Was der Bußprediger Berthold gesagt hat

Was der Bußprediger Berthold gesagt hat ist aus heute noch wahr

Fortsetzung von: Das Kriegslied in Waffen

Es ist alles auch heutzutage noch wahr, was in dieser Hinsicht zu seiner Zeit der Bußprediger Berthold gesagt hat:

Die Teufel, sagt er, heißen mit Recht Jäger, denn sie jagen viele tausend Seelen, daß ihrer nimmer Rat wird; darum haben sie uns ihre Fallstricke an so vielen Orten gelegt, daß sich wenige davor hüten mögen. Ihr wißt wohl, daß die Jäger und die Waidleute mancherlei Stricke haben müssen… So mancherlei Stricke haben auch die Teufel uns Christenleuten gelegt. Juden, Heiden und Ketzern legt er so viele Stricke nicht, wie uns Christenleuten, denn sie sind doch zum voraus sein. Nur uns Christenleuten lauern sie auf, darum, weil wir die Freude besitzen sollen, die sie verwirkt haben.

Sie legen uns Stricke im Bett, darin wir ruhen sollten; sie legen uns Stricke im Schlaf; sie legen uns Stricke, wir wachen; sie legen uns Stricke in der Kirche, in der Reue, in unserer Beichte, in unserer Buße; in unseren Gedanken, in unseren Worten, in unseren Werken; sie legen Stricke unseren Augen, unseren Ohren, unseren Händen, unseren Füßen, unserem Essen, unserem Trinken, und allen unseren Werken. Darum spricht ein Heiliger: „Ach Herr! Mag Jemand vor diesen Stricken gerettet werden?“ Denn er sah wohl, daß die Welt voll Stricke war.

Wie die Teufel Tausendkünstler heißen, so haben sie so viele Stricke wie Künste und mehr. Und wenn sie den Menschen mit einer Kunst nicht gewinnen können, so wenden sie eine andere an, und wenn sie ihn mit einem Strick nicht fangen können, so legen sie ihm einen anderen. Da ihnen der hl. Mann Herr David aus einem Strick entrann, so ließen sie noch nicht nach, sie legten ihm einen anderen Strick, darin hätten die ihn beinahe gefangen. Den guten St. Peter hätten sie beinahe gefangen; da ihnen der entrann, da fingen sie Judas; der war so heilig, daß Gott durch ihn Zeichen tat, uns man müßte seinen Tag feiern, wie St. Peters Tag, hätten ihn die Jäger in ihren Stricken nicht gefangen. Da ihnen der hl. David entrann, da führten sie aber seiner Söhne manchen hin. Und also haben sie manche tausend gefangen mit ihren Stricken und fangen alle Tage noch heute manche tausend, deren nimmermehr Rat wird. –

Sie fahren des Nachts zu den Städten und zu den Dörfern mit großen Scharen und mit großer Menge, und legen ihre Stricke und ihre Hinterhalte mancherlei. Und des Nachts trauen sie sich wieder mehr zu schaffen denn des Tages. So legen sie mancherlei Stricke, womit sie viel tausend Seelen fangen. Sie legen ihre Stricke vor Wirtshaus-Häusern, um des übermäßigen Trinkens und Spielens und Mordens willen; so hier Stricke der Trunkenheit, daß einer an seinem eigenen Weib schuldig werde oder an seinem eigenen Kind, oder einer seine Hausfrau schlage, daß er an seinem ungeborenen Kind schuldig werde. So legen sie hier Stricke des Diebstahls und der Unkeuschheit; oder manchem, so er den ganzen Tag gefastet hat, legen sie einen Strick mit der Fraßheit, daß er die Fasten bricht; sie machen, daß die Frau ihr Kind zu tot erliege, daß ein Haus anbrenne, davon mancher sein Leben verliert, oder daß eine Stadt ganz oder halber verbrenne. Der Stricke sind so viele, daß es Niemand zu Ende sagen kann. Denn die Teufel haben sonst nichts zu schaffen, als daß sie ihrer alle Tage mehr und mehr machen. Und so haben sie von Anbeginn der Welt so viele gemacht, daß sie Niemand zählen kann.

Bruder Berthold! Du sagst uns gar viel von diesen Teufeln und von ihren mancherlei Listen, und wir sehen ihrer einen einzigen nimmer, und hören und greifen und empfinden keinen. – Nun sieh! Das ist eben der größte Schaden, den du von ihnen haben magst; denn sähest du nur einmal einen einzigen Teufel, wie er ist, so wäre ich sicher, daß du nimmer eine Sünde mehr begingest. Das is auch ihrer Stricke einer, der allerschädlichste, den sie irgend haben, daß sie also diebisch mit uns umgehen. Denn wenn wir ihrer einen sähen, dann hülfen alle ihre Stricke nichts, die sie je erfunden oder je erfinden mögen. Nun seht, wie still sie schweigen, und ihrer sind doch viel tausend hier! Ihr Teufel! Ihr höret mich gar wohl hier predigen; ihr nähmet nicht, was unter dem Himmel ist (außer der Menschenseele), daß ihr nur einmal einen von euch sehen ließet; denn dann hülfen euch all` eure Listen und Stricke nichts mehr.

So der alte Bußprediger.

Darum begnügt sich der Teufel besonders heut zu Tage, den Blasebalg zu machen, und seine gottlosen Absichten, Menschen ins Herz und in den Kopf zu blasen, die dann ausgehen und das Feuer der Leidenschaften in anderen Menschen anfachen und hell und zerstörend auflodern machen. Das tun alle schlechten Bücher, Kalender, Zeitungen; das tun die, so im Gasthaus hinter dem Bier-,Wein- und Schnapsglas, in den Spinnstuben, in den Kasernen religionswidrige oder abscheuliche Reden führen; das tun die, so mithelfen Gesetze zu machen, wodurch die Kinder in der Schule religionslos und religionsfeindlich herangezogen werden sollen, wodurch die Kirche ihres Gutes beraubt und gehindert wird, den Seelen die Wahrheit zu verkünden, die Unschuld vor Verführung zu schützen, die Sterbenden zur letzten Beichte vorzubereiten; das tun die, so schändliche und spöttische Bilder anfertigen und ausstellen und zum Verkauf anbieten, oder auf dem Theater in eigener Person leibhaft darstellen;… –
aus: Franz Hattler SJ, Wanderbuch für die Reise in die Ewigkeit, II. Band, 1. Teil, 1884, S. 280 – S. 283

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