Gemeinsam ist der zufällige Namen Gott

Indifferentismus gegenüber der Wahrheit

Gemeinsam ist nur der zufällige Namen „Gott“

Zusammenfassung der Fünften Konferenz

Der Satz: »Wir glauben alle an einen Gott,« den wir in der letzten Konferenz mit einander erwogen haben, ist, meine Herrn, wenn man ihn geschichtlich verfolgt und wenn man ihn, wie er im Menschenleben sich geltend machen möchte, betrachtet, weiter nichts anderes, als ein Kompromiss, den der Irrtum der Wahrheit anbietet, wie etwa diejenigen Kommunisten, die nichts haben, denen, die besitzen, eine Teilung vorschlagen. An und für sich genommen, ist er nicht richtig, denn nicht bei allen ist der Glaube an einen Gott so, daß er wirklich sie mit diesem Gott vereinigte und die Vorstellung, die man sich von dem einen Gott, der allerdings in sich ewig und unveränderlich derselbe ist, macht, ist durchaus keine gleichartige. Wir sahen dieses aus Beispielen. Der Gott der Pantheisten, und der Gott der Mohammedaner, und der Gott derer, die da meinen, daß Gott den Menschen nicht frei erschaffen hat, und der Gott der Juden, sind der Idee nach, welche alle diese haben, ganz verschieden von dem Gott der Christen. Sie haben mitunter kaum etwas anderes gemein, als den zufälligen Namen »Gott«.

Wir sahen auch zugleich, meine Herren, daß dieses Schlagwort in sich eine Leugnung des christlichen Glaubens selbst enthält, der mehr ankündet als jener Artikel.

Wir stellten darum demselben einen anderen Satz entgegen, die Notwendigkeit nämlich, nicht nur einzelnes, sondern alles anzunehmen, was Gott im Christentum gesprochen hat. Wir entwickelten die Notwendigkeit dieser vollständigen Annahme und Anerkennung zuvörderst aus der Natur des Glaubens selbst, der nicht ein Erkennen der Wahrheit aus innerer Evidenz ist, sondern der auf äußerer Bürgschaft beruht, so zwar, daß, wenn er bestehen soll, nicht der innere Grund des zu Glaubenden untersucht werde darf, sondern nur das dafür redende Zeugnis geprüft und erwogen werden muß, ob es vollgültig ist und Glauben verdient oder nicht. Wir entwickelten zweitens dieselbe Wahrheit aus der Natur der geoffenbarten Lehren des Christentums, die so einander durchdringen, so mit einander sich verzweigen, so einander durchleuchten und durchweben, wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf, daß man nicht wohl auch nur Eine Wahrheit, auch nur ein Pünktlein leugnen kann, ohne das Ganze zu erschüttern, daß man nicht leicht gegen Einen Satz Jesu Christi sich stemmen kann, ohne überhaupt die Lehren des Gottmenschen dem Zweifel preiszugeben. Drittens entwickelten wir die nämliche Pflicht, alle und jede von Gott gelehrte Wahrheit zu glauben, aus der Natur des offenbarenden Gottes, der notwendig verlangen muß, daß der menschliche Verstand jedem göttlichen Worte, das ihm geoffenbart wird, sich unterwerfe, wir wiesen nach, daß die Herrschaft der Wahrheit über den menschlichen Geist eine absolute und ihre Annahme ein Gesetz sei, so daß, wenn man auch nur einen Glaubenssatz leugnet, man eben damit das Ansehen, die Autorität, die Macht des Gesetzgebers bestreitet. Und wir schloßen damit, daß gerade einen solchen vollen Glauben Jesus Christus verlangt. „Lehret sie Alles halten, was ich euch gesagt habe, prediget das Evangelium“, die ganze frohe Botschaft des Himmels an die Menschheit unverkürzt „aller Kreatur“, und die Sanktion ist: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“. Alles dieses sind Worte Jesu Christi selbst.

Es ergibt sich daher, meine Herren, aus dieser einfachen Betrachtung, daß ein Jeder, dem Gelegenheit geboten ist, ein Jeder, dem dieses Gesetz des christlichen Glaubens promulgiert wird, verpflichtet ist, den ganzen Glauben, wie er ist, anzunehmen, und indem er dem Zeugnis Gottes glaubt, und der Offenbarung des Herrn seine Anerkennung zollt, auf diese Weise den eigentlichen und tiefsten Akt der Religion zu üben. Dieses ist die wahre Unterwerfung des Menschen unter Gott, daß er auch seine Erkenntnis, soweit es möglich ist, dem Herrn unterwerfe; und zwar nicht nur in Bezug auf evidente Wahrheiten, die der Mensch nicht leugnen kann, auch wenn er will, sondern auch hinsichtlich derer, bei welchen der Mensch noch die Freiheit besitzt, sie anzunehmen oder nicht, wie z. B. bei Geheimnislehren. Wer sich diesem Gesetz Gottes nicht fügen will, der versündigt sich gegen die höchste Majestät der ewigen Wahrheit. –
aus: Theodor Schmude SJ, Conferenzen über den religiösen Indifferentismus, 1863, S. 65 – S. 66

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