König Herodes erschrickt als Gottloser

Die heiligen drei Könige (Magier) mit ihren Begleitern sehen den Stern am Himmel, in dem sie das Jesuskind sehen; in dem Bild schaut man in die weite Landschaft

Die Juden und Herodes

oder

Das freiwillige Widerstreben gegen den Glauben.

„Audiens autem Herodes, turbatus est, et omnis Hierosolyma cum illo… Et mittens illos in Bethlehem dixit: Ite, et interrogate diligenter de puero; et cum inveneritis, renuntiate mihi, ut et ego veniens, adorem eum.“ (Matth. 2)

„Als der König Herodes dies hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm… Dann sandte er sie nach Bethlehem und sprach: Gehet hin, und forschet genau nach dem Kinde: und wenn Ihr es gefunden habet, so zeiget mir`s  an, damit auch ich komme, es anzubeten.“ (Matth. 2)

Warum Herodes als Gottloser erschrickt

3. Von den Ursachen des Schreckens des Herodes. Schilderung der schuldbeladenen Seele dieses Tyrannen. Auch die Magier erschrecken, als sie den Stern sehen. Unterschied zwischen dem Schrecken der Guten, die er selig macht, und dem Schrecken der Guten, die er selig macht, und dem Schrecken der Bösen, die er zur Verzweiflung bringt. Herodes erschrickt, weil er gottlos ist. Ermahnung an die Großen der Erde, Jesum Christum als Richter fürchten.

Herodes und seine Grausamkeiten

Als Jesus Christus in Bethlehem geboren war, hatte die große Weissagung Jakobs, von der schon Erwähnung getan worden (Lesung 1, 8), daß nämlich der Messias erst dann kommen werde, wenn der jüdische Zepter von dem Hause Juda in fremde Hände übergegangen, bereits ihre erste Erfüllung auf eine Weise gehabt, die für die Juden demütigend und verderblich zugleich war. Herodes, welcher seit dreißig Jahren Judäa beherrschte oder vielmehr tyrannisierte, war, da er aus Idumäa stammte, nicht bloß dem Blut, sondern auch den Sitten und der Frömmigkeit Israels fremd (obwohl er aus Politik zum Schein sich zur Religion desselben bekannte), ja er war selbst der Menschheit fremd.

Es ist dies jener Herodes, ein Sohn des Antipater, geboren im Jahre 65 vor der christlichen Zeitrechnung, und der Große genannt, nicht wegen des Ruhmes seiner Unternehmung, sondern wegen der Abscheulichkeit seiner Missetaten, seiner Niedrigkeit, seiner Heuchelei und seiner Grausamkeit, die ihm einen ausgezeichneten Platz unter den ausgezeichnetsten Bösewichtern, deren die Geschichte gedenkt, verdient haben. Niedrig von Geburt wie an Seele, arm an Vermögen wie an Tugend, gelang es ihm dennoch durch Ränke, Schändlichkeiten, Verbrechen, sich aus seiner Niedrigkeit zu erheben und sich aus der Dunkelheit seiner Geburt zu ziehen. Denn er hatte sich zuerst durch seine Schmeichelei die Freundschaft des Sextus Cäsar, Statthalters von Syrien, erworben, und ließ sich zum Statthalter von Cölesyrien ernennen. Nachdem er dann Marianna, eine Enkelin des Hircanus, des letzten der Machabäer, der in seiner Person die Hohenpriester-Würde mit der Königswürde vereinigte, geheiratet und mit der schwärzesten Ruchlosigkeit diesen seinen Verwandten und seinen Wohltäter getötet hatte, gelang es ihm durch die Gunst, die ihm einst eben dieser Hircanus in Rom verschafft, indem er ihn als Gesandten an Pompejus abgeordnet hatte, und auf die Empfehlung des Triumvirs Antonius hin, dessen Schutz sich Herodes durch reiche Geschenke erkauft hatte, sich zuerst zum Tetrarchen, dann zum König von Judäa ernennen zu lassen und einen Thron einzunehmen, der durch seine Treulosigkeit und durch seine Grausamkeit erledigt worden war. Nach der Schlacht von Aktium, in welcher Antonius besiegt wurde, und Cäsar Augustus alleiniger Herr blieb, hielt sich Herodes für verloren. Als er ihn aber in Rhodus besucht hatte, wußte er durch seine Heuchelei und durch seine Niedrigkeit seine Gnade so sehr wieder zu gewinnen, daß er in der Regierung bestätigt wurde.

Nun kannte seine Grausamkeit keinen Zügel und keine Grenze. Er tötete zuerst Soemus, seinen Vertrauten und Freund, dann den Gemahl seiner Schwester Salome; dann seine eigene Gemahlin Marianna, ihre Mutter und ihren Bruder Aristobul; dann alle seine Freunde; dann die Großen seines Hofes unter den nichtigsten Vorwänden und ohne alles Rechtsverfahren, und endlich zwei von seinen eigenen Söhnen, Alexander und Aristobulus, die er nach einander vor seinen Augen erdrosseln ließ. Als Augustus diese erfahren hatte, rief er nach dem Bericht des Macrobius aus: „Im Hause des Herodes möchte ich lieber ein Schwein, als ein Sohn sein“; denn die Juden schlachteten die Schweine nicht: „Malim in domo Herodis parcus esse quam filius“; quia Judaei procos non mactabant.

Es ist daher nichts glaubwürdiger, als das schreckliche Blutbad, welches dieser Mensch nach der Ankunft der Magier unter allen Kindern Bethlehems anrichtete, um seinen Thron zu sichern. Und was Wunder, daß er dem Ehrgeiz in der Regierung fremde Kinder opferte, nachdem er ihm seine eigenen geopfert hatte? Dies war der Mensch, oder vielmehr das Ungeheuer in Menschengestalt, das in Jerusalem herrschte, als die Magier dahin kamen und die Geburt des Königs der Juden verkündigten. Bei dieser Nachricht nun fühlte Herodes die größte Furcht; er erschrak und wurde bestürzt, so daß er von jenem Augenblick an keinen Frieden mehr kannte: „Audiens autem Herodes rex, turbatus est.“

Aber worüber doch und warum doch erschrak Herodes bei der Nachricht von der Geburt des Königs der Juden? Der heilige Gregor sagt, bei der Geburt des Königs des Himmels musste jener König der Erde notwendig erschrecken; denn so oft sich die himmlische Herrlichkeit auf irgend eine Weise offenbart, bewirkt eine geheime Kraft, ein geheimnisvoller Trieb, daß die irdische Herrlichkeit gedemütigt, beschämt wird, daß sie zittert.

Der Schrecken der Magier

Aber nicht alle menschlichen Herrlichkeiten, sagt der heilige Hilarius von Arelate (Arles), erschrecken auf dieselbe Weise, wenn sich ihnen die göttliche Herrlichkeit ankündigt. Auch die Magier waren Könige und Große der Erde. Die Erscheinung des Sterns, welche ihnen die Geburt des Messias ankündigte, brachte allerdings auch in ihr Herz Unruhe. Allein ihr Schrecken war jener heilsame Schrecken, der in dem Herzen des Sünders erweckt wird, welcher unter der Last seiner Schulden seufzt, welcher das größte Verlangen hat, davon befreit zu werden, welcher begierig auf den göttlichen Ruf hört und gern bereit ist, zu antworten. Es war jener kostbare Schrecken, ein Sohn der Gnade, der auf eine neue Gnade vorbereitet, der das Herz umwandelt und es neu gestaltet, der die Bekehrung beginnt und sie vollendet. Es war jener Schrecken, der kostbarer ist als jede Ruhe, welcher den Abscheu vor dem Bösen, das Verlangen nach dem Guten, den Ekel vor dem Laster, die Liebe zu der Tugend erzeugt, welcher der Hoffnung die Türe öffnet, welcher den Mut einflößt. Es war jener Schrecken endlich, welcher die Neigungen wieder ordnet, die er verwirrt, welcher die Bitterkeit wieder versüßt, die er darreicht, welcher den Schmerz kostbar macht, den er erweckt, welcher sich in einen Balsam für die Wunde verwandelt, die er geöffnet hat, welcher die Tränen lieblich und süß macht, die er vergießen läßt, welcher auf die Wege der Einfalt des Glaubens, der Demut, der Reue, des Vertrauens auf die Vergebung, des Entzückens der Liebe führt und den Trost, die Ruhe, den Frieden fühlen läßt, welcher den Armen am Geist, den Demütigen am Herzen verheißen ist.

Daher, sagt der heilige Augustin, predigen die Magier das wahre Vorbild der christlichen Seele, welche auf den Pfaden des Glaubens wandelt, aber immer mit dem Herzen an der Hoffnung der Herrlichkeit und an dem Verlangen nach der himmlischen Erscheinung fest hält, Jesum Christum, indem sie sich erkundigen, wo er ist, glauben an ihn, indem sie ihn suchen, und sind, ohne ihn noch gesehen zu haben, so ruhig und so glücklich, wie wenn es ihnen schon gelungen wäre, ihn zu besitzen. Sehet, sagt der heilige Johann Chrysostomus, die Einfalt, die Offenheit, das Vertrauen, die Freiheit, die Ruhe, womit die Magier mit Herodes verhandeln. Damit man auch nicht den entferntesten Verdacht haben könnte, als seine sie aus List von irgend Jemand abgesandt worden, um Verschwörungen und Verwirrungen anzustiften, geben sie mit aller Offenheit des Herzens die göttliche Offenbarung kund, welche sie bekommen, den Stern, der sie geführt, die Entfernung des Ortes, woher sie gekommen, ohne die mindeste Besorgnis, die geringste Furcht weder vor dem Volk das in Aufregung, noch vor dem Tyrannen, der in Wut gerät, zu zeigen.

Herodes erschrickt auf andere Weise

Herodes aber erschrickt auf eine ganz andere Weise. Er ist ein Gottloser. Nichts, sagt der heilige Hilarius von Arles, ist natürlicher, als daß die menschliche Gottlosigkeit bei dem Anblick, bei der Verkündigung der göttlichen Frömmigkeit erschrickt. Er fühlt also den Schrecken des Schuldigen, welcher den Zeugen fürchtet, der ihn anklagt, den Richter, der ihn verurteilt, den Henker, der ihn bestraft. Er fühlt den Schrecken des Sünders, den die Angst eines bösen Bewusstseins verwirrt, den die Gewissensbisse martern, den die Verstocktheit verhärtet, den die Besserung entmutigt, den das Mißtrauen in Verzweiflung bringt. Er fühlt den Schrecken der Furcht, welche die Schuld und Strafe des Herzens, das sie fühlt, zugleich ist, und welche, aus dem Verbrechen entstanden, Unglückseligkeit und Schmerz erzeugt. Aber dieser Schrecken des Herodes, eine Folge der Schuld, dieser Schrecken des Argwohns, der Wut, der Verzweiflung, der Raserei, war, sagt der eben angeführte Lehrer, ebenso wie der heilige Schrecken der Magier, dieser Schrecken des Glaubens, der Zuversicht, des Friedens, der Liebe, eine feierliche Huldigung, welche jener niedrige Feind Jesu Christi wider seinen Willen der Wahrheit seines Reiches, der Macht seiner Herrschaft brachte. Denn indem er fürchtet, der geborene Jesus Christus möchte ihn seines Reiches berauben, anerkennt er in ihm die Macht, ihn desselben berauben zu können. Welch` ein Anblick also! Ein stolzer und übermütiger König, mit Purpur bekleidet, mit Waffen umgürtet und von Bewaffneten umgeben, zittert, bebt, einem demütigen, vor wenigen Tagen geborenen Knäblein gegenüber, das, von ärmlichen Tüchern umwickelt, schreit, und einsam in einer offenen Strohhütte liegt.

Fürchtet die Demut des Geistes

O Große und Glückliche der Welt! Deren großer Stolz, großes Elend, große Verbrechen nach Außen große Reichtümer, große Pracht, große Macht zeigen, womit ihr sie zu bedecken meinet, bedenket, sagt Augustin zu euch, daß auch ihr euch einst Jesu Christo gegenüber als einsame Geister befinden müsset, indem euch bloß die traurige Schar eurer Laster begleitet! Was werdet ihr nun aber alsdann tun? Was werdet ihr sagen? Wie werdet ihr vor dem majestätischen Richterstuhl dieses Gottes dastehen, dessen demütige Geburt für die stolzen Könige so erschreckend gewesen ist? Wie werdet ihr die drohende Miene, den strengen Blick dieses Gottes aushalten, wenn er mit euch als Richter handeln wird; dieses Gottes, der das Verbrechen zittern machte, als er auf Erden als Erlöser erschien? O fürchtet, glaubet mir, fürchtet mit Demut des Geistes, mit Aufrichtigkeit des Herzens ihn, der jetzt als glorreicher König zur Rechten des Vaters sitzt, und der die Gottlosigkeit auf dem Thron vor Schrecken beben machte, als er noch als ein Kindlein an der Brust seiner Mutter hing. O nachsichtiger und erbarmungsvoller König zugleich, dessen Schwert man nur durch die aufrichtige Ausübung der Religion, nicht durch das Verbrechen einer grausamen Gottlosigkeit entgeht! –
aus: Joachim Ventura, Exgeneral der Theatiner, die Schönheiten des Glaubens oder: Das Glück, an Jesum Christum zu glauben und der wahren Kirche anzugehören. Eine Erklärung des Geheimnisses der Epiphanie des Herrn. Bd. 6, Dritter Teil, 1858, S. 24 – S. 29

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