Von dem Begriff der Heiligkeit

Vom Begriff der Heiligkeit

„Das ist der Wille Gottes: eure Heiligung.“ (1.Thess. 4, 3)

Vielgeliebte in Jesu Christo! Die Kirche, unsere hl. Mutter, begeht die hl. Fastenzeit erstlich in der Absicht, um ihre Kinder so nachdrücklich als möglich an das große Werk der Erlösung zu erinnern, das Jesus Christus zur Rettung des Menschengeschlechts durch Seinen Tod am Kreuz vollendete. Sie begeht aber auch dieselbe, auf dass ihre Kinder mit besonderer Sorge als ihre wahren Kinder, von Sünden frei, auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit mit dem Eifer der Heiligen in der Nachfolge Christi zu wandeln sich forthin bestreben.

Doch wie wenige Kinder der Kirche denken ernstlich daran, wirklich darnach zu streben, und meinen gleichsam, dieses Streben nach Vollkommenheit sei nur eine Aufgabe für Priester und Ordenspersonen. Und sei es auch, dass sie diesen ihren Beruf und diese Verbindlichkeiten erkennen, so scheinen sie doch kaum daran zu denken, wie mächtig die Beweggründe sind, die uns auffordern, heilig zu leben.

Darum will ich diese Fastenzeit dazu benützen, um mit euch die Gründe zu beherzigen, welche besonders geeignet sind, jedes Kind der Kirche in dem Entschluss zu befestigen, in der Nachfolge Christi nach wahrer Vollkommenheit in der Übung aller Christentugenden zu streben.

Ich bedenke heute zuerst daran, worin die Heiligkeit, die Gott von allen Kindern seiner Kirche verlangt, eigentlich bestehe.

O Maria, Königin aller Heiligen, die Du Gottes Wort gehört und in Deinem Herzen bewahrt hast, sorge, dass diese Deine Kinder das, was ich in dieser Fastenzeit zu ihnen sage, in ihrem Herzen bewahren und zur Heiligung ihres Lebens benützen mögen.

Ich rede im heiligsten Namen Jesu, zur größeren Ehre Gottes!

„Seid heilig!“

Wenn ich euch auffordere, heilig zu leben, so ist vor allem nötig, dass ich euch klar vor Augen stelle, was diese Aufforderung: „Seid heilig!“ sagen wolle.

Dieser Ausdruck will nicht sagen, dass die Christen alle berufen seien, in allen Beziehungen so zu leben, wie wir es im Leben der verschiedenen Heiligen lesen, welche auf den Altären der Kirche stehen. Viele derselben hatten einen eigenen Beruf von Gott, um außerordentliche Taten für die Ehre Gottes nach außen und zur Rettung der Seelen zu vollbringen.

Viele hatten den Beruf, die Welt zu verlassen und in religiöse Orden einzutreten; oder als Einsiedler in Wäldern und Wüsten zu leben. Viele waren von Gott ausgezeichnet durch die Gabe der Wunder und Prophezeiungen.

Es versteht sich von selbst, dass zu all dem ein besonderer Beruf und besondere Gunstbezeugungen des Himmels gehören. Der hl. Bernhard sagt darüber: „Die Heiligen taten zeitweise außerordentliche, zu bewundernde, aber nicht nachzuahmende Dinge.“ So breitete der hl. Raimund seinen Mantel auf das Meer und fuhr von Afrika nach Spanien. Versuche es ein anderer und er ersäuft.

Alles, was man im Leben der Heiligen liest, gleich nachahmen wollen, wäre, wie derselbe Bernhard erwähnt, für manche geradezu Vermessenheit; und wollten wir es auch versuchen, es würde uns nicht gelingen, da wir dazu von Gott weder den Beruf noch die Gnade haben.

Allein das ist auch nicht notwendig, um heilig zu leben.

Die allgemeine Christenpflicht

Den Stand der christlichen Vollkommenheit und Heiligkeit des Lebens bezeichnet nur jene Stimmung des Herzens, in Folge welcher der Mensch sich nicht damit begnügt, nicht nur die Todsünden zu meiden, sondern mit allem Eifer trachtet, auch alle ganz freiwilligen lässlichen Sünden und Unvollkommenheiten zu vermeiden, und die Pflichten des Standes, dem er angehört, aus Liebe zu Gott auf das Beste zu erfüllen, und in allen Tugenden immer vorwärts zu schreiten und somit, womöglich, täglich besser zu werden.

So zu leben und darnach zu streben, sage ich, ist der Beruf und die Pflicht eines jeden Kindes der Kirche. Christus selbst lädt ja jede Menschenseele zu einem solchen Leben der Vollkommenheit ein mit dem Zuruf: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“, d. h. trachte täglich, Gott in seiner unendlichen Heiligkeit durch ein heiliges Leben immer ähnlicher zu werden.

Auf diese Weise ruft Christus allen zu: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer selig werden und durch mich das ewige Leben finden will, der folge mir nach.“

In gleicher Weise richtet der Apostel an alle Gläubigen die Aufforderung, dem Beispiel Christi zu folgen, auf dass sie selig werden. Er sagt: „Die Er auserwählt hat zur Glorie, die hat Er aus auserwählt, seinem göttlichen Sohn ähnlich zu werden.“ Derselbe hl. Paulus ruft allen Gläubigen ohne Unterschied zu: „Seid meine Nachfolger, wie ich der Nachfolger Christi bin.“

Diese allgemeine Christenpflicht erhellt selbst aus dem Namen und Charakter der Kirche. Christus und die Apostel erklären dieselbe als die heilige Kirche. Mithin wer das Recht beanspruchen will, die Kirche seine Mutter zu nennen, und in der Tat ihr Kind zu heißen, der muss auch darnach streben, heilig zu leben. Er wäre sonst ein dürrer Ast am Baum und somit dem Verbrennen zu übergeben, wie Christus droht.

Die Apostel bekennen im Glaubensbekenntnis, das sie verfasst und allen zu glauben vorgestellt, die sich Kinder der Kirche nennen, die Gemeinschaft der Heiligen, und zwar im Himmel und auf Erden. Sie pflegen in ihren Sendschreiben an die Gläubigen, dieselben geradezu Heilige zu nennen. „Grüßt die Heiligen“, d. h. heilig, weil bereits vollkommen oder doch dazu berufen, nach Vollkommenheit des Tugendlebens zu streben.

Die verschiedenen Tugenden in heroischem Grad üben

Um aber zu diesem Stand der Vollkommenheit zu gelangen und in der Nachfolge Christi wie die Heiligen zu leben, ist es nicht genug, die verschiedenen Tugenden nur zeitweilig und obenhin zu üben, sondern, wie die Kirche sich auszudrücken pflegt, es heißt, dies in heroischem Grad tun.

Wenn irgendein Kind der Kirche im Ruf der Heiligkeit aus dieser Welt scheidet, so fragt die Kirche nicht, ob ein Mensch im Leben Wunder gewirkt, sondern ob er die Christentugenden in heldenmütigem Grad geübt, d. h. mit solchem Mut und mit solcher Anstrengung und Treue, wie Soldaten kämpfen, die unter anderen sich als Helden auszeichnen. Die Tugenden aber werden, wie ihr wohl wisst, in göttliche in sittliche abgeteilt, je nachdem sich die Übung derselben unmittelbar auf Gott bezieht oder nur auf die Erfüllung seines Willens im sittlichen Leben.

Lasset uns deshalb auf diese Tugenden der Ordnung nach hinblicken, und es wird bald klar werden, was das sagen wolle, dieselben in heroischem Grad zu üben, wie dies bei den heiligen der Fall gewesen.

Die göttlichen Tugenden

Was erstlich die göttlichen Tugenden betrifft, so gehören zu denselben folgende, nämlich: Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Glaube als göttliche Tugend ist jene Stimmung des Geistes, kraft welcher wir ohne den geringsten Zweifel alles für wahr halten, was Gott uns durch seine Kirche als geoffenbart zu glauben vorstellt. In dieser Beziehung hat kein Unterschied statt zwischen den Kindern der Kirche. Jeder hat diese Pflicht auf sich und die Gnade dazu, in einem solchen Zustand des Geistes zu leben. Allein in Hinsicht auf die Tugend des Glaubens, um dieselbe in einem heldenmütigen Grad zu besitzen, wie dieselbe Einfluss auf das Leben nimmt, da findet ein großer Unterschied statt.

Die Tugend des Glaubens

Das Fundament des Glaubens ist Gott, die ewige Wahrheit, und Er hat der katholischen Kirche die Wahrheit der Offenbarung anvertraut. Die Tugend des Glaubens in heldenmütigem Grad zu besitzen, wie dieselbe Einfluss auf unser Leben nimmt, heißt alle Dinge in der Welt im Licht des Glaubens erblicken, und nach dieser Erkenntnis und in diesem Licht dieselben schätzen, würdigen und zur Übung der Tugend und zum Widerstand gegen das Böse zu benützen.

Nicht dass wir bloß die Wahrheiten des Glaubens für wahr halten, sondern dass dieselben auch Einfluss nehmen auf die Heiligung unseres Lebens, koste es selbst unser Blut und Leben.

Christ, der du mich hörst, ist das auch bei dir der Fall, und in welchem Grad, oder ist der Glaube bei dir bloß ein Buchstabenglaube, und du lebst in der Welt gerade wie ein anderes Weltkind, die Dinge der Welt nicht so wohl dazu benützend, insoweit sie dir als Mittel dienen, deinem Gott zu dienen, sondern als Mittel in dieser Welt, möglichst befriedigt und genussreich zu leben. O, wie weit fehlt es dir dann noch an der Tugend des Glaubens in heldenmütigem Grad.

Die Tugend der Hoffnung

Die Hoffnung ist jene Stimmung des Geistes, kraft welcher der Christ auf Gott sein Vertrauen setzt, dass er mit seinem Beistand sein letztes Ziel erreiche, welches da ist der Besitz Gottes im Himmel und aller geschöpflichen Güter und Freuden. Als göttliche Gabe ist in dieser Beziehung zwischen Christen und Christen kein Unterschied, aber insoweit als die Hoffnung als Stimmung des Geistes auf unserer Leben Einfluss nimmt zur Heiligung desselben, so gibt es unter den Gläubigen einen gewaltigen Unterschied.

Die Tugend der Hoffnung in heroische Grad üben, heißt nämlich bleibend an den Himmel denken, wie ein Wanderer auf seinem Weg bleibend an das Ziel desselben denkt, und alles dazu verwendet, alles sich zu verschaffen und zu benützen trachtet, was ihm dazu verhelfen kann, gewiss und sicher selig zu werden und die höchste Stufe der Glorie im Himmel zu erreichen, koste es in dieser Welt, was es wolle.

So dachten und lebten die Heiligen, der Himmel war ihr bleibender Gedanke. Theresia erfreute sich, so oft sie die Uhr die Stunde anzeigen sah oder hörte. Gott sei Dank, jubelte ihr Herz auf, eine Stunde näher dem Himmel. Ist das auch bei dir der Fall? Denkst auch du bleibend an den Himmel, dann wirst auch du heilig leben. Wenn Leute fragten, wie sie Xaver zu erkennen imstande wären, da hieß es: „Gehe hin an diesen oder jenen Ort, da wirst du einen Priester finden, der wieder und wieder am Tage die Augen zum Himmel erhebt. Der ist es.“

Kann man diesen Zug auch in deinem Leben erkennen? Erhebst auch du oft am Tag das Auge der Seele zum Himmel?

Die göttliche Tugend der Liebe

Die Liebe als göttliche Tugend ist jene Stimmung des Herzens, durch welche der Mensch Gott über alles und alles Übrige nur um Gottes willen liebt. In dieser Beziehung hat allerdings kein Unterschied statt zwischen Seele und Seele. Allein insofern diese göttliche Tugend Einfluss nimmt auf unser Leben, ist der Unterschied ein großer.

Gott heldenmütig zu lieben, heißt, sich dessen bewusst sein, dass wir in der Tat für nichts in der Welt in den Anmutungen der Liebe eine solche Hinneigung fühlen, als für Gott und für unsere Vereinigung mit Ihm im innerlichen Leben, so dass wir in Wahrheit mir David zu beteuern imstande sind: „Was suche ich im Himmel, was verlange ich auf Erden, als Dich, o Gott meines Herzens!“

Ist das bei dir der Fall? O, wie kalt fühlt nicht dein Herz für Gott. Frage dein Gebet. Ist das Gebet für dich nicht vielmehr eine Pflicht? Ja, vielleicht sogar eine Last und nicht für deine Seele das, was der Atem für den Leib ist. O, wie weit fehlt es bei dir dann noch an der Liebe zu Gott im heroischen Grad, wie die Heiligen Gott geliebt.

Da traf es sich, dass einst der hl. Franziskus Seraphikus mit einem Kaufmann auf der Reise zusammentraf, und sie hatten in einem und demselben Zimmer zu übernachten. Nach verrichtetem gemeinschaftlichem Abendgebet legten sich beide nieder. Als nun Franziskus meinte, der Kaufmann schlafe bereits, da erhob er sich wieder von seinem Lager, kniete sich nieder, breitete seine Arme gegen den Himmel aus und begann von Neuem an zu beten.

Er betete kein lautes und überhaupt kein mündliches Gebet, es war ein Herzensgebet, ein Gebet der Betrachtung, von dem David bezeugt: „In meiner Betrachtung hat sich ein Feuer entzündet.“ Es war dies das Feuer der Liebe Gottes, welches die Herzen der Heiligen oft fühlbar in einer Weise erwärmte, dass sie, wie einst St. Aloysius und Petrus Alcantara genötigt waren, ihre Brust mit Wasser abzukühlen.

Franziskus, von dieser Liebe entflammt, wiederholte bloß von Zeit zu Zeit die Worte, die er leise seufzte: „O mein Gott und mein Alles“; wieder schwieg er und wieder wiederholte er diese Anmutung seiner sehnsuchtsvollen Liebe: „O mein Gott und mein Alles.“ Da dachte der Kaufmann bei sich: „O, Mann Gottes, wie liebst du deinen Gott. Wäre dies doch auch bei mir der Fall!“

Die vier Kardinaltugenden

Was die sittlichen Tugenden betrifft, so werden dieselben vorzüglich eingeteilt in Kardinaltugenden und in jene des Eifers im Streben nach Heiligkeit, denen Christus das achtmal Selig zugerufen.

Die vier Kardinaltugenden heißen: Klugheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und Stärke. Diese Tugenden heißt man Kardinaltugenden, von dem lateinischen Wort „Cardo“, welches eine Türangel bedeutet, um damit anzuzeigen, dass, wie eine Tür sich in der Angel hält, um geöffnet und geschlossen zu werden, alle Tugenden auch von diesen vier Tugenden begleitet sein müssen, um wahre Tugenden zu sein.

Klugheit ist nämlich jene sittliche Tugend, welche macht, dass wir mit Leichtigkeit erkennen, was wir dem Willen Gottes gemäß zu tun und zu lassen haben, und für das vorgesetzte Ziel unserer Handlungen auch die besten Mittel wählen und auf das Zweckmäßigste anwenden.

Das war bei den Heiligen der Fall. Ist das auch bei dir der Fall? O, wie übereilt und unklug bist du oft!

Gerechtigkeit ist jene Kardinaltugend, welche macht, dass wir dahin streben, jedem das Seinige, so viel an uns ist, zuzuwenden. Das war bei den Heiligen der Fall, die jeden ihrer Nächsten nach Christi Gebot liebten, wie sich selbst. Ist das auch bei dir der Fall?

O wie oft lässt du dich in deinem Benehmen nur zu viel durch Zuneigung und Abneigung gegen Personen leiten!

Die Mäßigung ist jene Kardinaltugend, die da allen unseren Anmutungen, Wünschen und Taten das rechte Maß zuweist und weder das zu Viel noch das zu Wenig selbst in der Übung der Tugenden gestattet. So lebten die Heiligen. Ist das auch bei dir der Fall?

Wie oft handelst du unüberlegt und verfehlst dich durch Heftigkeit und Übermaß. Es fehlt dir in deinem Leben an der heiligen Geduld, die mit dieser Kardinaltugend der Mäßigung unzertrennbar verbunden ist, und von welcher Jakobus bezeugt, dass sie ein vollkommenes Werk in sich schließe. Das Leben der Heiligen war beseelt von der Geduld und Kreuzesliebe aus Liebe zu Jesus. O, wie wenig besitzest wohl du von diesem Durst nach Leiden aus Lieben zu Jesus, dem Gekreuzigten, und von dieser Geduld im Leiden!

Die Tugend der Stärke ist endlich jene Kardinaltugend, die da macht, dass wir in der Übung der Tugenden und in der Haltung unserer Vorsätze unerschütterlich verharren und alle sich dagegen stellenden Hindernisse mit Gottes Beistand überwinden.

Diese Tugend ist es besonders, welche die Heiligen zu Heiligen gemacht. Mit Recht pflegte Franziskus Seraphikus zu sagen: „Der Unterschied zwischen den Heiligen und den Vedammten besteht darin: Die Heiligen haben Vorsätze gemacht und gehalten, die Verdammten haben gleichfalls Vorsätze gefasst und haben dieselben wieder gebrochen.“

O, wie wankelmütig sind wir. Hättest du alle deine guten Vorsätze, die du im Leben und bei der Beichte gemacht, auch gehalten, du wärest ohne Zweifel schon seit langem ein großer Heiliger.

Die sittlichen Tugenden

Was aber die sittlichen Tugenden betrifft, deren Übung uns besonders dazu verhilft, auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit mit Eifer zu wandeln, und denen Christus das achtmal Selig zugerufen, so sind das die folgenden:

„Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“

„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

„Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.“

„Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden.“

„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

„Selig sind, die eines reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen.“

„Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“

„Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihr Lohn wird überaus groß sein im Himmel.“

So waren die Heiligen gestimmt. Doch, lege die Hand auf dein Herz und erforsche dich über jede dieser Tugendstimmungen, und du wirst leider leicht erkennen, wie viel dir noch an jeder derselben fehlt.

Siehe auch den Beitrag:

Du liebst noch zu viel das Geld und die Güter dieser Welt; es fehlt dir noch gar viel an der Sanftmut und dem Bußgeist, dem Verlangen, heilig zu werden, am Eifer in der Ausübung der Werke leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit. Du bist noch zu viel sinnlich und fleischlich gestimmt, hegst in deinem Herzen Abneigung, vielleicht selbst Missgunst, Neid und Feindschaft, und hast wegen deines Tugend- und Seeleneifers und des Strebens, zur größeren Ehre Gottes sein Reich zu verbreiten, wenig auszustehen.

Nun denn, wenn wir uns ermuntern, als Kinder der Kirche heilig zu leben, wie die Heiligen in der Übung der Tugenden gelebt, so will das so viel heißen als alle die genannten Tugenden in ihrer Vollkommenheit nach Kräften üben, und die Standespflichten in der Gegenwart Gottes in der besten Stimmung des Herzens zu seiner größeren Ehre zu erfüllen und geduldig zu leiden, was Er immer zu leiden uns auferlegen sollte.

Es heißt, dies selbst tun und so viel an uns ist trachten, auch anderen durch ein gutes Beispiel voran zu leuchten und auf diese Weise den Willen Gottes auf Erden so vollkommen als möglich zu erkennen und zu erfüllen.Es heißt dabei trachten, durch das Gebet, durch unseren Umgang mit Gott im Gebet, mit Christus im Allerheiligsten Sakrament das Maß der Gnaden zu vermehren. Ist dies bei dir der Fall, dann ist die Folge dessen ohne Zweifel ein heiliges Leben.

Bestreben wir uns von nun an, durch die ernste, bleibende Erwägung des Gesagten in uns täglich den Durst nach wahrer Vollkommenheit und Heiligkeit zu beleben. – Amen!

aus: F. X. Weninger, Originelle kurz gefasste praktische Fasten-Predigten, 1884, IV. „Seid heilig!“, Erste Predigt, S. 179 – S. 189

Überschriften sind der besseren Lesbarkeit hinzugefügt.

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