Heiliger Franz von Sales Kirchenlehrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

29. Januar

Porträt des heiligen Franz von Sales, er hat einen länglichen Kopf mit Bart, in der Hand hält er einen Gänsekiel zum Schreiben

Der heilige Franz von Sales Kirchenlehrer

Bischof von Genf

In einem Brief, den die heilige Franziska von Chantal, eine geistliche Tochter des heiligen Franziskus von Sales, an einen frommen Ordenspriester geschrieben und in welchem sie mit kurzen, der Wahrheit getreuen Worten eine Schilderung von den Tugenden dieses großen heiligen Bischofs macht, sagte sie am Schluß: „Darf ich`s sagen, o mein Gott, was ich denke? Ich will es sagen, wenn ich es kann: es scheint mir, daß mein Vater ein lebendiges Bild war, in welchem die Züge unseres Herrn Jesus abgemalt waren; ich, und nicht nur ich, unzählige Andere, die ihn sahen, glaubten unseren Herrn auf Erden zu sehen.“

Einige Umstände aus dem Leben von Franz von Sales

Die Wahrheit dieser Worte findet man bestätigt, wenn man die Lebensgeschichte dieses Heiligen liest; weil es aber nicht möglich ist, das Leben desselben genau darzustellen, indem man ein ganzes Buch schreiben müsste, so will ich dir, christlicher Leser, einige besonders erbauliche Umstände aus seinem Leben vor Augen stellen.

Zuerst sollst du wissen, daß der heilige Franziskus sehr reiche und vornehme, aber auch sehr fromme Eltern hatte. Sein Geburtsort war das Schloß Sales, daher sein Name Franz von Sales. Seine fromme Mutter betete schon vor seiner Geburt zu Gott, er möge ihr Kind immer rein bewahren und nach seiner Geburt sagte sie öfters zu ihm: „Mein Sohn, lieber sähe ich dich im Grab als in einer Todsünde.“

Der heilige Franz führte von Kindheit an ein Gott inniges, gar frommes Leben, wurde Priester und Bischof zu Genf, arbeitete in diesem hochwürdigen Amt rastlos am Heil der Seelen, führte viele Tausende von Irrgläubigen zur katholischen Kirche zurück, gewann aller Herzen durch seine liebreiche Sanftmut und Freundlichkeit, schrieb sehr schöne und geistreiche Bücher, unter anderen die Philothea oder Anleitung zu einem frommen Leben, das in keinem Hause fehlen und du dir auch anschaffen solltest, und starb selig im Herrn 55 Jahre alt am 28. Dezember 1622. Er wird in bischöflicher Kleidung abgebildet. So vernimm

Gebet, Betrachtung und Abtötung

In seinem 13. Jahr wurde er von seinem Vater nach Paris geschickt, um sich dort an der Hochschule in den Wissenschaften auszubilden. In dieser Stadt war die Verführung, besonders unter den lockeren Studenten, groß. Franz fürchtete sehr, seine Unschuld zu beflecken, daher er sich um einen frommen, erleuchteten Beichtvater umschaute, dem er sein ganzes Herz öffnete. Zugleich wandte er sich an Maria, die seligste Jungfrau, und bat sie um ihren Schutz. Wie ein Kind warf er sich voll Vertrauen in ihre Mutterarme, und um ihr zu gefallen, und seine Unschuld zu bewahren, legte er vor ihrem Bildnis das Gelöbnis beständiger Keuschheit ab. Bald sollte er ihren Schutz erfahren.

Während er sich durch Gebet, Betrachtung und Abtötung immer mehr bemühte, dem liebenHeiland, seinem Vorbild, ähnlich zu werden, verließ ihn plötzlich aller innere Friede und Trost; seine Seele war ganz verfinstert und voll Schwermut; zuletzt glaubte er, von Gott verworfen zu sein und es sei ihm nicht mehr zu helfen. Tag und Nacht vergoß er die bittersten Tränen; die Seelenangst benahm ihm alle Freude am Gebet; er konnte nicht mehr essen und trinken noch schlafen, sein ganzer Leib zehrte ab.

Da ging er denn eines Tages in eine Kirche, die er öfters besuchte, weil es dort still und einsam war. Hier warf er sich ganz zerknirscht vor dem Bild der allerseligsten Jungfrau nieder, und weil er sich für unwürdig hielt, an Gott, den Vater alles Trostes, sich zu wenden, flehte er zur liebreichsten Mutter des Heilandes und bat sie, daß sie seine Fürbitterin sein, und ihm die Gnade erlangen möchte, Gott, das höchste Gut, wenigstens auf Erden lieben zu dürfen, da er ja verworfen sei und Gott nach dem Tode ewig hassen müsse. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, als er sich auch schon erhört fand. Es war als wenn ihm ein großer Stein vom Herzen fiele, und auf der Stelle war sein Herz wieder mit Friede und Trost erfüllt; ja auch sein Leib empfand diese glückliche Änderung, denn er kehrte, seiner lieben Mutter herzlich dankend, gesund nach Hause zurück.

Sieh da, lieber Leser, die mächtige Fürbitte der seligsten Jungfrau. O wende dich in allen Versuchungen zu ihr, sie wird dich nicht verlassen; sie kann ja und will gerne helfen, denn sie ist Mutter Gottes und unsere Mutter!

Der heilige Franz war in seiner Jugend sehr schön und wohl gestaltet, aber noch schöner wie sein Leib war seine Seele. Der Teufel aber ließ nichts unversucht, diesen schönen Leib zu beflecken, diese reine Seele zu verderben. In einem Alter von 18 Jahren kam Franz auf Befehl seines Vaters nach Padua, um dort die Rechte zu studieren. Die Studenten waren dort auch sittenlos und es verdroß sie sehr, als sie sahen, wie Franz so sittsam und eingezogen lebte. Darum suchten sie ihm mancherlei Schlingen zu legen und ihn zu verderben. Allein mit Gottes Gnade entging er diesen Gefahren, wurde um so mißtrauischer auf sich selbst, um so demütiger vor Gott, eifriger im Gebet und in der Abtötung, weshalb er sich nun entschloss, seinen längst gehegten Wunsch auszuführen, allen weltlichen Gütern und Ehrenstellen zu entsagen und Priester zu werden.

Sein Seeleneifer als Priester

Sein Seeleneifer als Priester war so groß, daß er ihr ganz zu verzehren schien. Besonders lag ihm das Seelenheil des gemeinen, armen, unwissenden Volkes und die Bekehrung der Irrgläubigen sehr am Herzen. Er ging hinaus in die Dörfer und Weiler, trat in die Hütten der Armen, unterrichtete sie in der heiligen Religion, in der sie so unwissend waren, und dabei war er so uneigennützig, daß er für seine Arbeiten keinen Lohn annahm, viel mehr selbst unter sie zahllose Almosen austeilte. Dies und seine große Sanftmut und Freundlichkeit gewannen ihm alle Herzen und bald war die Umgebung der Stadt Annecy, wo er sich aufhielt, wie umgewandelt, überall blühten Religion und Tugend wieder auf.

Seine Hauptsorge: Die Bekehrung der Irrgläubigen

Damit war aber Franziskus nicht zufrieden; die Bekehrung der Irrgläubigen war seine Hauptsorge. Mit Freuden übernahm er eine Mission in jene Länder, welche der Herzog von Savoyen durch Krieg gewonnen und in denen schon seit längerer Zeit die Ketzerei sich fest gesetzt hatte. In Begleitung seines Vetters Ludwig von Sales, eines frommen eifrigen Priesters, machte er sich auf den Weg in jene Gegenden, wo man schon lange keinen katholischen Priester mehr sah, wo man den Papst für den Antichrist und die Priester für seine Helfershelfer hielt; wo man nichts als nieder gerissene Kirchen, zerstörte Klöster, umgestürzte Kreuze erblickte, wo die Herzen der Bewohner mit Haß und Wut gegen die katholische Religion erfüllt waren. Franz aber fürchtete keine Gefahr, selbst nicht den Tod; er ging zu Fuß. Einen Sack, worin eine Bibel, und sein Brevier sich befand, auf dem Rücken, mit einem Stab in der Hand, in einfaches Gewand gehüllt, zog er nach Thonon, der Hauptstadt des Landes, wo die Ketzerei ihren Sitz aufgeschlagen hatte, um von da aus seine Mission zu beginnen. Mehrmals kam er in Gefahr, von den wütenden Ketzern ermordet zu werden: einmal war er nahe daran, vor Hunger und Kälte zu sterben, weil ihn kein Ketzer in sein Haus aufnehmen wollte; einmal sah er sich von wilden Tieren, Wölfen und Bären umgeben, die ihn zu zerreißen drohten, aber all diesen Gefahren entging er wunderbar unter dem sichtbaren Schutz Gottes.

Von welchem Seeleneifer er glühte, gibt folgender Umstand Zeugnis. Franz glaubte, daß es kein besseres Mittel gebe, die Völker zu bekehren, als das Gebet und die Predigt. Nun wußte er aber, daß die beste Gelegenheit zum Gebet das heilige Messopfer sei. Deswegen versäumte er auch keinen Tag, das Lamm Gottes dem himmlischen Vater für die Irrgläubigen und Sünder zu opfern. Um aber das heilige Messopfer darbringen zu können, musste er eine geraume Zeit, selbst mitten im Winter, außerhalb der Stadt Thonon zu einer Kapelle sich begeben und um dorthin zu gelangen, einen reißenden Fluss nur auf einem einzigen schwankenden Brett übersetzen, das öfters im Winter mit Eis überzogen war. Mit Lebensgefahr kroch er auf Händen und Füßen über diese gefährliche Brücke!

O wie feurig brannte die Liebe zu Jesus, der Eifer für das Heil der Seelen im Herzen des Heiligen! Frage dich, lieber Leser, wie ist deine Liebe zu Jesus beschaffen, welchen Eifer hast denn du, um deine eigene, kostbare Seele zu retten?!

Unerschütterlicher Mut und Gottvertrauen

Bei den übermenschlichen Arbeiten, die der heilige Franziskus als Missionar und später als Bischof von Genf, zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen verrichtete; bei den vielen Verfolgungen, Schmähungen, Verleumdungen und Gefahren, die er zu dulden hatte, leuchtete nicht nur sein unerschütterlicher Mut und sein inniges Gottvertrauen, sondern ganz besonders seine Alles übertreffende Sanftmut hervor. Er selbst bekannte, daß er von Natur aus lebhaft und zum Zorn geneigt gewesen; aber durch beständiges Betrachten der Sanftmut des göttlichen Heilandes und durch unabläßigen Kampf gegen seine böse Neigung gelang es ihm, die so liebliche Tugend der Sanftmut sich so sehr anzueignen, daß ihm dieselbe sogar zur zweiten Natur wurde, und aus dem Gesicht leuchtete. Sein sanftes, herzliches Benehmen war es, das ihm die Herzen der hartnäckigsten Ketzer und verstocktesten Sünder gewann und bewirkte, daß zwei und siebenzig tausend Irrgläubige wieder zur allein selig machenden katholischen Kirche zurück kehrten…

Kampf gegen böse Neigungen

… Seiner Sanftmut konnte Niemand widerstehen, selbst seine erbittertsten Feinde ergaben sich ihm von seiner liebevollen Freundlichkeit besiegt. – Du darfst aber nicht glauben, lieber Leser, daß diese Sanftmut dem Heiligen angeboren war, oder daß er ein schwaches und furchtsames Gemüt hatte.

Der heilige Franziskus hatte von Natur aus ein heftiges Gemüt, aber durch beständigen Kampf gegen diese böse Neigung hatte er sich mit der Gnade Gottes diese himmlische Tugend der Sanftmut errungen. Dies bezeugt auch ein wunderbares Ereignis bei der Öffnung seines Leichnams nach seinem heiligen Tod. Man fand nämlich seine Galle verhärtet und in mehrere kleine Steine geteilt, wegen der beständigen Gewalt, die er sich angetan, den Zorn zu überwinden.

Heiligsprechung und Ehre eines Kirchenlehrers

Der Heilige erlag den anstrengenden Arbeiten seines hohen Amtes dem 28. Dezember 1622 im 56. Jahr seines Lebens und im 20. seiner bischöflichen Würde. Von Alexander VII. wurde Franziskus im Jahre 1661 selig gesprochen, und von dem nämlichen Papst 1665 unter die Anzahl der Heiligen versetzt, sein Fest aber auf den 29. Januar bestimmt, an welchem sein heiliger Leib nach Annecy übertragen worden ist. Endlich wurde ihm vom seligen Papst Pius IX. im Jahre 1877 die Ehre eines Lehrers der allgemeinen Kirche zuerkannt.

So folge denn, christliche Seele, dem heiligen Franziskus besonders in der Aneignung dieser schönen Tugend der Sanftmut nach, welche auch dich, wie ihn, dem göttlichen Herzen Jesu ähnlich und wohlgefällig macht. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, 1853, S. 153 – S. 159

Bildquellen

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