Heiliger Liberatus mit seiner Familie

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

23. März

Heiliger Liberatus mit seiner Familie, Märtyrer

(Liebe aus Gott)

Es ist nur eine kurze Geschichte, welche ich zu erzählen habe, in welcher sich aber so recht deutlich zeigt, was für ein himmelweiter Unterschied ist zwischen der sinnlichen natürlichen Liebe, und zwischen der höherenLiebe, welche geboren ist aus dem heiligen Geist.

Fünfhundert Jahre nach Christi Geburt geschah in Afrika Folgendes (es ist von einem Augenzeugen erzählt): „Ein angesehener Arzt, Namens Liberatus, wurde des Glaubens wegen mit seiner Frau gefänglich eingezogen. (*) Jedoch wurden er und sie, jedes in einen besonderen Kerker getan, so daß sie einander nicht sehen und nicht sprechen konnten. Man wollte die Frau nun durch Lügen zum Abfall bringen und sagte ihr: „Sei nicht mehr so eigensinnig, dein Gemahl ist jetzt auch dem Befehl des Königs nachgekommen, und hat sich für unsere Religion erklärt.“ Sie antwortete: „Ich will ihn zuerst sehen, dann werde ich tun, was mir Gott eingeben wird.“

Sie wurde nun aus dem Kerker auf den Richtplatz geführt, wo sie ihren Ehegatten und eine große Menge Menschen antraf. In der Meinung, was man ihr vom Abfall ihres Mannes gesagt hatte, sei wahr, faßte sie ihn voll heftigen Unwillens am Hals und sprach: „Verworfener, unglückseliger Mensch, unwürdig der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, warum wolltest du einen Augenblick dir wohl sein lassen, und dann ewig zu Grunde gehen? Was wird dir das Gold helfen? Was das Silber? Wird es dich vom ewigen Feuer erlöschen?“ – So sagte sie noch Manches. Ihr Gemahl antwortete: „Was kömmt dich an, Weib, was meinst du denn? Was hast du von mir hören können? Ich bleibe im Namen Christi für immer ein Katholik, und werde niemals aufgeben, was ich habe.“

So war nun die Betrügerei der Ungläubigen aufgedeckt und zu Schanden gemacht. Liberatus und seine Frau und Kinder wurden nun ihres Glaubens wegen in die Verbannung geschickt; um ihn und seine Frau aber wo möglich doch noch zum Abfall zu bringen, so versuchte man ihre elterliche Liebe zu beteiligen. Man sonderte nämlich die Kinder von ihnen ab, und sie sollten dieselben nicht mehr sehen. Da man den Eltern die Kinder entriss, kamen dem Vater Liberatus die Tränen; allein sobald seine Gattin dieses bemerkte, verwies sie ihm dieses und sprach: „Liberatus, willst du der Kinder wegen deine Seele verloren gehen lassen? Denke dir den Fall, sie seien nicht geboren; auch ihrer wird sich Christus annehmen, da sie ihm angehören. Siehst du nicht, daß auch sie rufen: wie sind Christen?“

Eine spätere Nachricht sagt, daß Liberatus und dessen starkmütige Frau zuletzt noch den Märtyrertod für ihren Glauben gelitten hätten, und zwar auf den heutigen Tag, den 23. März.

Man kann manchmal ein eigentümliches Bedenken in Betreff des Gerichtes aufwerfen hören. Es wird nämlich gesagt: Wenn Personen, welche mit einander durch Verwandtschaft und Liebe auf Erden recht eng verbunden waren, beim letzten Gericht getrennt werden, so daß z. B. eine Mutter gerettet wird und ihr Sohn verdammt: müssen da nicht beide unglücklich sein? Muss die Verwerfung des Geliebten nicht auch der geretteten Person einen solchen unendlichen Schmerz verursachen, daß sie sich selbst im Himmel nicht freuen Kann? Wie hat man sich nun diese Sache zu denken?

Darauf läßt sich eine Antwort in der Geschichte des heutigen Tages finden. Das Weib des hl. Liberatus liebte gewiß ihren Mann und ihre Kinder so sehr, als eine Ehefrau ihre Familie lieben soll; aber da es sich um die Religion, um Gott handelte: so gab sie ruhig und starkmütig ihre Kinder hin und tadelte ihren Mann, als dieser darüber weinen wollte. Und da sie, durch eine falsche Nachricht irre geleitet, meinte, Liberatus sei vom Glauben abgefallen, fühlte sie sich entrüstet darüber und ihr Herz sagte sich von ihm los, so lange sie in dieser Meinung war. Je mehr nämlich die himmlische Liebe, welche der heilige Geist in die Herzen eingießt, im Menschen herrscht, desto mehr nimmt jede sinnliche Liebe und Familien-Anhänglichkeit ab, nicht als liebe man seine Verwandte und Freunde weniger gegen sonst, sondern man liebt sie nur weniger mehr aus sinnlicher Anhänglichkeit, sondern mehr aus Gott, weil Gott sie uns gegeben hat. Wenn daher Freunde und Verwandte offenbar von Gott abgefallen sind, so wird sich auch zuletzt das Herz des wahren Christen von ihnen los lösen; sobald der wahre Christ von Fleisch und Blut ganz erlöst ist; so wird auch jede Liebe aufhören, die keinen andern Grund hat, als Fleisch und Blut. Er wird daher ohne Schmerz sehen und wissen können, daß diejenigen von ihm ewig abgeschieden sind, welche keine Gemeinschaft in Gott mit ihm hatten, ja welche im tiefsten Wesen seine Widersacher sind, weil sie Gott verachten, den der Christ über Alles liebt.

Deshalb gib dir Mühe, alle Angehörige mit dir in die Seligkeit zu bringen, indem du mit aller Mühe für ihr Seelenheil sorgst. Wenn aber Alles vergeblich ist, so traue sicher, Gott wird dein Herz zuletzt loslösen von einer nutzlosen Liebe und nutzlosem Kummer, das heißt von Liebe und Kummer zu Solchen, die verloren sind. Bist du aber selbst auf bösen Wegen, so bedenke wohl, daß, wenn du nicht rechtzeitig umkehrst, du nicht nur ewig von deinen christlichen Angehörigen getrennt wirst, sondern daß diese selbst alle Liebe zu dir verlieren, wenn sie im Guten und du im Bösen vollendet sind nach dem letzten Gericht. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 416 – S. 419

(*) Anm.: Es handelte sich um Arianer, die Liberatus und seine Familie zum Abfall vom wahren katholischen Glauben bringen wollten.

Category: Märtyrer, Stolz
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