Heiliger Erhard Bischof von Regensburg

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

 Heiligenkalender

8. Januar

Der heilige Erhard Bischof von Regensburg

In Regensburg in der freundlichen Kirche Niedermünster ruhen unter einem alten Altar die Gebeine eines Heiligen, den die Bewohner der Stadt und des Bistums noch heute dankbar verehren, obwohl schon mehr als 1100 Jahre verflossen, seitdem er auf Erden gewandelt zum Segen für viele Tausende. Es ist der heilige Erhard.

Aus den Bergen Schottlands zog er, wie so viele andere Helden des Glaubens und der Liebe, über das Meer nach Deutschland, um dort Christum, den Gekreuzigten zu predigen. Ein Priester nach dem Herzen Gottes leuchtete er überall, wohin sein Fuß trat, durch Wort und Beispiel. Der Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen verzehrte ihn. Hatte er des Tages über die Unwissenden mit aller Geduld gelehrt, die armen Sünder mit Gott versöhnt, die Betrübten getröstet, dann warf er sich des Nachts auf die Knie nieder und holte sich neue Kraft aus der Betrachtung und dem Gebet. Die Unschuld und Reinheit des Herzens, womit er schon im elterlichen Hause glänzte, bewahrte er unverletzt bis zum Tode. Er wendete aber auch sorgfältig die besten Mittel an, dieses unschätzbare Kleinod zu erhalten, besonders das Gebet, die Abtötung, die innigste Andacht zur heiligsten Gottesmutter, und die tägliche heilige Kommunion beim heiligsten Opfer. Zum Regionar-Bischof, das heißt, zu einem Bischof ohne bestimmten Sitz, geweiht, arbeitete er an der Seite seines Bruders Hildulf, der Bischof von Trier war, unermüdlich am Heil der Seelen, indem er in der Umgegend von einem Ort zum andern wanderte, und den Samen des göttlichen Wortes in die Herzen streute. Als sein Bruder starb, fürchtete er, zu seinem Nachfolger bestimmt zu werden; deshalb flüchtete er sich mit seinem Bruder Albert, einem ebenso eifrigen als heiligmäßigen Mann, und durchwanderte verschiedene Länder Deutschlands, wo er an mehreren Orten, unterstützt von den Liebesgaben frommer Seelen, die er für Gott gewonnen hatte, 14 Klöster stiftete, unter diesen das nachmals so berühmte Reichsstift Niedermünster zu Regensburg, wo er sich nach des heiligen Emmerams Tod niederließ und das bischöfliche Amt verwaltete.

Große und mannigfaltig war der Segen, den der heilige Bischof in der Stadt und im Bistum Regensburg verbreitete. Er war eine leuchtende Lampe im Hause des Herrn, ein unermüdlich tätiger Arbeiter in seinem Weinberg. Durch seine hohe Weisheit, seine liebevolle Geduld und Opferwilligkeit gelang es ihm, viele, die den Weg der Wahrheit verließen, wieder in die rechte Bahn zu leiten und neue, fromme Kinder der heiligen Kirche zuzuführen. Mitten in seinen Arbeiten fühlte er sich eines Tages von Gottes Geist erleuchtet und angetrieben, nach Elsaß zu ziehen, und dort einem zu hoher Heiligkeit von Gott bestimmten Kind zu Hilfe zu kommen.

Es hatte nämlich dem hartherzigen Herzog Attich von Elsaß seine Gemahlin, die fromme Berswinda, ein blindes Mädchen geboren. – Furchtbar erzürnt über diese Entehrung seines Hauses, wie er meinte, befahl er, das Kind aus der Welt zu schaffen. Allein die fromme Mutter, mit dem zärtlichsten Bande der Liebe an dem unglücklichen Kinde hängend, ließ heimlich dasselbe durch eine treue Dienerin aus dem Schloß schaffen. Die treue Magd pflegte das Kind auf das Sorgfältigste, und erzog es, so gut sie konnte. Da aber die Mutter, der sie von Zeit zu Zeit heimlich Nachricht von ihrer Tochter brachte, fürchtete, es möchte dem Vater von dem Dasein seines Kindes etwas zu Ohren kommen, ließ sie dasselbe zu einer guten Freundin, die Äbtissin zu Palme war, bringen, und dort aufziehen. Unaufhörlich betete die fromme Mutter um Hilfe für ihr Kind, und fand auch Erhörung. Es erschien eines Tages der heilige Erhard an der Pforte des Klosters und begehrte die Tochter des Herzogs von Elsaß zu sehen. Die Äbtissin, welche den heiligen schon kannte, stellte ihm dasselbe, welches bereits zu einem lieblichen Mädchen von 12 Jahren heran gewachsen war, mit Freuden vor. Der Heilige segnete es, unterrichtete es sorgfältig in der christlichen Religion, erteilte ihm dann feierlich die heilige Taufe, und gab ihm den Namen Odilia oder Ottilia. In dem Augenblick, als Odilia mit dem Taufwasser begossen wurde, und ihre Seele das Licht des heiligen Geistes empfing, erhielt sie auch das Licht ihrer Augen. Alle, welche dies Wunder sahen, staunten und lobten Gott. Odilia, ohnehin von der Welt verstoßen, weihte sich von nun an dem Dienste Gottes, und nahm auf Rat des heiligen Bischofs den klösterlichen Schleier. Dieser aber kehrte wieder nach Regensburg zurück, wo er einige Jahre danach im Frieden des Herrn selig entschlief. Sein Leichnam wurde in der Kirche zu Niedermünster beerdigt; der heilige Papst Leo IX. versetzte ihn unter die Zahl der Heiligen. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 63 – S. 64

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Category: Bischöfe, Ott
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