Der Eingang ins Paradies kostet Anstrengung

Bemüht euch einzugehen durch die enge Pforte ins Paradies

Betrachtung zum 12. Januar

Contendite intrare per angustam portam; quia multi, dico vobis, quaerent intrare, et non poterunt.
„Bemühet euch einzugehen durch die enge Pforte, denn ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen und es nicht vermögen.“ (Luk. 13,24)

1. Betrachte, daß der Eingang ins Paradies nicht so leicht sei, wie Viele sich einbilden; es kostet Mühe, kostet Anstrengung. Bemühet euch, sagt Christus. Welche Mühe, welchen Kampf muss man also auf sich nehmen? Jenen, der sich zu erheben pflegt zwischen Fleisch und Geist. Das Fleisch möchte freilich durch keine enge Pforte eingehen, wie die Abtötung, die Demut, der Gehorsam und die Buße ist. Der Geist aber erkennt, daß es notwendig sei, durch sie einzugehen, da auch Christus durch keine andere eingegangen. Und so liegen diese zwei immerdar im Kampf miteinander, und bringen den Menschen in die äußerste Not und gleichsam zu Todeskampf. Deshalb sagt der griechische Text mit noch stärkerem Nachdruck: „Kämpfet auf den Tod“. Es braucht also großen Mut, weil es sich um eine Sache von der größten Wichtigkeit handelt. Glücklich wirst du sein, wenn du eingehst, unglücklich, wenn du nicht eingehst. Entweder musst du eingehen oder verdammt werden: „Bemühet euch einzugehen.“

2. Betrachte, wie viele ins Paradies einzugehen suchen, und deshalb männlich kämpfen; aber doch nicht eingehen, weil sie nicht bis ans Ende im Kampf verharren. Wenn nun solche, die viel und lange streiten, das Himmelreich nicht erlangen, was wird erst mit Jenen geschehen, die sich nicht darum kümmern und beim ersten Anfall der Sinnlichkeit unterliegen? Glaubst du, daß diese eingehen werden?

3. Betrachte, daß Jene, die also handeln, ins Paradies nicht nur nicht eingehen werden, sondern nicht einmal eingehen können, wenn sie es auch wollten: „Sie werden suchen einzugehen und es nicht vermögen.“ Der Grund ist, daß sie stets der Sinnlichkeit nachgegeben, und werden deshalb, wenn sie beim Herannahen des Todes dem Geist folgen und ihrer unreinen Liebe, dem Geiz oder der Ehrsucht entsagen möchten, ihre Kräfte so geschwächt finden, daß sie dies zu tun moralisch nicht im Stande sind. „Sie vermögen es nicht.“

Willst du deshalb in jener Lage dein Heil versichern, so musst du dir Mühe geben, daß du deinen Geist nicht bloß gewöhnst mit der Sinnlichkeit zu streiten oder zu kämpfen, sondern sie auch zu besiegen. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 25 – S. 26

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