Jesus spricht die sieben letzten Worte

Der Heiland am Kreuz schaut auf seine Mutter, die unter dem Kreuz steht und die Hände nach ihrem Sohn streckt; Maria Magdalena umfaßt das Kreuz und küßt die Füße Jesu; der heilige Johannes steht rechts vom Kreuz

Jesus spricht die sieben Worte und stirbt

Als Jesus an das Kreuz genagelt wurde, sprach er: „Vater, verzeih ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (1) Die aber, welche am Kreuze vorüber gingen, lästerten ihn noch, schüttelten ihre Köpfe und sagten: „Ei, du, der du den Tempel Gottes zerstörest und ihn in drei Tagen wieder aufbauest, hilf die selbst! Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige herab vom Kreuz!“ Und das Volk stand da und sah zu und spottete, und mit ihnen höhnten die Vorsteher, die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten in gleicher Weise, indem sie sagten: „Andern hat er geholfen; sich selbst kann er nicht helfen. Ist er Christus, der König Israels, so steige er nun herab vom Kreuze, und wir wollen an ihn glauben. (2) Er hat auf Gott vertraut; der errette ihn nun, wenn er Wohlgefallen an ihm hat. (3) Er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn!“ Auch die Soldaten verspotteten ihn, indem sie hinzu traten, ihm Essig darboten und sprachen: „Wenn du der König der Juden bist, so hilf dir!“

(1) Lk. 23,34. Das ist die Antwort des Sohnes Gottes auf die grausamen Schmerzen, die man ihm bereitet. Ein Wort aus seinem Munde konnte die Frevler niederschmettern; er beeilt sich, die rächende Hand seines himmlischen Vaters zurück zu halten. „Sie wissen nicht, was sie tun!“ Die römischen Soldaten wußten wirklich kaum, was sie taten; aber ihre Grausamkeit, ihr Spott und Hohn warum darum nicht ohne Schuld. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wußten nicht, was sie taten, sofern sie den Herrn der Herrlichkeit, hätten sie ihn erkannt, niemals gekreuzigt hätten (1. Kor. 2,8); und das Volk, das die Freilassung eines Mörders, dagegen den Tod des Urhebers des Lebens verlangt, hatte in Unwissenheit gehandelt. (Apg. 3,14ff) Aber war diese Unwissenheit der einen wie der anderen so ganz ohne Schuld? Hätten sie ihn nicht bei gutem Willen und unbefangener Prüfung der Wunder, des Lebens und der Lehre und im Hinblick auf die alttestamentlichen Weissagungen als Messias zu erkennen vermocht? Für die Schuld bittet Jesus um Verzeihung, und als Grund gibt er den Mangel vollkommener Erkenntnis an! Welch ergreifende Liebe und Erbarmung des göttlichen Herzens Jesu!
(2) Diese Verhöhnung ist geweissagt besonders Ps. 21, 8 u. 9; Is. 50,6
(3) Sie hätten auch so nicht an an ihn geglaubt; denn sie hatten seine Wunder, zuletzt noch die Auferweckung des Lazarus gesehen; sie wurden nachher von der Wahrheit der Auferstehung Jesu selbst überwiesen, und glaubten doch nicht. So ist der Unglaube, weil er aus der Bosheit des Herzens hervor geht.

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Ebenso schmähten ihn sogar die Missetäter (4), die mit ihm gekreuzigt waren, und der eine von ihnen sprach höhnisch: „Wenn du Christus bist, so hilf dir selbst und uns!“ Da verwies es ihm der andere und sprach: „Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Und wir zwar mit Recht; denn wir empfangen, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan.“ Und er sprach zu Jesus: „Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, sage ich dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ (5)

(4) Von allen Klassen der Menschen wird Jesus gelästert, selbst von den verworfensten Missetätern. Er wollte alles, auch seine Ehre und seinen guten Ruf, vollkommen für uns opfern, zur Sühne für unsere Hoffart, und damit wir um so leichter auch alles für ihn opfern könnten. (Vgl. 1. Kor. 4,10 u. 13; 2. Kor. 6,8; Gal. 2,20) – Beide Schächer lästerten ihn (Mt. 27,44; Mk. 15,32); Jesus vergilt ihnen durch einen Strahl seiner erbarmenden Gnade, die der eine von ihnen, gerührt von der himmlischen Geduld Jesu, ergreift und so noch im letzten Augenblick gerettet wird.
(5) Lk. 23,39-43. Der Name Paradies bezeichnet eigentlich einen Lustgarten (Prd. 2,5; Hl. 4,13; Gn. 2,8); sodann den Garten der Wonne, in dem Adam und Eva vor dem Fall lebten; endlich den Aufenthaltsort der Gerechten in der Vorhölle. In letzteren stieg die Seele Jesu gleich nach seinem Tode hinab, um den Seelen der Gerechten ihre Erlösung zu verkünden. (1. Petr. 3,18f; vgl. Apg. 2,27 u. 31; Eph. 4,9) – Der bußfertige Schächer verbindet in herrlicher Weise den lebendigsten Glauben mit dem mutigsten Bekenntnis, sowie die Erkenntnis seiner Bosheit mit dem Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und der vollkommensten Ergebung in die Strafe seiner Sünden.

Weib siehe dein Sohn

Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena, auch Salome, die Mutter des Zebedäus; und von ferne standen alle Bekannten Jesu da und viele Frauen, überhaupt viele, die ihm aus Galiläa nachgefolgt und mit ihm nach Jerusalem gekommen waren. Als nun seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sprach er zu seiner Mutter: „Weib (6), siehe dein Sohn!“ (7) Darauf sprach er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ (8) und von derselben Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

(6) Jesus will nicht durch den süßen Namen „Mutter“ ihren Schmerz noch steigern. „Weib“ ist eine ehrenvolle Anrede.
(7) Nach den heiligen Vätern vertraut hier Jesus seine jungfräuliche Mutter dem jungfräulichen Jünger an und belohnt zugleich dessen Liebe und Anhänglichkeit, die ihn mit ihr unter das Kreuz geführt hatte. – Aus dieser Stelle geht auch sehr klar hervor, daß der hl. Joseph jedenfalls vor dem Tode Jesu bereits gestorben war.
(8) Johannes hatte noch eine seine Mutter Salome, bei der er ohne Zweifel auch wohnte, und zu ihr wird er die seligste Jungfrau gebracht haben. – Dieses dritte Wort Jesu ist nach dem allgemeinen Verständnis der Kirche, das sich auf das Verhältnis Mariä zum ganzen Erlösungswerk gründet, in seinem tieferen Sinn auf alle Erlösten Jesu Christi zu beziehen. Treffend sagt Belser (Geschichte des Leidens… des Herrn, 401): „Nach dem Willen des Heilandes ist Maria die (geistliche) Mutter des Johannes geworden, Johannes der Maria Kind. Da nun alle, welche Jesus (durch Glauben und Taufe) aufnehmen, Kinder Gottes werden (Joh. 1,12 u. 13), wie es Johannes geworden war, so dürfen sich auch alle diese als (geistliche) Kinder Mariä betrachten.“ Alle Menschen also sollen in Maria ihre Mutter erblicken, und die Mutter unseres Erlösers sollte uns alle an Kindes Statt annehmen. Denn wie der ewige Vater wollte, daß Maria die Mutter seines eingebornen Sohnes sei, so wollte er auch, daß sie die Mutter aller derjenigen sei, die durch das Blut seines Sohnes erlöst und durch die Taufe seine Kinder würden. Daher nennen sie schon die ältesten Väter die wahre Eva, die Mutter des Lebens, die Ursache unseres Heiles u. dgl. (Vgl. S. Iren., Haer. 3, c.22; 5, c.19; Tertull., De carne Christi c.17; S. Aug., Sermo 51 de concord. Matth. Et Luc.; Sermo 232, c.2) Gott bestimmte sie von Ewigkeit her zu unserer Mutter wie zur Mutter seines Sohnes; sie wurde unsere Mutter schon im Augenblick der Menschwerdung ihres göttlichen Sohnes, unseres Hauptes und geistigen Stammvaters, und besiegelte diese Würde durch die Vereinigung ihres Willens mit dem Erlösungsopfer ihres göttlichen Sohnes. So sehen es alle echten Kinder der Kirche, wie die Kirche selbst an. Je größer die Reinheit und Heiligkeit, je inniger die Liebe zu Gott, je treuer die Anhänglichkeit an die Kirche, desto zärtlicher ist auch die kindliche Liebe zu Maria. Wie könnte man auch lebendigen Glauben und innige Liebe gegen Jesus, den Sohn Gottes, haben, ohne seine heiligste, reinste Mutter zu verehren und zu lieben?

Mein Gott warum hast du mich verlassen

Um die sechste Stunde entstand eine Finsternis über das ganze Land, und die Sonne ward verfinstert (9) von der sechsten bis zur neunten Stunde. (10) Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lamma sabaktini“, d. h. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (11) Da sagten einige der Umstehenden, die es hörten: „Siehe, er ruft den Elias!“ (12)

(9) Diese Finsternis konnte keine gewöhnliche Sonnenfinsternis , sondern nur eine ganz außerordentliche und wunderbare sein.
(10) Sie begann sonach sehr bald nach der Kreuzigung Jesu und hörte kurz vor seinem Verscheiden auf. Das herrliche Gestirn des Tages sollte sich verhüllen, während des Leidens und Todeskampfes des Sohnes Gottes, dagegen wieder Zeuge seiner beginnenden Verherrlichung sein in den Wunden, die bei seinem Tode geschahen.
(11) Mt. 27,46; Mk. 15,34. Die Worte bilden den Anfang des 21. Psalms, den der Heiland am Kreuze betete, da, wo derselbe nach dem Ratschluss des Vaters seine Erfüllung fand. Sie sind kein Schrei der Verzweiflung, wie Irrlehrer lästerlich behauptet haben, sondern der wahre Ausdruck dessen, was Jesus seiner Menschheit nach litt, da er hier nach dem Willen des Vaters und seinem eigenen Willen vollständig der Wut seiner Feinde preisgegeben und ohne allen fühlbaren Trost den heftigsten Schmerzen überlassen war. Es war eine Klage voll Ergebung und Ehrfurcht, zugleich aber für uns der klarste Beweis, daß nie ein Mensch gelitten, noch je leiden kann, was Jesus aus Liebe zu uns leiden wollte.
(12) Da die römischen Soldaten schwerlich von Elias etwas wußten, die Juden aber kaum es gewagt haben dürften, den Namen Gottes (El=Gott) zum Spott zu verdrehen, so scheint es, daß die Redenden wohl Juden waren, aber den Ruf Jesu nicht deutlich verstanden hatten. In ihren Worten liegt übrigens ein bitterer Hohn, sowohl über das äußerste Elend des Heilandes als auch darüber, daß er, der sich für den Messias ausgegeben, nun in solcher Weise den Elias als Helfer anrufe, der doch der Vorläufer, also der Diener des Messias, sein sollte. Ein neuer Hohn war es, wenn sie dem, der Jesus den Essig reichte zuriefen: „Laß es“ etc.; d. h.: „Du brauchst dich nicht zu bemühen, Elias wird schon kommen und helfen!“ – Elias, der größte der Propheten, galt den Juden als großer Helfer in der Not und mächtiger Beschützer des Volkes Gottes.

Mich dürstet

Nach einer Weile sprach Jesus, da er wußte, daß alles vollbracht sei, damit die Schrift vollkommen erfüllt würde: „Mich dürstet!“ (13) Es stand aber ein Gefäß mit Essig (14) da. Sogleich lief einer hin, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf einen Ysopstengel (15) und hielt ihn an seinen Mund. Die übrigen aber sprachen: „Laß es, wir wollen sehen, ob Elias kommt, ihn zu retten.“

(13) Joh. 19,28f. Auch dieser Durst sowie die Tränkung mit Essig war geweissagt. (Ps. 68,22; vgl. 21,16) Jesus wollte auch dies noch erfüllen, auch dieses letzte Leiden noch kosten.
(14) „Essig“ war saurer, aus Weintrebern bereiteter Wein, der, mit Wasser vermischt, das gewöhnliche Getränk der römischen Soldaten war.
(15) Matthäus und Markus sagen allgemein „auf ein Rohr“, Johannes nennt noch genauer eine „Ysop“. Mit diesem Namen bezeichneten die Alten höchst wahrscheinlich das Origanum Maru L., das als Unkraut auf Mauern und felsigen Stellen Palästinas wächst; es hat „einen 3-4 Fuß hohen, geraden und starken Stengel, … auf dem die Soldaten leicht den Schwamm zum Kreuz hinauf reichen konnten.“ (Fonck, Streifzüge durch die bibl. Flora 109)

Es ist vollbracht

Nachdem Jesus den Essig genommen, sprach er: „Es ist vollbracht!“ (16)

(16) Joh. 19,30. Das Leiden und das dadurch gewirkte Werk der Erlösung, das ihm der himmlische Vater aufgetragen, das durch die Propheten geweissagt und so vielfach im Alten Bund vorgebildet worden, war nun vollendet durch den Gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. (Phil. 2,8)

Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist

Dann rief er abermals mit lauter Stimme (17): „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ (18) Bei diesen Worten neigte er sein Haupt und verschied. (19)

(17) Ein Gekreuzigter stirbt aus Schwäche und Erschöpfung, Darum erkannte auch der Hauptmann in dem lauten Rufen etwas Übernatürliches. Jesus aber zeigte dadurch, daß er freiwillig sein Leben hingebe; eben darauf deutete nach dem hl. Chrysostomus auch der Umstand, daß Jesus erst sein Haupt neigte und dann verschied, während sonst das Umgekehrte stattfindet. (Off. Pass. Dómini lect. 8)
(18) Lk. 23,46. Jesus lehrt uns auch hier noch und zeigt uns, wie alle Christen sterben sollen. Er empfiehlt seine Seele dem ewigen Vater, wie ein kostbares Gut, das man bei der liebsten Person hinterlegt, bis man es wieder an sich nehmen will. Wir, die wir Sünder und nie unseres Heiles sicher sind, sollen unsere Seele der Barmherzigkeit Gottes empfehlen, daß er nicht nach der Strenge seiner Gerechtigkeit mit ihr verfahre.
(19) Um 3 Uhr nachmittags, zu der Stunde, um die das tägliche Abendopfer geschlachtet wurde.

Siehe (20), da zerriß der Vorhang des Tempels in zwei Stücke von oben bis unten (21); die Erde bebte; die Felsen spalteten sich (22), und die Gräber öffneten sich (23). Und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, standen auf, gingen nach Jesu Auferstehung aus ihren Gräbern, kamen in die heilige Stadt und erschienen viele (24). – Als aber der Hauptmann, der gegenüber stand, sah, was geschehen war, und daß Jesus so laut rufend verschieden (25), gab er Gott die Ehre und sprach: „Wahrlich, dieser Mensch war gerecht; er war Gottes Sohn!“ Die Soldaten aber, die bei ihm waren und Jesus bewachten, erschraken sehr, als sie das Erdbeben und was vorging, sahen. Und alles Volk, das zugegen war, schlug an seine Brust und kehrte heim. (26)

(20) Hier beginnt die Verherrlichung Christi auf Erden, während seine Seele in die Vorhölle hinabstieg, um selbst den Seelen der Gerechten ihre Erlösung zu verkünden. (Vgl. 1. Petr. 3,19)
(21) Von den zwei Vorhängen des Tempels, vor dem Heiligen und vor dem Allerheiligsten, ist ohne Zweifel der letztere gemeint, einmal, weil er der bei weitem wichtigere war, sodann wegen der sinnbildlichen Beziehung, daß das Allerheiligste des Alten Bundes seine Bedeutung verloren habe, sein Priestertum und Opfer abgeschafft, und diese Vorbilder und Schatten der Wahrheit und Erfüllung gewichen seien in dem einzigen, unendlich wertvollen Versöhnungsopfer des ewigen Hohenpriesters des Neuen Bundes. Darauf deutet auch der hl. Paulus, wenn er (Hebr. 9, 7 u. 25) den Erlösungstod Christi mit dem Opfer des alttestamentlichen Hohenpriesters am großen Versöhnungstag vergleicht, und darin, daß der Hohepriester einmal im Jahr mit fremdem Blut (dem des Opfers) in das Allerheiligste ging, ein Vorbild Christi erblickt, sofern er durch seinen Opfertod und sein eigenes Blut in das Allerheiligste des Himmels eingegangen sei und dieses auch uns eröffnet habe. (Vgl. auch Hebr. 4, 14ff; 8,6ff; 9,7ff; Röm. 5,2; Eph. 2,18)
(22) Die ganze Natur bezeigte in ihrer Art ihren Schmerz und ihr Entsetzen über den Tod ihres Herrn und Schöpfers: die Sonne, die Erde, die harten Felsen, selbst das sonst unerbittliche Totenreich. „Wenn aber die leblose Natur so bebte“, bemerkt dazu ein frommer Schriftsteller, „was muss die Mutter des Herrn empfunden haben? Keine Zunge kann es aussprechen, kein Verstand vermag es zu denken, welchen Schmerz damals die Seele Mariä empfand!“ (Vgl. Ludolph. Sax., Vita I. Chr. II, c.64, n.16) Hier vollendete auch sie ihr Opfer, empfand aufs bitterste das Schwert der Schmerzen; sie war nach dem hl. Laurentius Justiniani (De agone Chr. c.2) der Seele nach gekreuzigt mit Christus, und nach dem hl. Anselm (De excellent. Virg. c.5) war alles, was die heiligen Märtyrer litten, leicht im Vergleich mit dem Leiden Mariä; darum preisen wir sie nach dem hl. Bernhard (Serm. In Apocal. 12,1, n.14f) mit Recht als die Königin der Märtyrer. – Das Erdbeben der Erde und das zerspalten der Felsen sollte insbesondere die Herzenshärtigkeit und Verstockung der Juden beschämen. „O Herzen der Juden“, ruft darum der hl.Ambrosius aus, „härter als die Felsen! Die Felsen spalten sich, aber die Juden verhärten sich, und ihre unbewegliche Härte bleibt, wenn auch der ganze Erdkreis bebt.“ Den Christen aber sollen nach dem hl. Bernhard diese Zeichen sagen, welche Wirkungen das Leiden Christi auf sie üben muss: die irdischen Herzen sollen bei seinem Anblick erbeben aus Schrecken über die Bosheit der Sünde und aus Schmerz über das Leiden Christi; sie sollen sich in Reue und Zerknirschung spalten, auch wenn sie hart wären wie Stein; sie sollen sich auftun und durch die Beichte ihre toten Werke, die Sünden, herausgeben und so zu einem neuen Leben mit Christus auferstehen. (S. Bern., Serm. In fer. 4, mai. Hebd.)
(23) Dies stand im Zusammenhang mit dem Zerspalten der Felsen.
(24) Mt. 27,51-53. Diese Auferstehung war wahrscheinlich eine wirkliche, der des Heilandes selbst ähnliche und geschah zu deren Bezeugung und Verherrlichung.
(25) Er mochte schon manchen Menschen haben sterben sehen; aber ein solches Hinscheiden, wie er es bei Jesus sah, war offenbar übermenschlich.
(26) Alle sahen die Wunder; die Heiden bekennen Jesus, das Volk ist erschüttert; aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten bleiben verstockt! Das ist die Macht und Bosheit der Leidenschaft! –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. II, Neues Testament, 1910, S. 542 – S. 547

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