Der Trinitätsstreit und der Gegenpapst Hippolyt
Der Streit zwischen den beiden Schulen, der unitarischen (monarchianischen) und der trinitarischen, ward sehr heftig unter dem Papst Zephyrinus (198 bis 217). Der Irrtum der Monarchianer trat nicht so klar hervor, dass sich der Papst veranlasst gesehen hätte, gleich einzuschreiten, um so mehr, als Praxeas einen Widerruf geleistet hatte, und als die Ansicht des Hippolytus und seiner Schule nicht ohne Bedenken war. Diese zögernde Haltung erregte Missfallen in den Kreisen der Anhänger der trinitarischen Richtung sowohl gegen den Papst wie gegen dessen ersten Diakon und Ratgeber Calixtus, der nach dem Tode des Zephyrinus zum römischen Bischof gewählt wurde.
Da auch der neue Papst nicht gleich dem Drängen des Hippolytus nachgab und die Monarchianer von der Kirche ausschloss, sagte sich dieser mit seinen Anhängern von Calixtus los und ließ sich zum Gegenbischof aufstellen; es war das erste Schisma in der römischen Kirche. In den „Philosophumena“ wird Calixtus sowohl wie sein Vorgänger heftig angegriffen. Von Zepherinus wird behauptet, er sei unwissend und habsüchtig gewesen; Calixtus wird als verschmitzt und lasterhaft, als Zerstörer der Disziplin und als Häretiker geschildert; aber jene Schrift gibt uns selbst die Mittel in die Hand, diese Anklagen auf ihren wahren Wert zurückzuführen.
Wenn Calixtus ein vielfach bedrängter Sklave gewesen wäre, so macht es ihm alle Ehre, dass er nicht nur von Papst Viktor Geldunterstützungen erhielt und nach Antium geschickt ward, um ihn seinen Verfolgern zu entziehen, dass er nicht nur von Papst Zepherinus mit der Leitung des Klerus und der Vorstandschaft des großen, bald nach ihm benannten Cömeteriums an der Appischen Straße betraut, sondern dass er auch ohne den geringsten Widerspruch von dem römischen Klerus zum Bischof erwählt und in der ganzen Kirche als solcher anerkannt wurde.
Ihm gegenüber stellt sich Hippolytus, indem er ihn einer falschen Trinitätslehre beschuldigte und dessen Milde in der Bußdsziplin sowie in der Kirchenleitung heftig angriff, selbst als den rechtmäßigen Bischof dar. Es geht aus der Anklage der „Philosophumena“ (9, 12) hervor, dass Kallistus die Einheit des Logos mit dem Vater lehrte, jedoch zugleich auch den Unterschied zwischen beiden betonte und dass Christum als wahren Gott wie als wahren Menschen hinstellte.
Die Trinitätslehre war nicht der einzige Grund, aus welchem Hippolytus sich gegen Calixtus erhoben hatte. Er griff ebenso die Milderungen an, die dieser Papst in der strengen Bußdisziplin hatte eintreten lassen, sowie dessen Bestimmungen über die Ehe … Dann ließ er es nicht zu, dass man die Kleriker niederer Grade zur Ehelosigkeit verpflichtete, und erhob sich gegen den montanistischen Rigorismus. Er ließ auch, mit Berufung auf die Heilige Schrift, die der Kapitalsünde des Ehebruchs und anderer schwerer Fleischessünden Schuldigen nicht nur zur Buße, sondern auch zur Rekonziliation zu, war gegen sündhafte Bischöfe ein milder Richter, indem er nicht jede schwere Versündigung an denselben mit Absetzung bestraft wissen wollte, was seine Gegner ihm zum Vorwurf machten.
Auch diese Erlasse des römischen Bischofs wurden von Hippolytus heftig bekämpft, der hierin einen kräftigen Bundesgenossen hatte an dem afrikanischen Schriftsteller Tertullian, welcher ebenso gegen die Monarchianer die Trinitätslehre in ähnlichem Sinne wie Hippolytus verteidigte, als er in seinem montanistischen Eifer die Milderungen in der Bußdisziplin angriff.
Das Schisma des Hippolytus dauerte nach dem Tode des Kallistus unter dessen Nachfolgern Urbanus (222 bis 230) und Pontianus (230 bis 235) fort; denn die „Philosophumena“, die das Manifest der schismatischen Partei gegen die große rechtgläubige der römischen Christen und deren Vorsteher bilden, sind erst entstanden, nachdem Calixtus bereits gestorben war…
Am 28. September entsagte Pontius dem bischöflichen Amte, und an seine Stelle wurde am 21. November des gleichen Jahres Anterus gewählt. Entweder kurz vor der Verbannung oder kurz nach derselben söhnte sich Hippolytus mit dem rechtmäßigen Vorsteher aus, was zugleich die Rückkehr seiner Partei zur kirchlichen Gemeinschaft bewirkte. Das Schisma war somit von kurzer Dauer und blieb ohne Bedeutung, so zwar, dass man dasselbe Ende des 4. Jahrhunderts schon mit dem novatianischen Schisma zusammen schmolz (Gedicht des Papstes Damasus auf Hippolytus).
Pontian starb in der Verbannung, und wahrscheinlich Hippolytus auch … Die Aussöhnung mit der Kirche ließ den Ruhm Hippolyts als des berühmten Lehrers und des Verteidigers der christlichen Wahrheiten wieder aufleben, wozu noch die Glorie des Martyriums hinzukam. –
aus: Joseph Kardinal Hergenröther, Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte 1911, Bd. 1, S.276 – S. 278
Bildquellen
- Hl_Hippolytus_aus_Tellschu_tz: wikimedia | Public Domain Mark 1.0










