Die Kirchenväter über das Geburtsdatum Christi

Weihnachten Jesus Christus als Kind in der Krippe von Engeln umgeben, rechts und links davon Blumengirlanden mit der Banderole Ehre sei Gott in der Höhe

Der Tag, den der Herr für Seine Geburt gewählt hat

Was die Kirchenväter über das Geburtsdatum Christi sagen

In unserer Abhandlung über den Advent haben wir, den heiligen Vätern folgend, die Abnahme des physischen Lichtes als ein betrübendes Kennzeichen der Tage der allgemeinen Erwartung gedeutet; wir haben mit der Kirche nach dem göttlichen Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit gefleht, die allein uns vor den Schrecken des körperlichen und geistigen Todes schützen kann. Gott hat uns erhört. Und am Tage des Winter-Sonnen-Stillstandes, bekannt durch die Schrecken und die Freuden der alten Welt, schenkt er uns das materielle Licht wie auch die Leuchte des Geistes.

Der heilige Gregor von Nyssa, der heilige Ambrosius, der heilige Maximus von Turin, der heilige Leo und die berühmtesten Liturgisten suchen alle die Erklärung dieses tiefen Geheimnisses darin, daß der Schöpfer des Weltalls in diesem einen Zuge den natürlichen wie den übernatürlichen Teil seines Werkes zeichnen wollte. Und in der Tat sehen wir, daß die Gebete der Kirche während der Adventszeit und der Weihnachtszeit sowohl der Abnahme wie auch der Zunahme des Lichtes Erwähnung tun.

„An diesem Tage, welchen der Herr gewählt hat“, sagt der heilige Gregor von Nyssa in seiner Homilie über die Geburt Christi, „beginnt die Finsternis sich zu vermindern, das Licht wächst und die Nacht wird in ihre Grenzen zurück gedrängt. Gewiß, meine Brüder, ist dies nicht ein bloßer Zufall, auch nicht eine Äußerung fremder Willkür, daß gerade an diesem Tage Derjenige erglänzt, der das göttliche Leben der Menschheit ist: es ist die Natur, welche unter diesem Zeichen denen ein Heilmittel offenbart, deren Auge geschärft ist und die fähig sind, diesen, die Ankunft des Herrn begleitenden Umstand zu würdigen. Es ist mir, als ob die Natur zu mir spräche: O Mensch! Wisse, daß in all` den Dingen, die du siehst, tiefe Geheimnisse dir offenbart werden. Die Nacht, du hast es gesehen, wurde länger und länger. Plötzlich scheint eine höhere Hand ihr Halt zu gebieten. Denke an die verhängnisvolle Nacht der Sünde, welche durch alle möglichen Missetaten auf ihrem Gipfel angelangt zu sein schien.

„Heute ist ihr Verlauf durchkreuzt worden; von diesem Tag an beginnt ihre Niederlage und bald wird sie vertilgt sein. Betrachte denn die immer helleren Strahlen der Sonne, die immer höher am Himmel sich erhebt und zugleich sieh` das wahre Licht des Evangeliums seine Strahlen immer weiter über den ganzen Erdkreis senden.“

„Freuen wir uns“, ruft der heilige Augustinus in seiner dritten Predigt über die Geburt des Herrn; „denn dieser Tag ist geheiligt, nicht wegen der sichtbaren Sonne, sondern durch die Geburt des unsichtbaren Schöpfers derselben. Der Sohn Gottes hat sich diesen Tag erwählt, um geboren zu werden, wie er sich eine Mutter gewählt hat, er, der Schöpfer des Tages und der Mutter. Und in der Tat, dieser Tag, an welchem das Licht wieder zu wachsen beginnt, war geeignet, das Werk Christi zu bezeichnen, welcher durch seine Gnade ohne Aufhören unseren inneren Menschen erneuert. Wollte der ewige Schöpfer in der Zeit geboren werden, dann musste auch der Tag seiner Geburt mit der zeitlichen Schöpfung in Einklang stehen.“

In einer anderen Predigt über dasselbe Fest gibt uns der Bischof von Hippo den Schlüssel zu einem geheimnisvollen Wort des heiligen Johannes des Täufers, das in wunderbarer Weise mit den Überlieferungen der Kirche stimmt. Der Vorläufer Christi hatte nämlich von diesem gesagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh. 3,30) Es ist dies ein prophetischer Ausspruch, der in seinem wörtlichen Sinn bedeutete, daß die Mission des heiligen Johannes des Täufers zu Ende ginge, wenn der Heiland selbst die seinige antrete; aber wir sehen darin mit dem heiligen Augustin noch ein zweites Geheimnis: „Johannes ist in diese Welt gekommen in der Zeit, als die Tage abzunehmen begannen; Christus dagegen ist in dem Augenblick geboren worden, wo die Tage zu wachsen beginnen.“ (Sermo in Natali Domini XI)

So ist Alles geheimnisvoll, sowohl der Aufgang des Gestirnes des Vorläufers zur Zeit der Sommer-Sonnenwende, wie auch das Erscheinen der göttlichen Sonne in den Zeiten der Nacht. –
aus: Dom Prosper Guéranger, Die heilige Weihnachtszeit, 1892, S. 12 – S. 15

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