Heilige Juliana Jungfrau Märtyrerin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

16. Februar

Die heilige Märtyrerin Juliana steht auf Holzbalken, unter denen Feuer lodert; sie selber ist an einem Holzpfahl gefesselt und erwartet den Feuertod; ein Engel über ihr hält schützend seine Hand über sie

Die heilige Juliana Jungfrau Märtyrerin

Standhaftigkeit, Mut und Ausdauer für Wahrheit und Recht, für die heilige Sache Gottes und seiner Kirche findet man heut zu Tage wenig mehr in der Welt, dagegen überall Wankelmut, Menschenfurcht, Menschen-Gefälligkeit. Man will es mit der Welt und mit Gott nicht verderben; man will Christus und der Welt zugleich dienen; ja um irgend eines zeitlichen Vorteiles willen begeht man den schändlichsten Verrat an Jesus und seiner heiligen Kirche. Die aber so gesinnt sind und solches tun, werden von der heiligen Jungfrau Juliana auf das Tiefste beschämt, und finden an ihrem Mörder ihres Gleichen.

Die heilige Juliana hatte zum Vater einen Heiden, zur Mutter eine Frau, die an gar Nichts glaubte. Gottes Hand geleitete sie in ihrer Kindheit zu den Versammlungen der Christen; sie besuchte dieselben heimlich und bekannte sich bald öffentlich als Christin. Mit neun Jahren hatte sie ihr Vater einem vornehmen Jüngling Eleusius schon zur Ehe versprochen.
Als sie achtzehn Jahre alt geworden, sollte die Ehe wirklich vollzogen werden; allein wie erstaunten die Eltern, als ihre Tochter mit allem Ernst erklärte, daß sie dem Eleusius nur unter der Bedingung die Hand reichen würde, wenn er ein Christ werde.

Der Vater versuchte alle Art von Schmeichelei, um ihre Einwilligung zu erhalten; allein Juliana blieb standhaft und gab immer auf alles Zureden die Antwort: „Eleusius schwöre seinen Götzen ab, bete Jesum an und ich werde dann seine Gemahlin.“
Der Vater versuchte nun durch Schläge seine Tochter zu bewegen; allein auch dies war vergeblich.

Als Eleusius, der unterdessen Statthalter geworden, hiervon Kunde erhielt, wurde er ganz wütend vor Zorn. Er ließ die Jungfrau vor sich führen, suchte ihr anfänglich durch glänzende Versprechungen und süße Schmeichel-Reden beizukommen, und als dies nichts fruchtete, ließ er sie entkleiden, auf den Boden werfen und mit Ruten unmenschlich peitschen. Da auch diese Qual nichts fruchtete, ließ er sie an ihren langen Haaren aufhängen.

Durch sechs Stunden hing sie so in qualvoller Pein zwischen Himmel und Erde. Jesus, zu dem sie unaufhörlich flehte, stärkte sie und ließ sie im Glauben nicht wanken. Darüber geriet nun Eleusius in die höchste Wut. Er ließ sie herab nehmen, wieder zu Boden werfen, mit brennenden Reisern und Stoppeln ihrenLeib überschütten und ihre Schenkel mit glühenden Eisen durchstechen. Auch diese Marter vermochte nicht die mutige Jungfrau von ihrem Entschluß abwendig zu machen.

Eleusius ließ sie nun in das Gefängnis werfen und versuchte dann auf`s Neue durch Liebkosungen und glänzende Verheißungen sie in sein Garn zu locken. Allein Juliana hatte für ihn keine andere Antwort als: „Ich werde dich ehelichen, wenn du ein Christ wirst.“
Endlich schienen diese Worte Eindruck auf Eleusius zu machen, nur die Furcht vor dem Kaiser machte ihn zaghaft.

Da rief ihm Juliana zu: „Du fürchtest die Ungnade eines sterblichen Kaisers, den Verlust deiner Güter und den Tod, und willst deshalb kein Christ werden, und ich soll nicht die Ungnade des unsterblichen Gottes fürchten, der mich sicher strafen wird, wenn ich deine Götzen anbete oder mich mit einem Heiden verheirate? Ich soll nicht den Verlust der ewigen Güter und des ewigen Lebens fürchten, wenn ich dir nachgebe? Nein, Eleusius, nie werde ich in dein Begehren einwilligen, nur einem Christen reich ich meine Hand; als Christin will ich leben, als Christin sterben.“ Auf diese Worte kannte die Wut des Eleusius keine Grenzen mehr. Er ließ sie mit geschmolzenem Blei übergießen, um sie zum Abfall zu zwingen. Doch vergeblich war sein Wüten. Juliana duldete schweigend die unerhörte Qual und wurde halb entseelt in das Gefängnis zurück gebracht. Hier aber wartete ihrer eine neue Versuchung. Der Teufel nahte sich ihr und suchte sie durch eitle Vorspiegelung zu verführen. Er stellte ihr vor, daß sie den Eleusius ehelichen könne, ohne Gott zu beleidigen; denn sie habe ja ihre Treue schon bewährt und sie dürfe daher keine Gefahr für ihren Glauben mehr fürchten. –

Allein die heilige Dulderin ließ sich nicht täuschen; sie blieb standhaft. Da Eleusius nun keine Hoffnung sah, je die heilige Jungfrau seinem Willen geneigt zu machen, so ließ er sie nochmals mit geschmolzenem Blei begießen und dann enthaupten. Heiteren Antlitzes reichte Juliana ihren Leib zur Marter und ihrHaupt dem Schwert hin. Mehrere Heiden, die ihre Standhaftigkeit bewunderten, bekehrten sich, wurden Christen und starben ebenfalls den Martertod. Dies geschah im Jahre 304.
Juliana wird abgebildet mit einem Schwert in der Hand, neben sich den Satan an einer Kette.

aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 235-237

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