Päpste der Katakomben Heiliger Zephyrinus

Zur Zeit der Päpste der Katakomben Der Papst sitzt tot im Stuhl, während ein Christ trauert

Die Päpste der Katakomben

Heiliger Zephyrinus (regierte von 199-217) *

Dieser Papst eröffnet die Reihe der Nachfolger Petri während des dritten Jahrhunderts. Er lebte während der fünften grausamen Christenverfolgung, welche Kaiser Septimius Severus (193 bis 211) ins Werk setzte. Gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts erfreuten sich die Christen einer längeren Ruhe, so daß Irenäus schreiben konnte: „Wir Christen wandeln ohne Furcht auf den Straßen und fahren zur See, wohin wir wollen.“ Jedoch es sollte bald anders werden. Obschon anfänglich den Christen gewogen, trat Septimius Severus, nachdem bereits 197 dieselben in Karthago schwer verfolgt worden waren, mit dem Jahre 202 als einer der ärgsten Christenverfolger auf. Man kennt den Grund der Sinnesänderung nicht. Manche glauben ihn in dem Umstand zu finden, daß die Christen sich nicht an den Festlichkeiten beteiligten, welche infolge der Siege des Kaisers über seine Gegner zu Ehren der Götter gefeiert wurden. Andere vermuteten den Grund in der großen Ausbreitung des Christentums, welche er im Orient wahrnahm und die seinen Argwohn und seine Besorgnis für die Staatsreligion erregte.

Die Verfolgung wütete so heftig, daß viele bereits den Antichrist nahe glaubten, namentlich in Ägypten und in den andern Teilen Afrikas. Aus Afrika besitzen wir die Märtyrerakten über die Heilige Perpetua und Felicitas mit ihren vier Gefährten. „Es gibt nicht leicht etwas Anziehenderes und Rührenderes als die Leidensgeschichte dieser zwei heiligen Blut-Zeuginnen und in gleichem Grade wie der Inhalt derselben spricht auch die einfache und edle Form der Erzählung an.“ …

Überall zeigte sich eine gesteigerte Feindseligkeit gegen die Christen von Seiten des Volkes, vor dessen Zerstörungswut selbst die Begräbnis-Stätten der Christen nicht sicher waren. Über die Verfolgung in Gallien haben wir keine sicher verbürgten Nachrichten. Der berühmte Bischof von Lyon, Irenäus, wird als Opfer dieser Verfolgung angeführt. Zephyrin war in diesen Bedrängnissen der Tröster der Gläubigen, aber auch die Schutzwehr der Kirche gegen die Angriffe der Irrlehrer, welche sich Rom zum Schauplatz ihrer Tätigkeit ausersehen hatten. Namentlich verurteilte er die Irrlehre der Montanisten. Infolge dessen fiel Tertullian von der Kirche ab und schloß sich der verworfenen Irrlehre an. Dieser hatte sich durch seinen Eifer ausgezeichnet, mit welchem er in herrlichen Schriften das Christentum verteidigte. Sie sind bleibende Dokumente seines glänzenden Talentes. Aber Stolz und rücksichtslose Härte verleiteten ihn zur Empörung gegen die Kirche; er wurde ein ebenso erbitterter Gegner als er früher ein eifriger Verfechter derselben war. Gewiß hat der Abfall dieses so berühmten Mannes und einstigen so mutvollen Verteidigers der Wahrheit dem Herzen des Papstes tiefe Betrübnis verursacht. Wider Willen mußte er noch nach seinem Abfall Zeugnis für das Papsttum, das er befehdete, ablegen, wie wir oben gesehen haben und muß es fort und fort durch seine Schriften tun. Zugleich beweist er, wie weder Talent noch Gelehrsamkeit noch Verdienst vor dem Falle schützt, sondern nur demütiger Sinn, der sich gläubig unterwirft. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 112 – S. 113

Unter diesem Papst trat ein begeisterter und talentvoller Verteidiger des katholischen Glaubens, der Priester Tertullian von Karthago, zur Irrlehre der Montanisten über. Man sieht aus diesem Abfall, daß die Wissenschaft den heiligen Glauben nicht geben kann, sondern daß dieser ein Geschenk der göttlichen Gnade ist. Mit großer Kenntnis der Geschichte und Liebe zum Christentum war Tertullian ausgerüstet und doch – litt er im Glauben Schiffbruch. Die Montanisten machten mit ihren falschen Lehren dem Papst viele Sorgen… Gegen die Irrlehre der Montanisten schritt der Papst noch nicht so streng ein, wie manche gewünscht hatten. Das wurde ihm und seinem Nachfolger zum Vorwurf gemacht. Doch der Papst war vollkommen im Recht; die Anführer der Montanisten hatten ja ihre Lehren noch nicht klar ausgesprochen und widerriefen oft das, worüber sie angeklagt worden waren. Die Milde und Nachsicht des Papstes war darum wohl am Platze. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 44

* nach anderen Angaben: 202-218

Category: Papsttum
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