Cortes Gibt es noch eine Rettung?

Ein Porträt des großen spanischen Staatsmannes und Philosophen Donoso Cortes, für den Theologie Wissenschaft in Allem ist: er sitzt seitlich, den Kopf zum Betrachter gewendet, edel gekleidet sowie mit Auszeichnungen geschmückt

Die Apokalyptik Donoso Cortés (1809-1853)

Teil 5

Gibt es noch eine Rettung?

Die Gesellschaft ist verloren…, weil die Gesellschaft meiner Überzeugung nach ganz offenbar sich nicht retten will… Es gibt keine Rettung für die Gesellschaft, weil wir aus unseren Kindern keine wahren Christen machen wollen und selber keine wahren Christen sind. Weil der katholische Geist, der einzige, der Leben in sich trägt, nicht alles belebt… Es wäre ein gigantisches Unterfangen, wollte man den derzeitigen Lauf der Dinge ändern. Es gibt keine Macht auf Erden, die das von sich aus fertig brächte.

Schon eilt die Menschheit mit großen Schritten dem sicheren Schicksal der Despotie entgegen, und ich sage Ihnen, diese Despotie wird eine Macht gewinnen, die ans Riesenhafte grenzt… Sie wird eine Kraft der Zerstörung entfalten, die alles übertrifft, was wir bisher erlebt haben…

Jawohl, meine Herren, heute sind die Wege geebnet zu einer Tyrannen-Herrschaft von riesenhafter Größe, von kolossalen, von ungeheuren, weltumspannenden Ausmaßen…

Nur ein Mittel vermag die Katastrophe abzuwenden, ein einziges… Wir werden ihr nur entrinnen; wenn wir uns bemühen, die religiösen Kräfte neu zu beleben und mit ihnen … einen heilsamen Gegenstoß zu führen. Aber hier, meine Herren, eben hier drängt sich mir die bange Frage auf die Lippen: Ist denn ein derartiger Umschwung überhaupt noch möglich? O ja, meine Herren, er ist möglich. Aber ist er denn auch wahrscheinlich? Und hier, meine Herren, bin ich gezwungen, Ihnen ein Bekenntnis abzulegen, ein Bekenntnis, das meine Seele mit dem tiefsten Schmerz erfüllt. Denn ich muss Ihnen bekennen: Nein, meine Herren, ich glaube nicht an die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Umkehr; ich glaube nicht an die Wahrscheinlichkeit eines allgemeinen religiösen Umschwungs. Ich habe zwar schon viele Individuen gesehen, die vom Glauben abgefallen waren, aber den verlassenen Heilsweg des Glaubens schließlich doch wieder gefunden haben. Aber ich habe noch niemals ein Volk gesehen, das wieder zum Glauben zurück gekehrt wäre, nachdem es ihn preisgegeben hatte.

Der natürliche Sieg des Bösen über das Gute und der übernatürliche Sieg Gottes über das Böse, das ist die Quintessenz meiner Lehre… Mag es nun mit der Endkatastrophe der Menschheit stehen, wie es will, aus dem, was ich dargelegt habe, geht hervor, daß das Böse im Kampf mit bloß natürlichen Kräften immer und überall den Sieg davontragen wird und daß nur Gott imstande ist, das Böse nieder zu zwingen immer und überall, wo es seinem erhabenen Willen genehm ist.

Ich kenne die Bedenken und Einwände, die man gegen diese Auffassung ins Feld führen wird. Man wird ohne Zweifel einen Kampf als nutzlos, ja als sinnlos bezeichnen, dem nicht der sichere Sieg, sondern die sichere Niederlange winkt. Trotzdem gestatte ich mir, anderer Meinung zu sein. Wenn wir uns an diesen Kämpfen beteiligen, werden wir wenigstens imstande sein, die kommende Katastrophe abzuschwächen und ihre Schrecken zu mildern. Für uns Katholiken ist die Teilnahme an diesem Kampf eine ernste, eine heilige Pflicht, eine Pflicht, die nicht zu umgehen ist. Wir haben sogar allen Grund, Gott dafür dankbar zu sein, daß er uns überhaupt zu diesem Kampf zugelassen hat. Wir dürfen nicht mehr von ihm verlangen, als was er uns bereits bewilligt hat. Wir haben nicht das Recht, ihn auch noch um die Gunst des Sieges zu bitten. Aber alle, die sich für die Sache Gottes einsetzen und entschlossen und tapfer zu kämpfen wissen, werden von seiner unendlichen Güte einen Lohn erhalten, gegen den jeder irdische Erfolg verblassen muss. –
aus: Donoso Cortés, Untergang oder Wiedergeburt des Abendlandes? Die europäischen Geschichts-Prophetien des großen spanischen Staatsmannes, 1953, S. 54 – S. 58

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