Unterricht für den heiligen Christabend

Die Geburt Jesu Christi am Christabend: das Kind liegt auf Stroh, Maria und Joseph knien vor Ihm; links und rechts sind Männer und Kinder, die Ihm huldigen; im Hintergrund sind viele Engelkinder mit Kerzen und Instrumenten zu sehen

Goffine: Unterricht für den heiligen Christabend

„Siehe, die Zeit seiner Ankunft nahet; der Herr wird sich über Jakob erbarmen und Israel erlösen.“ (Is. 14, 1)

Keine Nacht ist so heilig wie die Christnacht; deshalb soll der Christ sie heilig zubringen, mit Gebet, frommen Lesungen und Betrachtungen, nicht aber mit Spiel, Trinken, Possen und andern Ausschweifungen, wie es leider häufig geschieht.

Wie kannst du den Christabend heilig zubringen.

Etwa auf folgende Weise:

1) Halte aus Liebe zum göttlichen Jesuskind genau die vorgeschriebene Vigilfasten.
2) Wenn es immer möglich ist, ziehe dich zurück und widme die Zeit bis zum Mitternachts-Gottesdienst dem Gebet und der Betrachtung. Wenn dies nicht möglich sein sollte, so sei doch im Geiste gesammelt und opfere deine Arbeiten dem Jesuskindlein auf.
3) Bereite dich recht gut zum Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares vor. Versetze dich in die Gegenwart des neu geborenen Heilandes und erforsche dein Gewissen recht sorgfältig; die Erbarmung und Liebe Gottes betrachtend, die im Jesuskind geoffenbart ist, erwecke eine möglichst vollkommene Liebesreue.  (siehe Beitrag: Pius VI. Litanei von der Liebesreue) Laß das Jesuskind zu dir reden und halte recht innig und kindlich um Verzeihung und Kraft zur Besserung an. Besonders bereite dein Herz zu einer lieblichen Wohnung für den göttlichen Heiland, den du in der heiligen Kommunion empfangen sollst. Erleuchte dein Herz durch den Glauben, erwärme es durch ein heiliges Liebesfeuer, reinige es durch Demut und Reue, schmücke es mit freudiger Hoffnung, erfülle es mit heiligen Lobgesängen und Dankgebeten. Sollte es dir nicht möglich sein, die heiligen Sakramente zu empfangen, so mach gleichwohl alle diese Übungen, damit du durch eine vollkommene Reue gereinigt und durch die geistliche Kommunion mit deinem Heiland vereinigt werdest.
4) Nimm deine Zuflucht zur Mutter Gottes und zum hl. Joseph, daß sie dir helfen, diesen heiligen Abend und das folgende Fest gut zuzubringen und durch das Geheimnis der heiligen Menschwerdung getröstet zu werden.
5) Bete recht andächtig und betrachtend den freudenreichen Rosenkranz.
6) Wenn es dir immer möglich ist, so verrichte irgend ein Werk der Barmherzigkeit und bereite an einer Stätte der Not süße Weihnachtsfreude. An Gelegenheit fehlt es heutzutage nicht. Gott ist so barmherzig gegen dich armen Sünder, sie auch barmherzig gegen arme Mitmenschen. „Brich den Hungrigen dein Brot, Bedrängte und Heimatlose führe in dein Haus, und so du einen bloß siehst, so bekleide ihn. Dann wird hervorbrechen wie die Morgenröte dein Licht … und der Herr wird erfüllen mit Lichtglanz deine Seele.“ (Is. 58, 7-11)

Woher stammen die Weihnachtskrippen?

Vom hl. Franziskus. Er ließ sich zuerst eine Darstellung der Geburt Jesu im Stalle anfertigen. Ihn ahmten zuerst die Franziskaner-Klöster, dann die Pfarrgemeinden und die christlichen Familien nach. Die Krippen sind, würdig erstellt, ein gutes Mittel, das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes unserer Seele tiefer einzuprägen.

Was bedeuten die Christbäume und die Christbescherungen?

Es ist eine löbliche Sitte, am heiligen Christabend sog. Christbäume, besonders für die Kinder, in den Familien aufzustellen, dieselben mit vielen Lichtern und allerlei Geschenken zu zieren. Leider ist diese fromme Sitte vielfach ausgeartet, und der tiefe Sinn des Christbaumes vielen abhanden gekommen. Es ist besonders für Eltern wichtig, den Sinn des Christbaumes zu verstehen und für die ihrigen zu benutzen. Also was bedeutet der Christbaum?
Der Christbaum ist ein Sinnbild Jesu Christi, der im Gegensatz zu dem Baum des Todes im Paradies der Baum des Lebens für uns ist. Er erinnert an den Baum des Kreuzes, an welchem Jesus unsere Erlösung vollbracht hat. Die vielen Lichter, mit denen er geziert ist, bedeuten Jesus Christus, der die Nacht des Heidentums und jeden Menschen, der in diese Welt kommt, erleuchtet. Die Gaben, welche der Christbaum trägt, erinnern an die unendlichen Wohltaten, welche das Christkind uns Menschen vom Himmel gebracht hat; die bedeuten das große Geschenk, das Gott der Vater uns gegeben, das Jesuskindlein selbst.
Nach diesen Andeutungen wird es Vater und Mutter leicht sein, der Christbaum-Feier eine höhere Weihe zu geben, damit an diesem baume für die Kinder größere Liebe zum Jesuskind und dadurch auch freudiger Gehorsam gegen die Eltern als süße Frucht reife.
Auch die Christ-Bescherungen, welche Erwachsene einander geben, sind sehr sinnvoll, wenn sie im Andenken an die Liebe und Barmherzigkeit Gottes in Liebe und Barmherzigkeit gegen den Nächsten gegeben und zweckmäßig gewählt werden.

Gebet am heiligen Christabend.

Gepriesen sei in Ewigkeit die unendliche Güte Gottes, der sich des gefallenen Menschen erbarmt hat. O anbetungswürdiger Ratschluss, durch welchen Gott seinen ewigen Sohn auf die Welt sandte, daß Er unser Fleisch annehmen und als Gott und Mensch erscheinen sollte: ein Geheimnis, das so viele tausend Jahre verborgen, von den Propheten vorher gesagt, von den Patriarchen erwartet wurde.
Im Anfang war das Wort, und as Wort war Gott; alles ist durch Dasselbe erschaffen; das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit. Die Himmel haben getaut und uns den Gerechten gegeben; die Erde hat uns den Heiland hervor gebracht.
O gebenedeite Jungfrau, von Gott auserwählt, dir hat der Herr durch den Engel dieses Geheimnis angekündigt: Du bist gebenedeit unter den Weibern. Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, der aus dir geboren wurde und nun mit Gottheit und Menschheit im heiligsten Altarssakrament zugegen ist.
O Jesus, Du Sohn des ewigen Vaters und der allerseligsten Jungfrau Maria, o Heiland der Welt! Dir sei ewig Lob und Dank für deine Menschwerdung und deine immer währende Gegenwart unter uns. O unendliche Güte! Du hastDich erniedrigt und bist uns Menschen gleich geworden, Du hast die Gestalt eines Knechtes ohne Verletzung deiner Gottheit angenommen. Wir beten Dich an und danken Dir, der Du lebst und regierst mit dem Vater und dem hl. Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 57 – S. 59

Bildquellen

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