Das Wesen des Lasters der Unkeuschheit

Das Laster der Unkeuschheit in ihrem ganzen Umfang

1. Wesen und Folgen dieses Lasters. 2. Abmahnung und Warnung davor. 3. Mittel dagegen

Was das Wesen des Lasters der Unkeuschheit ist

Die Unkeuschheit ist eine unordentliche Begierde unreiner und geiler Wollust.
Petrus Canisius summa doctrin. Christ. c. 5. de peccat. Quaest. 5.

Die Unkeuschheit ist die unordentliche Begierde unreiner Liebe.
Thom. Aquin. 2. quaest. 225, art. 1.

Die angewohnte Sünde bindet den Geist, daß er durchaus nicht mehr aufstehen kann; er bemüht sich wohl, recht zu tun, aber er fällt doch, weil, wo er lange freiwillig beharrte, er dort, auch wenn er nicht will, gezwungen fällt.
Gregor. M. Hom. 31. in Evangel.

Wie groß ist die Bosheit und wie bedauernswert die Verkehrtheit, daß der Wolllüstling seine Seele, die Christus mit seinem Blute erkauft hat, für die Lust eines Augenblickes dem Teufel verkauft. Man muss wahrlich den Zustand ungemein beklagen, wo das, was ergötzt, schnell vorüber geht und durch den Teufel am Kreuze bleibt, was ohne Ende kreuzigt. Der Anfall und Trieb der Lust geht in einem Augenblick vorüber, der Vorwurf und die Schmach der unglücklichen Seele bleibt immer.
Augustinus serm. 250. de temp.

Der Unkeusche kann den nicht lieben, welcher die Wollust verabscheut, und der Dieb liebt den nicht, welcher die Ungerechtigkeit haßt; denn gleich und gleich gesellt sich gern.
Ephrem. De vit. Spirit. 49.

Der Wolllüstling ist mit einem Schwein zu vergleichen. Denn wenn dasselbe einerseits eine Kotlache sähe und auf der anderen Seite ein Bett von Rosen, so würde es sich lieber in die Kotlache wälzen, als im Bette von Rosen. Ebenso auch ziehen Lüstlinge die Unreinigkeit böser Lust den Freuden des Paradieses vor.
Bernard. Serm. 21.

Der fleischliche Reiz ist sehr mühsam und schwer zu überwinden, da er sich dem Geiste Tag und Nacht feindselig beweist; er bestürmt diesen von außen und von innen, pflanzt sich am Fleische fort, wächst in der Zeit, wird in Lastern genährt, und wenn nicht wohl bewacht, erstarkt er, und wenn er herrschend wird, so verheert er; er unterzieht sich nie den Gesetzen der Vernunft; auch überwunden ruht er niemals, er lebt immer auf und blüht; er schleicht immer fort wie ein Krebs, wütet wie ein Feuer, reißt wie ein Löwe, schwillt auf wie eine Schlange, lauert wie ein Mörder, wälzt sich wie ein wildes Schwein im Kot, sagt niemals: „es ist genug“ wie die Hölle; von der Hölle entflammt, entzündet er den ganzen Leib, weckt den Kitzel geiler Lüste, setzt die Begierden in Bewegung, vertreibt den verstand und bekämpft ununterbrochen die Keuschheit.
S. Laurent. Justin. De init. Conflict. Cap. 3.

Salomon, die Sonne unter den Menschen, Gottes Liebling, ein ausgezeichneter Sitz der Weisheit, ward von dicker Finsternis ganz und gar verdunkelt und verlor durch die Liebe zu den Weibern das Licht seiner Seele, den Ruhm seines Hauses, den Geruch seines Rufes; zuletzt beugte er sich vor Baalim, und ward aus einem Prediger des Herrn ein Glied des bösen Geistes.
Hieronym. In opuscul ad Ruffin.

Samson, der starke, tapfere Held, erstickte den Löwen; seine (unreine) Liebe konnte er nicht ersticken. Er löste die Bande seiner Feinde, aber die Ketten seiner Begierden löste er nicht; er zündete die Ernten der Nachbarn an, und er selbst, entzündet von einem Funken eines einzigen Weibes, verlor die Ernten seiner Tugend.
Ambrosius in apolog. de David.

Die Unkeuschheit erzeugt folgende Töchter: Blindheit des Geistes, Unbedachtsamkeit, Unbeständigkeit, Unbesonnenheit, Eigenliebe, Haß Gottes, allzu großes Verlangen nach diesem Leben, Schrecken des Todes und des zukünftigen Gerichtes, Verzweiflung an der ewigen Seligkeit.
Gregor. M. lib. XXXI. cap. 31.

O Wollüste, welche leichte Zugänge habet ihr, und welche beschwerliche Ausgänge werdet ihr haben, wann ihr töten werdet! So lange ihr den Menschen zuredet, stecht ihr bis zum Tode der Seele.
Augustin. ap. Drexel in Niceta, lib. I. cap. 11.

Die Unzucht und Wollust verwirren den Verstand und machen aus dem vernünftigen Menschen ein vernunftloses Tier.
Hieronym. in Oscam, c. 4.

Willst du wissen, welch ein verderbliches Laster die Hurerei ist? Jene Juden, welche die Schlangenbisse in der Wüste nicht töten konnte, richtete die Unzucht in Madian zu Grunde, und durch dieselben ließen sie sich auch zum Essen der Götzenopfer verleiten. Deswegen fielen an einem Tage 23000. (1. Kor. 10, 8) Gibt dir der böse Geist schändliche und unreine Lüste ein, so antworte ihm: Du Feind der Wahrheit! Damit du deine Begierde befriedigen könntest, soll ich so unverschämt handeln? Packe dich zu den Wolllüstlingen, die sind deinesgleichen! Du hast dir ja die Schweineherde ausgebeten (Matth. 8, 31), so stürze dich mit ihnen ins Meer. Nie werde ich mich zum Sklaven deiner Willkür erniedrigen.
Ephrem.

Gibst du dich mit unkeuschen Gedanken ab, also, daß du wirklich einwilligst, so schweben die Bilder der Sünden den Augen des Geistes überall vor; sie zeigen ihnen verführerische Gegenstände, drängen sich häufig auf, wissen das Nachdenken über die Unzucht süß zu machen, und so wird der Sinn verweichlicht, der Mensch unsichtbar besiegt und zu innerlichen Sünden verleitet, so daß er mit dem Schatten und Bilde der Sünde (im Geiste) die Schandtat begeht.
Ephrem. Paraenes. 36.

Diese Sünde kennt keine Grenzen, und der unersättliche Durst der Wollust wird nur mit dem Tode gelöscht.
Ambros. Lib. II. c. 5. de Cain et Abel.

Wer anfängt Unzucht zu treiben, der fängt auch an im Glauben zu wanken.
Ambros. Epist. I. ad Sabin.

Jedes andere gute Werk, das man ausübt, wird von der Unkeuschheit verschlungen, wenn man sich davon nicht reinigt.
Gregor. M. Moral. lib. XXII.

Der Wollüstling wird zwar alt, aber sein Laster nicht.
Augustin. De verb. apostol. Serm. 18.

Die Unzucht ist die Mutter der Unbußfertigkeit.
Cyprian. de pudicitia.

aus: Bernardin Thuille, Ord. fr. Capuc., Patristisches Handbuch, Eine Sammlung vieler Stellen für die vorzüglichsten Glaubens- und Sittenlehren der katholischen Erblehre aus den Schriften heiliger Kirchenväter und kirchlicher Schriftsteller, 1888, S. 511 – S. 514

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