Unsere Liebe Frau aus dem Hause David

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Die Gottesmutter Maria aus dem Hause David

Die Familienverhältnisse

Aber wie gestalten sich nun näher die Familien-Verhältnisse der Nachkommen Davids seit der Abführung des Volkes nach Babylon und der Rückkehr aus der Gefangenschaft, da eigentlich für immer das Zepter von Juda und von dem Stamm Davids genommen war?

Zorobabel, der als Führer das Volk in die alten Wohnsitz des Gelobten Landes zurück brachte, ist der einzige Mann von geschichtlicher Bedeutung. Nach ihm bringt das Verzeichnis der Nachkommen Davids bloß Namen ohne Geschichte. Die Familie verschwand ganz aus dem öffentlichen Leben des Volkes. Ja als Herodes (etwa 38 v. Chr.), der sich mit List und Gewalt des Thrones bemächtigte, jeden vorgeblichen Nebenbuhler mit Mord bedrohte, da flüchteten die Erben Davids wohl auf das Land nach Bethlehem oder Nazareth und verbargen ihr Dasein und das Herabkommen der Familie unter der Unauffälligkeit und Belanglosigkeit der Stellung und Lebensbeschäftigung.

Nur unverbürgte und apokryphe Nachrichten und mehr oder weniger deutliche Angaben der Evangelien lassen etwas Näheres verlauten über die Familien-Verhältnisse der Mutter Gottes. Vielleicht möchte folgende Zusammenstellung am besten den Aussagen und den wahrscheinlicheren Überlieferungen entsprechen. Die zwei letzten Stammhalter der Doppellinie Davids waren nach Mt. 1,16 und Lk. 3,23 Jakob und Heli, und zwar Heli gleichbedeutend mit Heliakim und Joachim (vgl. Jdt. 4,5 u. 7 u. 11; 15,9). Heli nun hatte zwei Töchter, die ältere Maria, im Evangelium auch die „andere Maria“ (Mt. 28,1; Mk. 16; Joh. 19,25) genannt, und die weit jüngere Maria, die Mutter Gottes (Joh. 19,25). Jakob aber besaß zu Söhnen Kleophas, auch Alphäus genannt (Mt. 10,3), und nach Hegesippus (Eusebius, Kirchengesch. 3,11, bei Migne, Patr. gr. XX 248) den hl. Joseph. Dieser Alphäus nun heiratete die ältere Maria des Heli und hatte aus ihr drei Töchter und vier Söhne, die beiden Apostel Jakobus den Jüngeren, Judas Thaddäus, Joseph (Apg. 1,23) und Simon, den späteren Bischof von Jerusalem; der hl. Joseph aber nahm Maria, die seligste Jungfrau zur Frau (Mt. 1,16).

Daß Joachim und Anna die Eltern der Mutter Gottes waren, ist eine uralte Überlieferung. Auf besagte Weise war also der hl. Joseph der leibliche Sohn des Jakob, und nicht zwar infolge einer Leviratsehe (*), sondern als Mann der Erbtochter Maria als Schwiegersohn Helis gesetzlicher Sohn. Beide Stammlinien Davids hätten somit zum Endsproß den hl. Joseph. Maria, die Mutter Gottes, wäre sonach erwiesenermaßen Tochter Davids und Erbtochter eines davidischen Stammes, und die beiden Apostel Jakobus der Jüngere und Thaddäus wären wirkliche Vettern oder, wie sie auch genannt werden, „Brüder des Herrn“. Ja nach einem Stammbaum, den das 16. Jahrhundert entwarf, wäre eine der drei Töchter des Alphäus, Salome, die Frau des Zebedäus und Mutter der Apostel Jakobus des Älteren und des Johannes (Mt. 10,3; 20,20; 27,56; Mk. 1,19; 15,40; 16,1). Auch sie wären also Vettern des Heilandes gewesen, und der Herr hätte, als er seine Mutter sterbend dem hl. Johannes zur besonderen Sorge übergab, nichts getan, als was den natürlichen Verwandtschafts-Beziehungen entsprach. Aber, wie gesagt, vieles bleibt bloße Vermutung. Und bei jeder näheren Bezeichnung der Familienverhältnisse Mariä erheben sich Zweifel.

Endlich ist rühmlichst bekannt die hl. Elisabeth, die Frau des Priesters Zacharias und selbst aus priesterlichem Geschlecht (Lk. 1,1). Sie war auch wirkliche Schwester der Mutter Mariä, die Tante der seligsten Jungfrau (Lk. 1,36)…
Die Herabminderung des äußeren Wohlstandes und des zeitlichen Ansehens der Familie aber gehört zu den geheimnisvollen Vorbereitungen der Einführung Gottes in diese Welt. Es sind voraus fallende Schatten des Erlösers, der vor allem ein Liebhaber der Armut und Demut, ein Gott der Kleinen und Bedürftigen sein wollte, ja wie der Prophet (Ps. 11,1) sagt, das unansehnliche Reis aus dem Wurzelstock des abgehauenen Stammes David. –
aus: Moritz Meschler SJ, Unsere Liebe Frau, Ihr tugendliches Leben und seliges Sterben, 1913, S. 16 – S. 19

Maria aus dem Hause David

Im sechsten Monat aber ward der Engel Gabriel von Gott nach Nazareth, einem Städtchen in Galiläa gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Manne namens Joseph verlobt war, aus dem Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria.

Die Worte „aus dem Hause Davids“ gehören nicht zu Joseph, sondern bilden die nähere Charakteristik der fest geschlossenen Wortgruppe: „zu einer Jungfrau, die einem Manne namens Joseph verlobt war“, also zu „Jungfrau“. Denn nicht Joseph steht hier im Mittelpunkt der Erzählung, sondern die Jungfrau; ihr, nicht Joseph, wird die Botschaft gebracht. Ein Anlass, Josephs Herkunft zu nennen, ergab sich erst im weiteren Verlauf der Erzählung (Lk. 2,4), und da wird sie denn auch genannt. Hier also direkt ist bezeugt, daß Maria aus dem Hause Davids war. Die davidische Abstammung Mariä ergibt sich auch daraus, daß (Lk. 1,32) der Engel den Sohn der Jungfrau als den Sohn und Thronerben Davids bezeichnet. Im Hinblick auf die häufige indirekte Bezeugung (z.B. Mt.1,1 u. 18 u. 20 u. 25); Röm. 1,3) der davidische Abkunft Mariä sagt schön der hl. Augustinus (Contra Faustum 23,5-9): „Wir glauben, daß auch Maria zur Verwandtschaft Davids gehört hat, weil wir jenen Schriften glauben, die beides besagen, sowohl daß Christus dem Felische nach aus dem Samen Davids ist, als auch daß Maria seine Mutter ist, und zwar nicht durch Beiwohnung eines Mannes, sondern als Jungfrau. Wer immer also sagt, Maria habe nicht zur Blutsverwandtschaft Davids gehört, der kämpft offenbar gegen die so hoch stehende Autorität dieser Schriften an.“ –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der biblischen Geschichte II, Das Neue Testament, 1910, S. 76

(*) Schwagerehe

Bildquellen

  • Hattler Engel Mit Namen Maria: Bildrechte beim Autor

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