Weihnachten und WinterSonnenwende

Die Geburt Jesu Christi am Christabend: das Kind liegt auf Stroh, Maria und Joseph knien vor Ihm; links und rechts sind Männer und Kinder, die Ihm huldigen; im Hintergrund sind viele Engelkinder mit Kerzen und Instrumenten zu sehen

Weihnachten und Winter-Sonnenwende

Die erst sehr kurzlebige und doch schon sich überlebt habende Wissenschaft eines Dupuis und Volney glaubte Wunder, wie heftig sie die Grundlage des „christlichen Aberglaubens“ erschüttert hätte, als sie nachgewiesen, daß schon bei uralten Völkern das Fest der Winter-Sonnenwende bestanden habe; es schien ihnen, als ob eine Religion nicht göttlicher Natur sein könne, die ihren Kultus den überlieferten Bräuchen der alten Welt anpasse. Und doch hat nach der Offenbarung Gott die Welt lediglich wegen Christus und seiner Kirche geschaffen. Wie sollten da nicht bereits vor seiner Menschwerdung bei den alten Völkern Anklänge des zu erwartenden Heils vorkommen? Und so erblicken wir Katholiken gerade in dem, worin die Menschen eine Widerlegung unseres Glaubens finden, eine Bestätigung desselben; denn nicht bloß die nachchristliche Welt, sondern auch die vorchristliche Welt steht in Beziehung zu Christus als ihrem Mittelpunkt, und es finden sich daher sowohl in dem Glauben wie in den Religionsübungen Anklänge an Christus und seine Lehre.

Man braucht nur an das Opfer zu denken, welches dem über die Handlungen des Menschen erzürnten Gott dargebracht wird. Sollte deshalb das Versöhnungsopfer Christi am Kreuz eine Mythe sein, weil Juden und Inder, Germanen und Kelten ebenfalls Opfer und selbst Menschenopfer darbrachten? Im Gegenteil muss hier selbst die menschliche Wissenschaft sagen, daß wir es mit alten verklungenen Traditionen vom Sündenfall zu tun haben.

So haben wir also das Grundgeheimnis unserer freudigen vierzigtägigen Zeit erklärt. Es war dem 25. Dezember von Ewigkeit her die hohe Bestimmung vorbehalten, daß an diesem Tag Gott im Fleisch geboren werden sollte. (siehe dazu auch den Beitrag: Der hochheilige Weihnachtstag) –
aus: Dom Prosper Guéranger, Die heilige Weihnachtszeit, Bd. 2, 1892, S. 15 – S. 16

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