Photius und sein Kampf gegen die Päpste

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Photius und sein Kampf gegen die römischen Päpste

Die weitere Entwicklung des Abfalls Konstantinopels von der Kirche seit Papst Johannes VIII.

Der erste Teil erschien unter dem Titel Abfall des Morgenlandes von der Kirche. In diesem Teil geht es um die weitere Entwicklung seit dem Pontifikat von Papst Johannes VIII., der von 872 bis 882 regierte.

In diesen kriegerischen Zeiten kam für den bedrängten Papst auch noch die schwere Sorge wegen der Treulosigkeit in Konstantinopel. Der dortige Kaiser Basilius hatte sein gegebenes Wort vergessen; der Heuchler Photius verstand es, sich beim Kaiser einzuschmeicheln, wobei ihm seine große Gelehrsamkeit, der Wankelmut und die Launenhaftigkeit des Kaisers besonders zu Hilfe kamen. So schmeichelte er dem Kaiser durch die Prophezeiung, daß er sehr lange und glücklich regieren werde. Dazu kam noch, daß Konstantin, der Sohn des Kaisers, sehr schnell starb. Photius trieb nun die Gottlosigkeit so weit, daß er den verstorbenen Knaben unter die Heiligen versetzte und Altäre zu seiner Ehre errichtete. Das war die Lage in Konstantinopel, als Papst Johann, von den traurigen Zeitverhältnissen genötigt, seine Boten in die kaiserliche Hauptstadt sandte.

Zum Unglück starb der heilige Patriarch Ignatius im Oktober des Jahres 877 in dem Augenblick, da die päpstliche Gesandtschaft die morgenländische Kaiserstadt betrat. Drei Tage nach dem Tode des heiligen Patriarchen wurde der treulose Photius mit Zustimmung des Kaisers abermals auf den Patriarchenstuhl erhoben. Nun sollte auch der Papst zur Zustimmung bewogen werden. Und wirklich anerkannte der Papst den Photius als Patriarchen von Konstantinopel, aber nur unter der Bedingung, daß dieser feierlich um Verzeihung bitte. (1) Außerdem schickte der heilige Vater Boten nach Konstantinopel, welche die neuen Verhältnisse ordnen sollten.

Aber die päpstlichen Gesandten hatten ein ähnliches Schicksal, wie jene, die der heilige Papst Nikolaus nach dem Morgenland geschickt hatte. Sie fielen in die Fallstricke des Photius. Der unwürdige Heuchler nahm auf die Bedingungen, an welche der Papst seine Wiedereinsetzung geknüpft hatte, keine Rücksicht. Er übersetzte die Briefe des Papstes ins Griechische und fälschte in schamloser Weise den Sinn derselben: Danach sollte der Papst erklärt haben, daß die allgemeine Kirchenversammlung eine Ungerechtigkeit beging, indem sie den Photius absetzte. Die päpstlichen Boten waren feig genug, gegen dieses Verfahren nicht zu protestieren; ja sie boten selbst dem Photius die bischöflichen Kleider an, kehrten dann im August des Jahres 880 nach Rom zurück und berichteten dem Papst über den Frieden, der im Morgenland hergestellt sei. (2)

Aber wie einst der heilige Nikolaus den Betrug erfuhr, so auch Papst Johann. Er war nämlich misstrauisch geworden und merkte bald, daß es in Konstantinopel nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Er ordnete darum eine neue Gesandtschaft an den Kaiser ab und stellte an deren Spitze den unbestechlichen Marinus, den nachfolgenden Papst. Dieser deckte den Betrug des Photius vollständig auf und trat mit solchem Freimut und solcher Festigkeit auf, daß der Kaiser ihn in seiner Erbitterung gefangen nehmen ließ und ihm erst nach einem Monat die Freiheit wiedergab. Und nun bewies sich der Papst eben so stark, als er vorher sich nachgiebig gezeigt hatte. Das Evangelienbuch in der Hand erneuerte er im Dom von St. Peter in Rom vor der versammelten Geistlichkeit und dem Volk den Bann gegen Photius, wie schon der heilige Papst Nikolaus, Hadrian und die achte allgemeine Kirchenversammlung getan hatten, und schloss feierlich die verräterischen Gesandten von der Kirche aus. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 317 – S. 318

(1) Der Papst war bereit, da der Patriarchensitz durch den Tod des rechtmäßigen Bischofs erledigt war, den Photius unter der Bedingung anzuerkennen, daß derselbe vor einem Konzil wegen seiner früheren Vergehen Abbitte tue, daß die bulgarische Kirchenprovinz, aus welcher die lateinischen Priester von den Griechen vertrieben worden waren, dem römischen Patriarchat zurückgegeben werde, und daß in Zukunft kein Laie auf den Patriarchenstuhl erhoben werde.

(2) Mit dem Schreiben, das diese Bedingungen enthielt, schickte Johannes drei Legaten nach Konstantinopel. Diese wurden schmählich hintergangen und ihnen der Vorsitz auf der Synode, den Photius an sich riss, verweigert. Statt als Schiedsrichter wurden sie mehr als Angeklagte behandelt. Das päpstliche Schreiben lockte Photius dem Träger ab und verfertigte eine Übersetzung desselben, die alles verdrehte; was für Photius nachteilig war, ließ er aus und stattdessen fügte er lobende Zusätze bei. Weder von der Abbitte noch von den übrigen Bedingungen war eine Rede. Die Gesandten, schwach genug, ließen das alles über sich ergehen und wagten es sogar noch bei ihrer Rückkehr, dem Papst vorzuspiegeln, die Abbitte sei dem Photius vom Konzil erlassen worden.

Vor diesem Papst wurde auch gegen Methodius, der bei seiner Missionstätigkeit unter den Slawen mit deutschen Missionspriestern in Berührung und Gegnerschaft kam, Klage geführt, daß er den Gebrauch der slawischen Sprache beim Gottesdienst einführe und der Verdacht gegen seine Rechtgläubigkeit erhoben. Johannes missbilligte die Einführung der slawischen Messe als eine die Einheit der Kirche störende Neuerung und berief Methodius zur Verantwortung nach Rom. Dieser kam sofort dem Befehl des Papstes nach, rechtfertigte sich bezüglich seiner Rechtgläubigkeit zur vollen Zufriedenheit des Papstes und erhielt die Erlaubnis, daß bei der heiligen Messe die Epistel und das Evangelium nach vorheriger lateinischer Absingung auch slawisch wiederholt werden dürfen. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, II. Band, 1907, S. 281 – S. 282

Das Pontifikat von Papst Hadrian III. (regierte von 884-885)

Er hatte am 17. Mai des Jahres 884 kaum den Heiligen Stuhl bestiegen, als Briefe aus Konstantinopel kamen, in denen der Kaiser Basilius bat, der neue Papst möchte die von seinem Vorgänger über Photius verhängten Strafen wieder aufheben. Aber der feste und erleuchtete Papst Hadrian kannte Photius und die morgenländischen Zustände nur zu gut. Er bestätigte daher aufs neue das Urteil seiner Vorgänger über den falschen Patriarchen.

Das Pontifikat von Papst Stephan VI. (regierte von 885-891)

Inzwischen bereitete sich im Morgenland ein wichtiges Ereignis vor. Die göttliche Vorsehung ging daran, schwere Rache an einem Verbrecher zu nehmen. Der Patriarch Photius verharrte noch immer in seiner Empörung gegen den Heiligen Stuhl. Um sich an dem heiligen Papst Hadrian III. zu rächen, verfasste er ein Buch, worin er leugnete, daß der heilige Geist nicht bloß vom Gott-Vater, sondern auch vom Gott-Sohn ausgeht. Dazu schickte der vom Patriarchen ganz abhängige Kaiser einen sehr beleidigenden Brief nach Rom, aber Brief und Buch trafen den heiligen Hadrian nicht mehr am Leben.

Wie das Schreiben des Kaisers Basilius den Papst nicht mehr erreichte, so traf das Antwortschreiben des nachfolgenden Papstes den Kaiser Basilius nicht mehr am Leben; denn ein Unglück auf der Jagd hatte seinen Tod herbeigeführt. Sterbend sprach er zu seinem Sohn: „Mein Sohn, traue dem Photius nicht! Dieser hat unter meinem Thron einen Abgrund geöffnet.“ Diese Worte des sterbenden Kaisers beweisen, daß er endlich die Schlechtigkeit des Photius durchschaute und auch einsah, daß Menschen, die sich gegen die Kirche empören, schlechte Stützen des Thrones sind. Der neue Kaiser Leo, der nunn ein Vierteljahrhundert das Morgenland beherrschte, bedurfte der Mahnung des Vaters nicht, da er ohnehin ein Gegner des Photius war. Eine seiner ersten Regierungshandlungen war darum, daß er öffentlich die vom Papst über Photius verhängte strafe des Bannes in der Sophienkirche zu Konstantinopel verlesen ließ und dann den Empörer und unrechtmäßigen Patriarchen in die Verbannung schickte, in der derselbe auch unversöhnt mit der Kirche starb. Das war die Strafe der göttlichen Vorsehung. Basilius und Photius nahmen so ein unglückseliges Ende.
Leider war auch Kaiser Leo nicht der Mann, dem die Heilung der Wunden, woran die morgenländische Kirche blutete, besonders am Herzen lag. Er setzte eigenmächtig seinen Bruder, einen 16-jährigen Knaben, auf den altehrwürdigen Patriarchenstuhl in Konstantinopel.

Das Pontifikat von Papst Formosus (regierte 891-896)

Der 75-jährige Papst entfaltete eine rege Tätigkeit. Er entschied die Frage wegen der von Photius erteilten Weihen im Morgenland. Dann verlangte er im Jahr 892 ein Verzeichnis jener Personen, die als frühere Anhänger des Photius um Verzeihung und Wiederaufnahme in die Kirche baten. Er erklärte alle von Photius geweihten Priester als nicht geweiht. Es war das zwar ein hartes Urteil, aber Papst Formosus folgte hierin nur dem Urteil seiner Vorgänger. (Stangl, S. 322; S. 324; S. 326)

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