Philosophen des Pessimismus

Philosophen der reinen Diesseits-Philosophie

Kant hatte zwar die Existenz Gottes nicht geleugnet, wenn er auch die Beweismöglichkeit bestreitet. Andere, ebenso große Philosophen haben mit ihrer reinen Diesseits-Philosophie die Türen zum Jenseits völlig zugeschlagen und ihre Antworten mit rein irdischen Maßstäben gegeben.

Schopenhauer als Philosoph des Trübsals

Der große Schopenhauer hat den Pessimismus als Anfang und Ende seiner Weisheit erklärt und mit seiner krankhaften Philosophie Millionen von Menschen der Verzweiflung bis zum Selbstmord ausgeliefert, den er natürlich bejaht. „Es gibt nur einen einzigen Irrtum“, behauptet Schopenhauer, „und der ist, daß wir dasein sollen, um glücklich zu sein.“ Daß eine solche Lebensverzweiflung einem vernünftigen und einem durch einen göttlichen Willen geordneten Leben widerspricht, liegt klar zutage. Den Sinn der Welt nur pessimistisch deuten, führt letztlich zu einem unfruchtbaren Nichts. Oder spöttisch ausgedrückt, wie dies der Biologe G. von Bunge tut (Joel II, S. 821): „Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst.“ Die christliche Abkehr von der Welt aus einem „Jammertal“ hat einen anderen Sinn: Das Leben ist eine Spanne der Bewährung und Vorbereitung. Der Christ sagt Ja zu Leid und Freud der Welt im Glauben an ein künftiges Leben.

Auf welch schwachen Füßen überdies die Schopenhauersche Philosophie steht, erhellt aus den persönlichen Verhältnissen, aus denen heraus dieser Pessimist entstand. „Man nehme einen kranken Leib“, schreibt Will Durat (Die großen Denker, S. 331), „einen neurotischen Geist, ein Leben voll unausgefüllter Zeit und brütender Langeweile und man wird die richtigen physiologischen Voraussetzungen für Schopenhauers Philosophie beisammen haben… Und es steht außer Zweifel, daß Schopenhauers frühere Erfahrungen mit Frauen und auch mit Männern zu abnormem Mißtrauen und krankhafter Empfindlichkeit bei ihm geführt haben, ähnlich wie bei Stendhal, Flaubert, Nietzsche… Wie sollte jemand, der sein ganzes Leben in einer Pension verbracht hat, dem Pessimismus entgehen? Jemand, der sein einziges Kind der Namenlosigkeit preisgegeben hat? Der tiefste Grund von Schopenhauers Unglückseligkeit war seine Abkehr vom normalen Leben – seine Ablehnung von Weib, Ehe, Kind. Er sieht in der Elternschaft das größte aller Übel, während sie für den gesunden Mann die größte Befriedigung des ganzen Lebens bedeutet… er hält den, der eine Frau ernähren will, für einen Narren, aber solche Männer sind offenkundig nicht weniger glücklich als unser leidenschaftlicher Apostel des einsamen Elends. Außerdem ist die Pflege seines Lasters genau so kostspielig wie die einer ganzen Familie… Welchen Haß gegen die Frau hat ein einziger Fehlschlag in dieser unglückseligen Seele wach gerufen.“

Zu solchen Ergebnissen der Verneinung müssen naturgemäß alle Philosophen kommen, die nur in der kurzen Spanne Zeit des Diesseits eine Erfüllung des Verlangens nach Glück erhoffen. „Wäre der Zweck des menschlichen Lebens die Glückseligkeit“, so urteilt der Philosoph Eduard von Hartmann, „so wäre es trotz aller sinnlichen, gemütlichen und geistigen Freuden, die es bietet, nicht wert, gelebt zu werden und auch für den Bestsituierten bloß eine ungeheure Prellerei.“

Zu diesen Philosophen des Pessimismus gesellen sich die Philosophen des Materialismus, die da spotten, mit dem Seziermesser keine Seele finden zu können. Da die Materie für sie alles entscheidet, werden alle Gedanken von Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, Sittlichkeit, Recht und Pflicht als Hirngespinste und Vorurteile „in dem großen Narrenhaus der Welt“ erklärt, wie dies Max Stirner in seinem Buch „Der Einzige und sein Eigentum“ getan hat. Für ihn gibt es nur das Recht auf den Genuss und kein fremdes Gesetz und keinen fremden Willen. Das Jenseits ist weggefegt, allein in uns ist ein neuer Himmel geworden und ruft uns zu erneuten Himmelsstürmen. Ein anderer Philosoph, Horneffer (Am Webstuhl der Zeit, 1914, S. 270) verfällt in das Gegenteil von Selbst- und Ichsucht. Für ihn quillt das „Glück nur aus der Gemeinde, nur aus dem gemeinsamen Wollen.“ Nur wer in der opferbereiten Tat in Liebe und Hingebung für die Menschheit sein Glück sucht, „den allein segnet und küßt der Genius der Menschheit mit seinem allmächtigen Glück“, schreibt er. Wer ist aber dieser Rübezahl des Glücks, dieser Genius, der opferbereite Menschen und ihre Taten so herrlich belohnt? Der „Genius der Menschheit“ soll Menschengüte belohnen. Aber ist dieser „Genius“ mehr als ein ohnmächtiges Schlagwort? Mit seinem Appell an die Nächstenliebe ist Horneffer freilich ein weißer Rabe unter den Philosophen, die über die Gefängnisgitter ihrer weltschmerzlerischen und düsteren Anschauungen nicht hinaus kommen und durchgehends in Pessimismus und Materialismus befangen bleiben.

Das Leben als großer Unsinn – weitere Unglücks-Philosophen

Ein so geistreicher Mann wie Alexander von Humboldt hat einmal geklagt: „Das ganze Leben ist der größte Unsinn. Wüßten wir doch wenigstens, warum wir auf der Welt sind. Aber es ist und bleibt dem Denker rätselhaft. Und das größte Glück ist noch das, als Flachkopf geboren zu sein.“ Nach dieser Philosophie wären also die Insassen der Irrenhäuser und Idioten-Anstalten die glücklichsten Menschen unter der Sonne. Der Philosoph Eduard von Hartmann sagt, daß alles Glück auf Täuschung beruht, und in seiner Philosophie des Unbewußten hoffte er allen Ernstes, die Menschheit werde einmal wahrscheinlich mittels des Telegraphen und internationaler Vereinigung den Zeitpunkt ihres gemeinsamen Selbstmordes finden, der sie mit der ganzen Welt in das allein beglückende Nichts versenken und das Ende aller Schmerzen herbei führen werde. Ein anderer Unglücks-Philosoph der neueren Zeit, Otto Weiniger, der seine eigene Lebensphilosophie durch seinen frühen Selbstmord bekräftigte, hoffte, daß die Menschheit bald dazu kommen werde, jede Fortsetzung zu unterlassen, um dadurch den Tod der Menschheit herbei zu führen. Für Philosophen dieses Schlages wäre also die Abschnürung des Lebensquells das Vernünftigste, was der Mensch tun kann.

Der Friedhofsgärtner Oswald Spengler

Von dem Geist einer solchen am Leben verzweifelnden Grundhaltung waren weiteste Kreise des deutschen Volkes erfaßt. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß Oswald Spengler als Dometsch diesen Pessimismus mit seine „Untergang des Abendlandes“ auf so breite und gläubige Zustimmung hätt stoßen können. Für diese Diesseits-Menschen ist die Geschichte der Menschheit nur ein Ablauf von Ereignissen ohne jeden höheren Sinn und Zweck. Für ihn ist „der Mensch nur ein Raubtier“ mit dem Recht auf die starken Instinkte eines solchen Wesens. Er hat den Ausspruch in die Welt geschleudert: „Glücklich wird niemand sein, der heute irgendwo in der Welt lebt.“ Man begreift, bemerkt Joel (II., S. 932),

„daß an der Ideologie dieses Buches das 19. Jahrhundert und das Abendland enden mussten; denn es endet in der völligen Zerreißung des Menschen, nicht nur etwa in getrennt Kulturkreise, nein, in alle Verschiedenheiten überhaupt. Grauenvoll malt dieser zweite Band die Entfremdung, ja Verfeindung des Menschen, den ewigen Krieg der Rassen, der Stände, Parteien, kurz aller Lebewesen … Das Leben bleibt ihm nur als der ewige Weltkrieg aller Lebewesen, weil sie von einander in der Art verschieden sind und sich nicht verstehen können. So scheint nach Spenglers Perspektive kein Hoffnungs-Schimmer zur Rettung aus der Zerreißung des Menschenlebens zu leuchten: Es ist ja ein Buch ohne Gott, ohne Geist, ohne Liebe, ohne Vertrauen, ohne irgend ein Band, das Menschen zu Menschen führt, da selbst die Liebe nur aus dem ‚Urkrieg der Geschlechter‘ hervor gehen soll, der grausam, unerbittlich in alle Ewigkeit waltet, womit ja selbst die Ehe, die Fortpflanzung und damit das bloße Leben schon der Menschheit unmöglich wird.“

Die Angst als Lebenskrankheit

Letzten Endes ist es die Angst, diese moderne Lebenskrankheit, „die der Gegenwart von ernstesten Denkern wie Kierkegaard, Heidegger bis zur modernen Theologie als Alpdruck des Lebens vererbt ist“, welche den innersten Kern der Philosophie des „Friedhofsgärtners Spengler“ (Joel, S. 933) ausmacht. Mit seinem Pessimismus vergiftete Spengler die deutsche und christliche Atmosphäre des Denkens, Glaubens und Hoffens, wie es von Zeit zu Zeit immer wieder eingebildete Kassandra-Gestalten aus der Philosophenwelt tun. Spengler erblickte im Kampf aller gegen alle das Leben. In seiner philosophischen Untergangs-Verbohrtheit bliebe er gegen den Drang und die Tatsache menschlicher Verbrüderung und Verschwisterung blind, wie er Kernlehre des Christentums ist. Er sah nicht das Glück und die Lebenszuversicht des katholischen Menschen, obwohl er Jahrzehnte lang in München lebte. Jede Barmherzige Schwester ist ein lebender Protest gegen jegliche Untergangs-Stimmung. Spengler sah auch nicht den oft an Heldentum grenzenden Opfersinn und die Lebenszuversicht so vieler deutscher kinderreicher Väter und Mütter, die aus katholischem optimistischem Geist heraus diese Bejahung des Lebens auf sich nehmen. Fremd blieb ihm auch die lebensbejahende Kraft der heiligen Eucharistie, der Glauben an unserenWandel in Gott. Solche Menschen froher Lebenszuversicht gibt es überall auf Gottes weiter schöner Erde, auch wenn Welthändel, Weltkrisen, Weltkriege sie erschüttern. Weltuntergang kommt erst dann, wenn die materialistischen und pessimistischen Ideen eines Schopenhauer, Nietzsche, Spengler, Heidegger und wie die Philosophen alle heißen, die vom Wesen des katholischen Optimismus keine Ahnung haben, in ein lebensmüdes und von christlicher Lebenshoffnung losgelöster Volk ihren verheerenden Eingang gefunden haben. Nein, nicht ein pessimistisches Schicksals-Ungeheuer regiert die Welt und wer Gott, Christus und seine Kirche sucht und in sich aufnimmt, dem bleibt jene Diesseitsangst und Verzweiflung fremd. Kein Philosoph kann auf die Dauer zerstören, was die Weisheit des Christentums für die Zeit und Ewigkeit errichtet hat. –
aus: Hans Rost, „Die katholische Kirche, die Führerin der Menschheit“, o.J., S. 131 – S. 133

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