Unterricht für den 6. Sonntag nach Erscheinung

Unterricht für den sechsten Sonntag nach dem Fest der heiligen Drei Könige

Einschaltung der Sonntage nach Erscheinung: Die nach Erscheinung ausgefallenen Sonntage werden zwischen dem 23. und 24. Sonntag nach Pfingsten nachgeholt.

An diesem Tag stellt uns die Kirche Jesus dar als den Stifter und König des Gottesreiches, das Zeit und Ewigkeit umfaßt und im Anfang zwar klein war, aber allmählich sich erweiterte und in der ewigen Seligkeit vollendet wird.

(Der Eingang zur heiligen Messe ist wie am dritten Sonntag nach dem Fest der heiligen drei Könige.)

Gebet der Kirche.
Allmächtiger Gott, wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir stets nur das, was vernünftig ist, betrachten und nur das, was Dir wohlgefällig ist, in Wort und Tat vollbringen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus dem Brief des hl. Apostels Paulus an die Thessalonicher, Kap. 1, Vers 2-10

siehe: Thess. 1, 2-10

Erklärung und Anwendung.
Der hl. Paulus wünscht den Thessalonichern die Gnade Gottes und alles Glück versichert sie seines Gebetes und gibt ihnen seine Freude zu erkennen, daß sie den Glauben an Jesus Christus angenommen, sich durch gute Werke tätig, ja sogar unter vielen Trübsalen standhaft bewiesen, in fester Hoffnung auf Gottes Belohnung ausgeharrt und dadurch auch andere Völker ermuntert haben, entweder den wahren Glauben anzunehmen, oder in demselben standhaft zu beharren.

Übung.
Meide ängstlich alles, was den heiligen katholischen Glauben, den du bekennst, entehren könnte, – das ist heutzutage eine besondere Pflicht – und bete:

O Gott, erhalte mich im heiligen katholischen Glauben und gib mir Kraft, getreu nach demselben zu leben, damit ich und andere seine Wahrheit immer mehr erkennen. Amen.

Evangelium nach dem hl. Matthäus. Kap. 13, Vers 31 -35

Siehe: Matth. 13, 31-35

Was ist unter dem „Senfkörnlein“ zu verstehen?

Dieses Senfkörnlein, welches ein sehr kleines Samenkorn ist, aber im Morgenland zu einem solchen Baum wird, daß die Vögel unter seinen Ästen wohnen können, ist, wie die heiligen Väter lehren, vor allem Jesus Christus selbst. Klein ist Er gewesen dem Keim nach, als Er sich in der heiligen Menschwerdung zur Annahme der Gestalt unserer menschlichen Natur herab ließ. Aber ein großer Baum ist Er geworden in seiner glorreichen Auferstehung, so daß Er an Größe, Ruhm und Herrlichkeit alle Patriarchen, Propheten und Könige und alle großen Heiligen weit übertraf. Und die Völker der Erde erhoben sich wie Vögel von dem Verderbnisse der Welt, sie eilten zu den Aposteln des herrn, diesen grünen Zweigen am göttlichen Stamm, suchten die wahren Güter des Himmels und ruhten da aus voll Sicherheit vor den Stürmen falscher Lehren und der höllischen Mächte.
Dann aber bedeutet das Senfkörnlein auch die Kirche Jesu Christi, ihren kleinen Anfang, ihre große Ausbreitung, so daß alle Völker in ihrem Schoß ruhen.

Wodurch hat sich hauptsächlich die Lehre und die Kirche Christi so sehr verbreitet?

1) Vor allem durch die Allmacht Gottes und durch die Wunder, die Er zur Verbreitung derselben gewirkt hat;

2) durch die Heiligkeit und Weisheit der Lehre Jesu, die den Menschen Gott kennen, sich selbst heiligen, den Nächsten, wer er immer sei, lieben lehrt und für die Erfüllung dieser Pflichten das ewige Leben verheißt;

3) durch die Liebe und den untadelhaften Wandel der ersten Christen, wodurch sie die Ungläubigen angezogen haben; 4, durch die Verfolgungen des Christentums und die Standhaftigkeit seiner Bekenner; denn das Blut der Märtyrer war, wie Tertullian schreibt, der Same, woraus die Christen erwachsen sind.

Was bedeutet das Gleichnis vom „Sauerteig“?

Das nämliche, wie das Gleichnis vom Senfkörnlein. Wie der Sauerteig allmählich eine große Masse Mehls durchdringt und nicht ruht, bis die ganze Masse durchdrugen ist, so drang und dringt das Christentum, die katholische Kirche mit ihren Lehren und Anstalten in Familien, Gemeinden, Staaten, Weltteile, in alle Verhältnisse des Privat- und öffentlichen Lebens, sie alle mit ihrem Geist erfüllend und belebend, und sie wird nimmer Ruhe haben, bis ein Schafstall und eine Herde sein wird.

Was nun im großen, das sinnbilden diese Geheimnisse auch in Betreff jedes Menschen. Von der Lehre Jesu, dem kirchlichen Sinn, sollen durchdrungen seins eine Gedanken, Worte und Werke, alle seine geistigen und körperlichen Kräfte, bis er nur mehr dem lebt, der für ihn gestorben ist. Nur dann wird auch er Ruhe finden.

Was bedeuten die „drei Maß Mehl“?

Sie bedeuten die Nachkommen der drei Söhne Noes, Sem, Cham und Japhet, welche das ganze Menschengeschlecht ausmachen.

Was ist unter dem „Weib“ zu verstehen, welches den Sauerteig nahm?

Dieses Weib, antworten die heiligen Kirchenlehrer Ambrosius und Hieronymus, ist die heilige Kirche, die täglich die Lehre Christi in unseren Herzen zu bergen bestrebt ist.

Was bedeutet der Sauerteig ferner?

Er bedeutet besonders die Wirksamkeit der göttlichen Gnade in der Menschenseele. Der Sauerteig wandelt

1) die Mehlmasse in sich um;

2) erweitert und erhebt er sie;

3) macht er sie schmackhaft und bildet aus ihr das Brot, das notwendigste unserer Nahrungsmittel. Ebenso wandelt die Gnade Gottes den Menschen in ein ganz anderes Wesen um; sie erhebt und adelt ihn, läßt ihn an der Vollkommenheit Gottes teilnehmen; sie sättigt und beglückt ihn.

O glückliche, christliche Seele, die du der Tätigkeit der göttlichen Gnade dein herz öffnest! Glücklich bist du, wenn du von diesem himmlischen Sauerteig dein ganzes Wesen durchdringen lässest, den Verstand von der Gnade des wahren Glaubens, das Herz von der Gnade der göttlichen Liebe, den Leib von der Gnade der christlichen Abtötung. So wirst du wahrhaft in Christus umgewandelt, mit Ruhe und innerem Frieden beglückt, bis du endlich zum herrlichen Besitz der ewigen Himmelskrone gelangst.

Warum redete Christus so oft in Gleichnissen?

Damit seine Lehre desto leichter auch von den Einfältigen begriffen und behalten würde. Wer andere zu lehren hat, z. B. Im häuslichen religiösen Unterricht, der richte sich, dem Beispiel Jesu folgend, nach ihrer Fähigkeit.

Übung.
Suche immer mehr die Notwendigkeit des himmlischen Sauerteiges der göttlichen Gnade für dich zu erkennen und halte in unablässigem Flehen um denselben an, etwa mit folgenden Worten:

O Jesus, erhalte und vermehre in mir deine Gnade!

Gebet.
O gütigster Jesus! Der Du das wahre Senfkörnlein bist, welches in dem jungfräulichen Leib Mariä gar klein war, aber hernach zu einem großen Baum geworden ist, dessen Gipfel alle Himmel übersteigt, Dich preisen wir, flehentlich bittend, Du wollest uns unter dem Schatten deiner himmlischen Gnaden ruhen lassen, unter deinen Blättern vor dem bösen Feind sicher stellen und mit deinen köstlichen Früchten auf dieser mühseligen Welt und dereinst im Himmel uns erquicken. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 115 – S. 118

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