Jesu Tod Vom Erdbeben und Öffnen der Gräber

Jesu Tod – Vom Erdbeben und Öffnen der Gräber

Von dem Erdbeben und dem Zerspalten der Felsen

Von dem Erdbeben und dem Zerspalten der Felsen ist noch heute auf dem Kalvarienberg selbst eine ergreifende Spur zu sehen. In der heiligen Grabeskirche nämlich befindet sich zwischen der Kreuzesstätte Christi und der des linken Schächers ein breiter und tiefer Spalt. (1) Mommert, der den Spalt sorgfältig untersucht und gemessen und die verschiedenen Zeugnisse darüber genau geprüft hat, kommt zu dem Schluß: „Wir werden uns für berechtigt halten dürfen, anzunehmen, daß der berühmte Felsspalt auf Golgotha ohne wesentliche Schädigungen in seiner ursprünglichen Gestalt bis auf unsere Zeit sich erhalten hat.“ (2) Ältere und neuere Forscher aber erklären, daß der Spalt nicht künstlich gemacht, sondern nur infolge eines gewaltigen Naturereignisses entstanden sein kann. So bemerkte schon Henry Maundrell (Reisen in die Morgenländer 1697): „Freilich gibt es keinen andern Beweis dafür, daß dieser Sprung durch ein Erdbeben während des Leidens unseres Erlösers verursacht wurde, als die Überlieferung -, aber daß es ein natürlicher Riß sei, bei dem die Kunst nichts zu tun hatte, davon wird Sinn und Vernunft jeden überzeugen, der ihn sieht. In der Tat passen seine beiden Seiten vollkommen aufeinander, und doch macht er so verwickelte Krümmungen, daß es unmöglich wäre, sie künstlich nachzuahmen oder sie durch irgend ein Instrument zu bewerkstelligen.“ Gatt aber, der bekannte, hochverdiente katholische Missionar in Gaza, hebt hervor: „Untersuchungen tun dar, daß der Fels nicht in der Richtung seiner Adern, sondern quer durch dieselben gespalten ist.“ (Beschreibung über Jerusalem)

Das Öffnen der Gräber

Daß die Gräber sich öffneten, stand wohl in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Erdbeben und Zerspalten der Felsen, so daß es gleichzeitig damit bemerkt wurde. Die Auferstehung der Toten aber ist ohne Zweifel zu verbinden mit ihrem Erscheinen in der Stadt, das erst nach der Auferstehung Jesu stattfand. Diese „Heiligen“ waren ausgezeichnete Gerechte des Alten Testamentes, die besonders von den Juden verehrt wurden, sowie auch im Glauben an Christus hingeschiedene Zeitgenossen Christi und derer, denen sie erschienen. (3) – Ihre Auferstehung etc. sollte offenbar zunächst die erfolgte Tatsache von Christi Auferstehung durch die Genossen, die er hierin hatte, in Jerusalem bezeugen, sodann augenfällig darstellen, daß durch Christi Erlösungstod der Tod überwunden sei und seine glorreiche Auferstehung enthalte. (4) Ob diese „Heiligen“ nur vorübergehend oder bleibend auferstanden seien, läßt sich nicht mit voller Sicherheit entscheiden. Doch dürfte letzteres das Wahrscheinlichere sein, einmal, weil die Heilige Schrift mit keinem Wort andeutet, daß sie nur Scheinleiber angenommen oder in ihren wirklichen Leibern wieder gestorben, sodann weil viele Väter (5) sich ausdrücklich dafür aussprechen, endlich weil so der Triumph Christi über den Tod auf die vollkommenste Weise dargestellt war, während zugleich seine Liebe und Freigebigkeit sich darin herrlich offenbarte, daß er alsbald „viele“ seiner Erlösten auch schon dem Leibe nach an seinem Triumph teilnehmen ließ.

Anmerkungen:

(1) Der hl. Cyrill sagt darüber in Cat. 13, c. 39: „Dieser hervorragende, bis auf den heutigen Tag sichtbare Golgotha, der bis auf heutigen Tag zeigt, wie sich damals um Christi willen die Felsen gespalten haben.“
(2) Golgotha und das heilige Grab 135-144. – Tobler (Golgotha, St. Gallen 1851, 287) machte gegen die Echtheit des Kalvarienfelsens hauptsächlich geltend: 1. die Maßangaben älterer Pilger über die Größe des Felsenrisses und der gegenwärtige Bestand seien nicht übereinstimmend.; 2. die Farbe des Steines treffe mit den älteren Schilderungen nicht mehr überein. Demgegenüber weist Mommert (Golgotha 142ff) nach: 1. daß nur die Marmorbekleidung über dem Felsenspalt gewechselt hat, daß aber der Spalt im Naturfelsen stets derselbe geblieben ist; 2. daß die verschiedenen Angaben der Pilger bezüglich der Farben, soweit sie nicht auf irrtümlicher subjektiver Beurteilung der Farben beruhen, in einer Verwechslung der Marmorbekleidung mit dem Naturfelsen ihren Grund haben.
(3) Bekanntlich wird in der Apostelgeschichte (z.B. 9, 13 u. 32) und den Briefen der Apostel (Röm. 1,7; 15,25 usw.) für „Christen“ gewöhnlich der Ausdruck „Heilige“ gebraucht.
(4) Vgl. Hebr. 2,14f; Joh. 5,25f; 11,25f; 1. Kor. 15,14-26 u. 54f; vgl. Kol. 1,18; 2,15; 1. Petr. 1,3 u. 21; Offb. 5,5.
(5) Z.B. Ambr., Ps. 1, n. 54; Hier., Ep. 120,8; Epiph., Haer. 75,8; ebenso Cyrill von alexandrien, Rhabanus Maurus, Paschasius Radbertus, Cajetan, Jansenius, Maldonat u.a. in ihren Kommentaren zu der Stelle Mt. 27,53.

aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. II, Neues Testament, 1910, S. 552-553

Verwandte Beiträge

Buch mit Kruzifix
Die Qual des Durstes am Kreuz für den Heiland
Pius XII Kanonische Warnung Cum compertum
Menü