Was wir für Christus tun können

Was wir für unser Herrn Jesus Christus tun können

Es gibt drei sehr schöne Offenbarungen, durch welche es Gott gefiel, kund zu tun, wie angenehm seiner göttlichen Majestät diese Genugtuungen zur Zeit der Fastnacht ist. Eine derselben wurde dem gottseligen Dominikaner Heinrich Suso zuteil, die beiden andern der heiligen Gertrud. Ich will eine dieser letzteren anführen, da sie besonders jenen Geist atmet, welchen meine Abhandlung euch einflößen will. Sie ist dem vierten Buch ihrer Offenbarungen entnommen.

… Die Heilige versetzte: „Wie können wir, o liebster Gott! dies auf eine verdienstliche Weise tun?“ Und unser Herr erwiderte: „Indem ihr alle Fasten, Vigilien und andern Vorschriften der Regel in Vereinigung mit meinem Leiden beobachtet. So oft ihr eure Sinne abtötet, indem ihr euch eines Blickes oder eines Wortes enthaltet, so bringt mir dies Opfer mit der Liebe dar, womit ich während meines Leidens alle meine Sinne beherrschte. Mit einem einzigen Blick hätte ich alle meine Feinde in Schrecken setzen, mit einem einzigen Wort alle meine Gegner zum Schweigen bringen können, und doch war ich wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt, das Haupt demütig geneigt, die Augen auf den Boden geheftet, und vor meinem Richter öffnete ich meinen Mund nicht, um nur ein einziges Wort zur Entschuldigung gegen die falschen Anklagen vorzubringen, welche man gegen mich richtete.“

Die Andacht der ausgespannten Arme

Die Heilige antwortete: „Lehre mich, o bester Lehrer! wenigstens etwas, was ich besonders zum Andenken an Dein Leiden tun kann.“ Unser Herr erwiderte: „Nimm die Übung an, mit ausgespannten Armen zu beten und so die Gestalt meines Leiden Gott dem Vater darzustellen, zur Verbesserung der allgemeinen Kirche, in Vereinigung mit jener Liebe, womit ich meine Hände am Kreuz ausstreckte.“ Und sie sprach: „Da dies nicht eine gewöhnliche Andacht ist, soll ich nicht einen geheimen Ort aufsuchen, um sie zu üben?“ Und unser Herr antwortete: „Die Gewohnheit, einen geheimen Ort aufzusuchen, gefällt mir wohl, und es gereicht dies dem Werk zu neuem Schmuck, wie der Edelstein das Halsband ziert; dennoch“, setzte er hinzu, „wenn jemand diese fromme Sitte, mit ausgespannten Armen zu beten, allgemein üblich machen würde, so brauchte er keinen Widerspruch zu fürchten, und er wird mir dieselbe Ehre erweisen, wie wenn einer einen König feierlich auf den Thron setzt.“

Die Lebensgeschichte der meisten Katholiken

Was ist es denn, wofür ich hier spreche? Ich will nichts weiter, als daß ihr keine solche Gleichgültigkeit gegen die Ehre Gottes zeigen sollt, als ob dies eine Sache wäre, die euch nichts angeht. Dies ist wirklich Alles. Gott will euch seine Glorie im Himmel durch alle Ewigkeit zum Anteil geben, und ihr könnt gewiss jetzt auf Erden die Verbindung mit ihr nicht in Abrede ziehen, im Gegenteil gehen ihre Interessen euch sehr nahe an, ihr Sieg wie ihre Niederlage muss die eurige sein. Ihr könnt der Sache Jesu auf Erden nicht ferne stehen, oder eine Art bewaffneter Neutralität gegen Gott beobachten, während ihr, sobald ihr sterbet, ohne im geringsten die Qualen des Fegfeuers zu fühlen, für immer in die Arme seiner unaussprechlichen Liebe aufgenommen zu werden verlangt.

Und doch ist dies die Lebensgeschichte der meisten Katholiken. Kann es aber etwas Unvernünftigeres, Selbstsüchtigeres und Gemeineres geben? Und ihr wundert euch, daß wir unser Land noch nicht bekehrt haben? Wahrlich, wir sehen nicht Leuten gleich, die gekommen sind, Feuer auf der Erde zu entzünden, oder die es reut, weil es noch nicht entzündet ist. Ach, Jesus! dies sind Deine schlimmsten Wunden. Was sind die roten Male Deiner Hände und Füße, was Deine zerfallenen Knie und die zerrissene Schulter, was das tausendfach verwundete Haupt und das weit geöffnete Herz gegen diese Wunden – gegen die Wunden der Kälte, der Vernachlässigung, der Selbstsucht, die nicht zu beten weiß! – Gegen die Wunden der wenigen, die einst eifrig waren und jetzt lau sind, und der vielen, die nie eifrig waren und nicht einmal die traurige Ehre der Lauheit ansprechen können! – Gegen die Wunden, womit Du in dem Haus Deiner Freunde verwundet wurdest? Dies sind die Wunden, die mit unsern Tränen beweint und mit dem Balsam unseres innigen Mitleids gemildert werden sollten.

Wie weit der Mensch der Kälte und Undankbarkeit fähig ist

Liebevoller Erlöser! ich kann kaum glauben, daß Du wirklich bist, was ich weiß, daß Du bist, wenn ich Dein Volk Dich so grausam verwunden sehe. Und mein eigenes, elendes Herz! es zeigt mir selbst das traurige Geheimnis, wie weit der Mensch der Kälte und Undankbarkeit fähig sein kann. Ach, die letzten Kapitel der vier Evangelien – man liest sie wie einen bitteren Hohn auf die Gläubigen! Wir leben, wie wenn wir trotzig sagten: Nun, wir können da nicht helfen; wenn Jesus all dies tun wollte, so ist dies seine Sache; wir brauchten nur die Absolution, wir brauchten nur eine Maschine, um dadurch gerettet zu werden, eine Lokomotive in den Himmel, die wohlfeilste und einfachste, welche diesen Zweck erfüllen und uns an`s Ziel unserer Reise bringen konnte. Ihr frommen Leute steht in Wirklichkeit der Religion im Wege. Es mag vielleicht für uns schwer sein, zu sagen, was Enthusiasmus ist, aber ihr seid gewiss Enthusiasten! Was wir meinen, ist das: Ihr seid lauter Herz ohne Kopf. Die Hitze allein vertritt noch nicht die Stelle des Talentes, der Eifer ist noch nicht Gottesgelehrtheit. Es gibt andere Dinge zu tun im Leben, als in die Messe und zur Beichte zu gehen. Wie können wir Vertrauen auf Leute setzen, die sich durch ihren religiösen Eifer hinreißen lassen?

Ist das Evangelium eine Torheit?

Alle diese Menschwerdung eines Gottes, dieser Roman von einem Evangelium, diese unnötigen Leiden, dies verschwenderische Blutvergießen, dies Übermaß von Demütigungen, dieser Dienst der Liebe, dies Mitleid liebenden Schmerzens – all dies ist für uns, um die Wahrheit zu sagen, ein Gegenstand der Langeweile; wir sind hier gar nicht zu Hause, das Ding hätte auch anders getan werden können; es war das Verhältnis eines Schuldners zu seinem Gläubiger; nicht jedermann ist ein Poet und nicht jeder hat Geschmack am Romantischen. Es muss wirklich ein Irrtum in der Sache sein. Gott ist sehr gut, und die Liebe gegen Ihn ist in ihrer Art auch ganz recht. Er liebt uns, und natürlich lieben wir Ihn auch; aber könnten wir nicht mit ein wenig praktischem Verstand, einigen heilsamen, vernünftigen Vorschriften und einer streng gewissenhaften Erfüllung unserer Pflichten gegen die Gesellschaft diese fürchterliche Mythologie christlicher Liebe mit allem möglichen Respekt ein wenig bei Seite legen und auf einem ebenen, gut gepflasterten Weg und auf einen nüchterne, unserm Charakter als Menschen und unserer Würde als eine zivilisierte Nation angemessene Weise in den Himmel kommen? Wenn das Menschengeschlecht in der Person Adam`s wirklich gesündigt hat, so müssen wir natürlich die Folgen davon tragen; aber könnte man das Übel nicht in aller Ruhe, ohne Geräusch, und nur mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes wieder gut machen, welcher uns so natürlich ist?

Nun denn, wenn es so sein muss, so kann ich nur an die kühnen Worte der heiligen Maria Magdalena von Pazzi denken: „O Jesus! Du hast Dich aus Liebe selbst zum Toren gemacht!“

O arme verlassene Ehre Gottes ohne Heimat!

O arme, verlassene Ehre Gottes! Du bist ein Findling auf Erden! Niemand mag etwas von dir wissen, oder will eine Verwandtschaft mit dir anerkennen und dir eine Heimat geben. Die Welt ist kalt, die Sünde versetzt dir unablässig neue Schläge, du liegst weinend vor unsern Türen, und die Menschen kümmern sich nichts um dich! Arme Ehre Gottes ohne Heimat! Die Erde war für dich einst ebenso bestimmt, wie der Himmel, aber es waren Räuber auf dem Weg, und es ist für dich jetzt nicht mehr sicher, auf unsern Straßen zu wandern; doch es gibt noch einige unter uns, die sich dem Dienst des Himmels geweiht haben, und wir wollen dich von nun an in unser Haus aufnehmen, wie Johannes Maria zu sich aufnahm. Hinfort ist unsere Nahrung deine Nahrung, und alles, was wir haben, ist dein. –
aus: Frederick W. Faber, Alles für Jesus oder die leichten Wege zur Liebe Gottes, 1913, S. 145/ S. 148 – S. 152

Category: Betrachtungen, Faber

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