dem schlechten Buch. Das errötet nicht, fürchtet nicht, mit Abscheu zurückgewiesen zu werden; es wird den Augen der Eltern, Lehrer und Erzieher mit schlauer Sorgfalt entzogen; es steht bei Tag und Nacht zu Diensten, um seinen Lesern und Leserinnen die Geheimnisse menschlicher Verkommenheit zu enthüllen oder sie wie hinter einem durchsichtigen Schleier erraten zu lassen. Man liest ein solches Buch und liest es wieder; man verweilt mit Lust bei den verführerischen Schilderungen und saugt das Gift der Unlauterkeit behaglich ein.

Dieses gilt nicht nur von den offenbar unzüchtigen Büchern, die das Laster ganz entschleiert darstellen und es mit schamloser Offenheit lehren, sondern auch von jenen schlüpfrigen, die mit großen Kunst die Schändlichkeit des Lasters vertuschen, dagegen die die reizende Seite desselben herausputzen, damit der Leser unbedenklich Gefallen finde an dem, was er mit Abscheu von sich weisen sollte; ja, es gilt von diesen ganz besonders, weil sich solche, die noch nicht ganz verkommen sind, vor sich selbst schämen würden, die ersteren zur Hand zu nehmen, während sie kein Bedenken tragen, sich in die letztern zu vertiefen. Daher kommt es, daß es sozusagen zum guten Ton gehört, die kostbare Zeit durch Lesung empfindelnder Romane und süßelnder Liebesabenteuer zu vergeuden, wodurch die Phantasie mit lüsternen Vorstellungen ausgefüllt und das Herz nach und nach in einen Tummelplatz unlauterer Gefühle und Begierden umgestaltet wird…

Noch verderblicher als die Bücher wirken unzüchtige Bilder, namentlich auf das jugendliche Herz. Denn während das Buch den anstößigen Gegenstand nur am Geiste vorüber führt, stellt das Bilde denselben vor das Auge hin und prägt ihn mit der größten Lebhaftigkeit der Seele ein. Es ist daher schwer zu begreifen, wie christliche Eltern, denen die Unschuld ihrer Kinder am Herzen liegt, in Wohn- und Schlafzimmern, in Höfen und Gärten dergleichen schamlose Bilder zur Schau ausstellen. Man gibt vor, dadurch bei den Kindern den Sinn für das Schöne und für die Kunst zu wecken; aber man bedenkt nicht, daß eben dadurch der Sinn für das Schönste, für Unschuld und Herzens-Reinheit, allmählich erstickt wird, und daß der Kunstsinn allzu teuer bezahlt ist, wenn man dafür die Tugend als Kaufpreis hingibt.

Müßiggang und weichliche Lebensart

Müßiggang ist aller Laster Anfang, ganz besonders aber ein Anfang der Unlauterkeit. Ein Mensch, der immer ernstlich beschäftigt ist, hat nicht Zeit, an sündhafte Dinge zu denken; wer aber unbeschäftigt ist, verfällt leicht auf auf unlautere Gedanken und Begierden, die dann nur zu oft sündhafte Werke nach sich ziehen. „Der Müßiggang lehrt viel Böses“, sagt der weise Sirach (33,29). Tausende haben dies erfahren. Cassian bezeugt, es sei bei den alten Einsiedlern sprichwörtlich gewesen, „ein arbeitsamer Mensch werde von einem Teufel versucht, ein Müßiggänger hingegen von hundert.“

Auch die weichliche Lebensart, der zufolge der Mensch jegliche Anstrengung und Beschwerde von sich fern hält, ist eine Feindin der Keuschheit. Denn ähnlich wie durch ausgesuchte Speisen und Getränke wird der Leib auch durch zu große Bequemlichkeit, weichliche Kleidung und Lagerstätte, sowie durch übermäßigen Schlaf verzärtelt und zu allem Sinnengenuss hingeneigt. Deshalb läßt sich auf den Leib, den man weichlich hält, der Ausspruch des Hl. Geistes anwenden: „Wer seinen Knecht in der Jugend verzärtelt, wird ihn später widerspenstig finden.“ (Spr. 29,21) „Das Leben des Menschen auf Erden ist ein Kampf“ (Job 7,1), und zwar besonders ein Kampf gegen die sinnlichen Neigungen; das Leben des Weichlings hingegen, der gewohnt ist, seinem Leib nichts zu versagen, ist eine fortwährende Niederlage. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 2. Band Lehre von den Geboten, 1911, S. 192 – S. 198

Bildquellen

  • hattler-die-suende-und-ihre-folgen: Bildrechte beim Autor

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