Ursache der Selbstmordzunahme

Folgen der Aufklärung

Die Entchristlichung als Ursache der Selbstmordzunahme

Ungern-Sternberg hat eindeutig nachgewiesen, daß der Selbstmord in Westeuropa während der letzten hundert Jahre in erheblichem Ansteigen begriffen ist. Er erblickt die Entchristlichung als die Kernursache der Selbstmord-Steigerung. Diese Steigerung konnte sich solange nicht auswirken,

„als die Menschen religiös gefestigt dastanden und die Selbstentleibung als schwere Sünde wider Gott empfunden wurde, der das Leben geschenkt hat, damit sich der Mensch bewähre. Solange der Selbstmord dem gottgläubigen und in der Obhut der Kirche stehenden Menschen als etwas unerhört Grauenhaftes und Verwerfliches galt, solange die Angst vor den Folgen eines unbußfertigen Todes und die Vorstellung von den Höllenqualen, die den Selbstmörder im Jenseits erwarten, lebendig waren, bestand ein festes Bollwerk gegen die Ausbreitung des Selbstmordes. Die englisch-französische Aufklärungs-Philosophie hat in diese seinerzeit stabile und festgefügte Geisteswelt und Lebensanschauung eine riesige Bresche geschlagen. Ihr entstammt der im Laufe des 19. Jahrhunderts, besonders innerhalb der großstädtischen Industriebevölkerung populär gewordene „Glaube“, daß die Wissenschaft berufen und befähigt sei, über alle Fragen des menschlichen Lebens Aufschluss und Belehrung zu geben, …

Alle religiösen Vorstellungen gerieten unter dem Hauch des Rationalismus und Intellektualismus, besonders in den protestantischen Ländern, deren Bevölkerungen größtenteils … eine gewisse Abneigung gegenüber religiösen Bedürfnissen empfinden, wie sie uns die christliche Lehre und Kirche vermittelt haben, nach und nach in Verfall, und damit schwanden auch die religiösen und kirchlichen Hilfsmittel, brachen die Schutzdämme gegen verzweiflungsvolle Ausbrüche lebensfeindlicher depressiver Stimmungen, wie sie durch Misserfolge, Krankheit, Unfälle, Enttäuschungen aller Art, kurz durch Leid unvermeidlich bei jedem Menschen mehr oder weniger häufig und nachhaltig auftreten“.

Jedes Verständnis für die erbsündliche Verursachung des Leidens ging

„unter dem Einfluß des Kultus der Vernunft und der Hoffnungen und Erwartungen, die man auf eine rationelle Gestaltung des Lebens setzte, verloren… Wenn es richtig ist, daß die Selbstmord-Häufigkeit durch die Selbstbefreiung von religiöser Gebundenheit stark gefördert worden ist, so muss die Selbstmord-Häufigkeit innerhalb derjenigen Kreise besonders stark sein, die sich von religiösen Vorstellungen am entschiedensten gelöst haben… Die Verteilung der Selbstmorde nach den einzelnen Religionsbekenntnissen bestätigt diese Vermutung in der Tat mit auffallender Eindeutigkeit.“

Es liegt in der Folgerichtigkeit der Dinge, daß eine Bevölkerung, die in der Bindung an die Weisungen ihrer Kirche ihre Lebensführung aufbaut, auch den Schutz und die Vorteile der starken und klaren Führung durch die Kirche genießt… Wenn eine Bevölkerung sich in die Empfindsamkeit von „Werthers Leiden“ verstricken, von Schopenhauers Pessimismus ankränkeln, vom Glauben Nietzsches betören läßt, daß Mitleid und Barmherzigkeit faule Tugendlehren des Christentums sind, wenn Menschen in der Lehre der Abstammung vom Affen einen Ersatz für den Erlöser Christus suchen, dann darf niemand sich wundern, wenn parallel zu diesen geistigen und kulturellen Situationen die Selbstmord-Kurven steigen. Allen diesen Geistesströmungen stand und steht die katholische Kirche ablehnend gegenüber und sie musste deshalb vom Hochgefühl der wissenschaftlichen und technischen Selbsterlösung sich mit Hohn und Spott über ihre Zurückgebliebenheit übergießen lassen. Aber die katholische Kirche steht mit erhabener Überlegenheit über diesen wechselnden Strömungen der Zeit da, und als Ergebnis ihrer festen und zielklaren Haltung kann sie auf den größten Erfolg im Kampf gegen den Selbstmord nicht nur in deutschen Ländern, sondern überall auf der Erde hinweisen. –
aus: Dr. Hans Rost, Die katholische Kirche die Führerin der Menschheit, o. J. S. 328 – S. 329

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