Befreiung von den zwei größten Feinden

Die Befreiung von den zwei größten Feinden

Überdies ist diese Andacht die Quelle einer Menge Gnaden für unsere Seele. Was uns am meisten hindert, wenn wir einmal angefangen haben, Gott in allem Ernst zu dienen, ist nicht so sehr die Sünde, als der Weltgeist und die Selbstliebe. Diese beiden Quellen unseres Elends halten uns nieder, und verderben alles Gute, was wir tun; aber durch diese Andacht werden sie beide verstopft. Das charakteristische Merkmal der Welt ist, daß sie von der Sünde nichts weiß. Die Dinge sind recht oder unrecht, wie es ihr gefällt, und nach ihren eigenen Gesetzen, aber von einer geheimen Befleckung der unsterblichen Seele, weil der unsichtbare Gott beleidigt wird, davon will sie keinen Augenblick etwas hören. Dies wird für eine Lehre für unmännliche Leute, für einen eitlen Popanz und für einen Aberglauben der Priester gehalten.

Wer alles vom Gesichtspunkt der Sünde aus betrachtet, wer überall die geheime Ehre des verborgenen Schöpfers sucht, wer nicht der Fahne der Welt folgt, und Maß und Gewicht gebraucht, welche die Welt nicht kennt; wer die gewöhnlichen Handlungen aus übernatürlichen Beweggründen zu verrichten strebt, und das Unsichtbare lieben kann, so daß er das Sichtbare wenigstens nicht mehr heftig liebt, kann nicht wohl von dem Geist der Welt oder von Selbstliebe besessen sein. Sein Leben ist ein Protest gegen die Welt und auch gegen sich selbst; und doch ist dies nur eine schwache Beschreibung dessen, was ein Mensch bald werden würde, wenn er diese Andacht auf sich nähme. Wer lange Zeit und mit Liebe Gott betrachtet, wird bald aufhören, etwas Liebenswürdiges an sich selbst zu finden, und so wird diese Übung ihn von den zwei größten Feinden befreien, die sich seinen Fortschritten im geistlichen Leben entgegen stellen.

Wir werden auch finden, daß diese Andacht uns große Macht bei Gott verleiht, und unsere Gebete bald öfter erhört sehen, als früher. Unsere Worte werden ein Gewicht erlangen, das unsere Talente, unseren Verstand oder unsere Beredsamkeit übersteigt. Was ist auch etwas wert, das Gott nicht gesegnet hat? Die geistige Macht ist die allein wahre Macht, und sie folgt Regeln, die von jeder andern Macht verschieden sind. Als der heilige Vinzenz von Paula seine Kongregation der Mission gründete, sagte P. Condren, Superior des französischen Oratoriums, einer der Männer seiner Zeit, die im geistlichen Leben am weitesten voran geschritten waren, zu ihm: „Ach, mein Vater! ich erkenne, daß dies das Werk Gottes ist, und daß der Geist Jesu darauf ruht, und daß es gelingen wird; denn alle Männer, die du gewählt hast, sind von niederer Geburt, und keiner derselben besitzt Gelehrsamkeit. Dies sind die Waffen, die Gott segnet.“

Seht, wie sehr die Grundsätze, auf welchen dieses Urteil beruht, dem Geist der Welt entgegen stehen! Der heilige Philipp hat gezeigt, daß alle Macht ihre Quelle in der Losschälung von der Welt hat, und das Werk des heiligen Ignatius lässt sich in dem einzigen Wort zusammen fassen, daß er der Welt gerade diese Wahrheit bewiesen hat, daß man ihrer Herr wird, indem man sich von ihr lossagt. Nehmt also diese Andacht für die beleidigte Ehre Gottes auf, und ihr werdet durch viele sichtbare Beweise einsehen, daß Gott mit euch ist, und seine Gnaden werden reichlicher auf euch herab kommen, als früher.

Wenn ihr endlich den Preis der christlichen Vollkommenheit zu erlangen und Heilige zu werden wünscht, so hört auf die Geschichte, die ich euch erzählen will, und die einem Menschen begegnete, welcher nichts weiter tat, als daß er zwei Todsünden verhinderte. Der heilige Paphnutius hatte viele Jahre hatte viele Jahre in der Wüste verweilt, und durch schwere Bußen an seiner Heiligung gearbeitet. Endlich kam ihm ein sonderbarer Gedanke in den Kopf, und er wagte es, denselben im Gebet Gott vorzutragen. Er wünschte nämlich zu wissen, wem auf Erden er an Heiligkeit gleich sei. Er fragte in Einfalt und wahrer Demut, und Gott ließ sich herab, mit ihm zu sprechen. Er sagte ihm, er sei jetzt einem gewissen Flötenspieler in einem ägyptischen Dorf gleich, das er nannte. Sogleich machte sich der Heilige auf, denselben aufzusuchen. Als er in das Dorf kam, fragte er nach dem Flötenspieler, und man sagte ihm, er blase gerade in dem Wirtshaus zur Belustigung der Zecher. Sonderbar, dachte der heilige Paphnutius; er ließ jedoch den Flötenspieler herauskommen, nahm in bei Seite, und sprach mit ihm von seinem geistlichen Zustand, was für gute Werke er schon getan habe und dergleichen. „Gute Werke?“, versetzte der Flötenspieler, „ich weiß nichts Gutes, das ich je getan hätte; bloß einmal, als ich noch ein Räuber war, rettete ich eine gottgeweihte Jungfrau vor Gewalttat und einmal gab ich auch einer armen Frau Geld, welche aus Armut im Begriff stand, sich der Sünde zu überantworten.“

Da erkannte Paphnutius, daß Gott diesem Flötenspieler Gnaden erteilt hatte, welche den seinigen gleich standen, weil er zur Ehre seines Schöpfers während seines wilden Räuberlebens zwei Todsünden verhindert hatte. –
aus: Frederick W. Faber, Alles für Jesus oder die leichten Wege zur Liebe Gottes, 1913, S. 139 – S. 142

Category: Betrachtungen, Faber

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