Der heilige Adelrich Benediktiner

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

29. September

Der heilige Adelrich, Benediktiner

Seit neun Jahrhunderten ehrt das Kloster Einsiedeln in der Schweiz am heutigen Tage mit begeisterter Festfreude den heiligen Adelrich, seinen ehemaligen Konventualen und großen Wohltäter.

Er war der edle Sprößling eines sehr vornehmen Stammes. Sein Vater Burkhard, regierender Herzog von Schwaben, war ein geborener Graf von Buchhorn, Rheintal und dem oberen Thurgau; seine Mutter, die selige Regulinde stammte aus dem Hause der Grafen von Nellenburg, welche die Gaugrafen-Würde in Zürich und Thurgau inne hatten. Sie beglückte ihren gatten mit drei Kindern, Burkhard, Bertha und Adelrich, und bildete sie zu leuchtenden, von ihren Zeitgenossen bewunderten Mustern der Gottes- und Nächstenliebe. Vorzüglich besaß Adelrich ein sanftes, dem Göttlichen zugewendetes Gemüt und eine warme Begeisterung für das Ewige. Er fand an den zerstreuenden Spielen der Jugend kein Behagen, nahm an dem geräuschvollen Treiben des jungen Adels wenig Anteil; er las lieber zu Hause in frommen Schriften und ergötzte sich auf`s angenehmste an diesen geistigen Genüssen.

Seine hohe Stellung als Sohn eines reichen und mächtigen Herzogs setzte ihn den vielfachen Versuchungen der Weltlust aus; aber je lockender sie ihm winkte, desto schneller gedieh sein Entschluss zur Reife, allem äußern Glanz, allen sinnlichen Bequemlichkeiten und allen Zerstreuungen des geselligen Lebens sich ganz zu entreißen und den heiligen Frieden gottgeweihter Einsamkeit aufzusuchen. Nur die innig fromme Mutter verstand und billigte seine Sehnsucht. Erst nach strenger Prüfung in Fasten, Abtötung und betrachtendem Gebet durfte der noch zarte Jüngling dem herzoglichen Schloß Lebewohl sagen und sich zurückziehen in eine einfache Einsiedlerhütte auf der unwirtlichen Insel Ufnau im lieblichen Zürichsee. So groß auch der Abstand zwischen dem elterlichen Hause und und der einsamen Hütte war, Adelrich war froh des Glückes, in gänzlicher Armut, aber auch in vollkommener Freiheit von allen irdischen Rücksichten sich Gott, dem höchsten Gut, hingeben zu können; er betete: „Herr, hier bin ich, nimm mich an“, versenkte sich mit allen Kräften der Seele betend und betrachtend in die Geheimnisse und Verheißungen Jesu Christi und legte seine inbrünstige Fürbitte um Gnade und Erbarmen für die streitende und leidende Kirche vor dem Throne Gottes am Tage und in langen Nachtwachen nieder. Das wenige zum Leben Notwendige wurde ihm sehr wahrscheinlich von dem nahe gelegenen Pfäffikon aus geliefert, das zu den Erbgütern seiner Mutter gehörte. Aber oft, wenn die Insel wegen des angeschwollenen oder stürmischen See`s nicht zugänglich war, soll ihm sein Schutzengel das nötige Brot gebracht haben.

Um diese Zeit lebte nahe bei St. Gallen eine heilige Jungfrau, die Klausnerin Wiborada, die in Fasten und Abtötung eine übermäßige Strenge handhabte. Gott wollte in seiner gütigen Aufmerksamkeit für seine treuen Kinder sie eines Bessern belehren und beauftragte zu diesem Liebesdienst den heiligen Adelrich. Eilends suchte dieser die fromme Klausnerin auf und sprach zu ihr die lehrreichen Worte: „Jeder Baum kann nur so lange sein frisches Grün erhalten, nur so lange Knospen treiben und Früchte tragen, als seine Wurzeln sich von der Erde ernähren. Werden aber die Wurzeln von der nährenden Erde los gerissen und entblößt, dann stirbt der Baum ab. Wisse also, daß Gott ich ermahnt, das fasten zu mäßigen, damit dein Leib wieder erfrischt und kräftig werde, seinem Dienst obzuliegen. “Außer diesem gottgefälligen Besuch in St. Gallen berichtet die Geschichte nicht, daß der heilige Adelrich auch nur ein einziges Mal die geliebte Zelle auf der Ufnau verlassen habe, selbst damals nicht, als seine teure Mutter nach dem Tode des Vaters sich mit dem fränkischen Herzog Hermann vermählte, dem Kaiser Otto I. das Herzogtum Schwaben wieder zu Lehen gab.

Inzwischen hatte der heilige Eberhard in dem nahe gelegenen finstern Walde über der Zelle des heiligen Meinrad eine Kirche mit einem Kloster neu aufgebaut, wozu ihm sein Bruder Hermann und seine Schwägerin Regulinde reichliche Geldmittel schenkten. Das frisch aufblühende Mönchsleben, welches die Heiligkeit Eberhard`s in Einsiedeln geschaffen, und das berühmte Wunder der Engelweihe, durch welches die dortige Mutter-Gottes-Kapelle zu einem so gnadenreichen Wallfahrtsort wurde, mögen den heiligen Adelrich bewogen haben, die Insel im Zürichsee zu verlassen, im Kloster Einsiedeln um das Ordenskleid des hl. Benedikt zu bitten und durch die höchsten kirchlichen Gelübde im Dienst Gottes und Mariä die evangelische Vollkommenheit sich zu erringen. Die Aufnahme wurde ihm gerne gewährt, und gleich von Anfang an erbaute er so sehr alle Mitbrüder durch die Gediegenheit seiner Tugend und durch die Glut seines Eifers für die Ehre Gottes, daß ihn der Abt zum Verwalter des Kirchenschatzes bestellte.

Während Adelrich zu Einsiedeln in vollen Zügen aus dem Strome der Gottinnigkeit trank und seine durch Fasten und Selbstverleugnung geläuterte Seele auf immer höhere Stufen der Vollkommenheit sich hinauf rang, starb sein frommer Stiefvater Hermann, welcher in der Stiftskirche zu Reichenau beigesetzt wurde. Nun entschloss sich seine verwitwete Mutter, gänzlich der Welt zu entsagen und sich in die ihr so kostbare Klause auf der Insel Ufnau zurück zu ziehen, welche ihr Sohn zwanzig Jahre lang bewohnt und durch ein heldenmütiges Opferleben für Gott geheiligt hatte. Hier wollte Regulinde, von wenigen treuen Dienerinnen begleitet, durch Gebet und Bußwerke sich auf den Tod vorbereiten. Zu diesem Ende erbaute sie gleich anfangs eine Kapelle zu Ehren des heiligen Bischofs Martinus, um in derselben mit ihren Leuten der Andacht und Betrachtung obzuliegen. Ihr edles Herz, das schon so viele und große Wohltaten gespendet hatte, erkannte bald, wie sehr den in der Nachbarschaft zerstreuten Christen eine größere Kirche zur gemeinsamen Feier des Gottesdienstes Not tat, und sie zögerte nicht, den Bau derselben zu beginnen. Aber bevor dieses schöne Werk vollendet war, starb sie selig am 20. August des Jahres 956.

Nicht ohne besondere Fügung Gottes geschah es, daß der heilige Adelrich auf Befehl seines Abtes aus der traulichen Klosterzelle auf die Insel Ufnau zurückkehren musste, um das schöne Werk für die selige Mutter durch seine Weisheit und Heiligkeit zu Ende zu führen. Er vollendet den Bau der Kirche, die von dem heiligen Konrad, Bischof von Konstanz, zu Ehren der Apostelfürsten Petrus und Paulus eingeweiht und der Stiftung der seligen Regulinde gemäß als Pfarrkirche bestätigt wurde für alle Umwohner des mittleren See`s; Adelrich selbst übernahm die Seelsorge für diese Pfarrei. Noch vierzehn Jahre weidete er als wahrhaft guter Hirt die kleine Herde mit der Kraft seiner Worte und mit dem Beispiel seines Lebens, das Gott mehrfach durch Wunder segnete, bis Er ihm in einem Gesicht das nahe Ende offenbarte.

Voll Freude bat der Heilige den Abt Gregor von Einsiedeln zu sich, empfing aus dessen Hand die heilige Wegzehrung in die selige Ewigkeit und verschied sanft im Herrn am Vorabend des St. Michaels-Festes 973. Im Jahre 1141 prüfte der Kardinal und päpstliche Gesandte in Deutschland, Theodewin, die im Leben und nach dem Tode Adelrich`s auf seine Fürbitte geschehenen Wunder und erklärte ihn feierlich der öffentlichen Verehrung würdig, welche die Kirche ihren Heiligen zuerkennt. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 718 – S. 719

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