Kreuzigung unseres Heilandes Jesu Christi

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen; Jesus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und der Wunden, und verspottet

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Die Kreuzigung unseres Heilandes Jesu Christi

Luk. 23,33. Und als die Soldaten an den Ort kamen, den man Schädelstätte heißt, so kreuzigten sie Jesum daselbst samt den Straßenräubern, einen zu Rechten, den andern zur Linken. – 34. Jesus aber sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Und sie teilten seine Kleider unter sich und warfen das Los darüber.

Mark. 15,23. Da gaben die Soldaten Jesus Wein, mit Myrrhen gemischt, zu trinken: er aber nahm ihn nicht. – 24. Und nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider.

Matth. 27,34. Da gaben die Soldaten Jesus Wein, der mit Galle vermischt war, zu trinken. Und als er denselben gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

Joh. 19,18. Da kreuzigten die Soldaten Jesum und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesum aber in der Mitte.

Die Vorbereitung zur Kreuzigung

Ganz erschöpft, elend, blutig und bleich kam der Heiland auf dem Kalvarienfelsen an. Während die Vorbereitungen zur Kreuzigung getroffen, die zwei Schächer gegeißelt, die Kreuzstücke ineinander gefügt und die Öffnungen zur Aufnahme der Kreuze gegraben und gemeißelt wurden, soll der Herr in einer Art Felsengrube oder Felsenkeller am nördlichen Fuße des Kalvarienfelsens, deren Stelle man jetzt noch in der Heiliggrabkirche zeigt, verwahrt worden sein. Gewiß betete der Heiland in diesem Verließ und vollzog so den Introitus zu seinem Kreuzopfer.

Nachdem die Vorbereitungen vollendet waren, brachte man den Herrn zur Kreuzigungsstelle. Aufs neue riß man ihm die Kleider herunter, selbst die innersten, und geißelte ihn dadurch gleichsam noch einmal, indem alle Wunden, in welche die Kleider beim Kreuztragen eingetrocknet waren, frisch aufgerissen wurden. Wahrscheinlich ließ man ihm bloß die Leibbinde. Bei den Römern war dieses auch so Gebrauch, und die Juden hatten große Scheu vor Nacktheit. Sonst war der Heiland ganz entblößt, und man kann sich denken, welch eine bittere Pein dieses seinem reinen Herzen war. Nun wurde ihm der Myrrhen- oder Palmenwein gereicht: es war Sitte, daß mitleidige, vornehme Frauen dem armen Sünder vor der Kreuzigung einen starken, mit Myrrhe, Aloe, Kalmus angemachten Wein bereiteten, um den Unglücklichen zu betäuben und die Schmerzen der Hinrichtung weniger fühlen zu lassen (Sprichw. 31,6). Wahrscheinlich waren es Jüngerinnen, die dem Herrn den Trank bereiteten. Was tat aber der Herr mit dem Trank? Er wies ihn nicht ganz ab, um den guten Seelen den Trost zu lassen, daß er davon gekostet. Er nippte also davon, trank aber nicht, weil er seine Schmerzen nicht vermindern und das große Opfer mit vollem Bewusstsein, wie es sich ziemte, darbringen wollte (Mark. 15,23; Matth. 27,34).

Die Kreuzigung selbst

Der Kreis um die Kreuzigungsstelle wurde nun durch Soldaten geschlossen und die Henker traten ein. Ob das Herz des Heilandes in diesem Augenblick nicht erbebt und seine ganze Natur nicht erzittert sein mag über die furchtbare Exekution, die nun angehen sollte? Es wäre gewiß nur billig, daß wir jeden Pulsschlag seines pochenden Herzens anbeteten. Es ist nicht ausgemacht, wie eigentlich die Kreuzigung vor sich ging. Nach Angaben aus alter Zeit wurden die Verbrecher auf das erhöhte Kreuz hinan gezogen, mit Stricken an demselben fest gebunden und dann, rittlings auf einem Pflock sitzend, an Händen und Füßen angenagelt. Es konnten aber die Verbrecher auch zuerst am Boden angenagelt und dann mit dem Kreuz erhoben worden sein. So stellt man gewöhnlich die Kreuzigung dar.

Der Heiland wird also von den Henkern gefaßt und auf das Kreuz geworfen, wenn er sich nicht selbst willig auf demselben ausstreckte als ein machtloses Opfer. Wie rührend schön lag er da in seiner Entfaltung, wie ehrwürdig in seiner Schmach, der ewige Gott auf dem Kreuze, die Augen mild zum Himmel gerichtet! Die Henker banden seinen Oberleib fest an den Kreuzesstamm; ein Henker mag auf seiner Brust, ein zweiter auf dem rechten Arm gekniet haben; ein dritter faßte die rechte Hand, legt den rauhen, dreikantigen, spitz zugefeilten Nagel in die Fläche und treibt ihn mit wuchtigen Schlägen durch die Ballen und die Bänder der Hand in die Nagelöffnung des Kreuzes. Das Zittern unendlicher Pein führt durch die Glieder des Heilandes, das Blut spritzt empor und umher, und die Finger krümmen sich krampfhaft um den Nagel. – Nun geht es an die linke Hand. Grausam werden die Arme ausgerenkt, die Brust hebt sich empor und die Muskeln krachen, und dieselbe Marter wiederholt sich an der linken Hand. – Und nun an den Füßen, die sich empor gezogen hatten! Mit Gewalt wurden sie nach unter gerissen, und der Nagel bricht krachend, die Knochen und Riste zermalmend, in die Öffnung des Fußblockes. So lang nun der Heiland da, angenagelt; der ganze Leib war jämmerlich zerspannt; alle Nerven spielen und zittern in grimmigem Schmerz; das Antlitz ist leichenblaß und mit Blut bespritzt; Tränen, Seufzer und leises Wimmern mischten sich mit den grausigen Hammerschlägen und dem Blut, das den weit geöffneten Wunden entspringt. Wer begreift nicht den Schrecken und den Schmerz der Mutter Gottes, des hl. Johannes und der heiligen Frauen, welche in der Nähe die Hammerschläge und das Stöhnen des unschuldigen Opfers hörten?

Und was denkt und fühlt der Heiland? Seine Worte sagen dieses am besten. „Vater“, spricht er, „verzeih ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk. 23,34). Er bittet um Verzeihung, und zwar für alle, seine Peiniger, die Hohenpriester und die Juden, für alle, die Urheber seiner Marter sind. Er bittet so eindringlich und unterstützt seine Bitte durch die rührendsten Beweggründe. Er gebraucht zur Bitte den zärtlichsten Namen, den Namen „Vater“. Er fleht in seiner Eigenschaft als Sohn und beschwört ihn bei seinem Gehorsam bis in den Tod, bei allen seinen Wunden und allen seinen Schmerzen und bei der Liebe des Vaters zu ihm. Einen anderen Beweggrund nimmt er von den Peinigern selbst. Er entschuldigt ihr Verbrechen mit ihrer Unwissenheit, wenigstens von Seiten der Jude, wie der Heiland selbst von ihnen bezeugte (Joh. 15,22). Indessen ist der Grund immer richtig in Anbetracht der menschlichen Leidenschaftlichkeit und Oberflächlichkeit (1. Kor. 2,8; Apg. 3,17). Er bittet endlich mit Erfolg. Was sich von Israel bekehrte am Pfingstfest und in der Folge der Zeiten und sich bekehren wird am Ende der Weltzeit, das ist eine Frucht dieser rührenden und eindringlichen Bitte. Wie die edle Olive und die Traube und der Balsam ihr Öl und ihren Wein und ihren süßen Duft spenden, wenn sie zerrieben und zermalmt werden, so konnte die übergroße Pein und die schauderhafte Bosheit der Feinde diesem Herzen nichts erpressen als dieses kostbare Gebet. Er wollte hiermit ein Beispiel geben, wie wir es zu halten haben mit unseren Feinden und Verfolgern. Alle, die seinen Geist haben, tun und taten danach (Apg. 7,59).

Die Erhöhung des Kreuzes

Das Kreuz wurde nun mit seiner Last an den Standort geschoben, unter Schwanken vermittelst Stricken und Leitern erhoben und in die Grube gesenkt. Ohne Zweifel musste jede Bewegung und jeder Ruck dem Herrn die unerträglichsten Schmerzen antun, und namentlich der entsetzliche Stoß, mit dem das Kreuz in die Grube fiel. Die Last des Leibes drückte nieder, die Wunden rissen weiter und das Blut floß reichlicher.

Es war ein ewig denkwürdiger und zugleich schreckender und rührender Augenblick, als das Kreuz empor schwankte und endlich die ganze Umgebung überschauend dastand. Die Hölle erhob ihr Sieges- und Wutgeschrei in den Schergen und zahlreichen Pharisäern und Feinden Jesu, welche die Richtstätte umgaben, die Höhen besetzt hielten und und zusahen. Es war der Augenblick ihres Sieges, und mit gottlosem Jubelgeschrei feierten und verkündeten sie ihn. Aber es waren auch andere Herzen, andere Augen, andere Stimmen, andere Hände da, und sie erhoben sich auch, sahen das Kreuz empor steigen und begrüßten es mit ihrem Wehklagen, ihrer Liebe und ihrer und ihrer Anbetung. Es waren Maria und Johannes, die heiligen Frauen, alle Freunde und Angehörigen Jesu. Welch ein Anblick für sie!

So war also das Kreuz erhoben und überschaute zum ersten Mal die Erde als ein unerforschliches Zeichen der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes. Betrachte im Geiste, welchen Anblick es bot. Da hing der Heiland zwischen Himmel und Erde, vor der Stadt, hinaus gestoßen von seinem Volk als ein fluchwürdiger Verbrecher, auf der Richtstätte zwischen zwei Verbrechern als der Hauptverbrecher, ein Bild des entsetzlichsten Elendes, der Verlassenheit und der Peinen. Das Haupt war nieder gesunken unter der dicken Krone, und Blut träufelte in die Augen und in die Mundhöhle. Die Brust war ganz zerspannt und herauf gezogen, die Achseln waren hohl und ausgedehnt, die Lenden wie weggeschunden, und aus den Hand- und Fußwunden rannen Bächlein von Blut über die Arme und Füße den Kreuzesstamm hinunter. Das ist der Zustand des Heilandes! Wer hätte es gedacht, daß dieses Leben unter diesen schrecklichen Umständen endete? Die Propheten haben ihn gesehen und riefen aus:

„Wer hat geglaubt unserer Kundgabe, und der Arm des Herrn, wem ist er offenbar geworden? Wir hielten ihn für einen Aussätzigen, und geschlagen von Gott und danieder gedrückt. Er ist verwundet um unserer Missetaten willen … und gelegt hat der Herr auf ihn die Schuld unser aller; er hat sich dargeboten, weil er selbst gewollt, und tut seinen Mund nicht auf; wie ein Schaft wird er zur Schlachtbank geführt, und dem Lamme gleich vor seinem Scherer ist er stumm und öffnet nicht seinen Mund … Losgerissen ist er aus dem Lande der Lebendigen“ (Is. 53).

Das Kreuz ist die furchtbarste Offenbarung der Gerechtigkeit.

Aber es ist auch das Zeichen der Barmherzigkeit und das Werkzeug der Gnade. Jetzt ist der wahre Lebensbaum gepflanzt. Gerötet hängt an ihm die Frucht, die allen Völkern das Leben gibt, und Ströme der Gnade rinnen auf die Erde nieder, den Fluch ihrer Sünden zu sühnen und sie zu einem Paradiese umzuschaffen. Es wird keine Gnade und kein Heil gegeben, außer in diesem Zeichen. –

Es stand das Kreuz endlich aufgerichtet als das große Feldzeichen, die große Gottesfahne, zu welcher die Völker eilen und sich scharen (Is. 11,10). Auf der westlichen, abschüssigen Spitze des Kalvarienfelsens steht der Heiland am Kreuz, dem alten Jerusalem hat er den Rücken und das Antlitz dem Abendlande zugewendet. Das sieht ganz dem Auszug zur großen Heerfahrt ähnlich, in welcher er die Völker unterjochen wird, nicht durch das Schwert, sondern durch das Kreuz, nicht zum Verderben, sondern zur Rettung. „Wenn er dahin gegeben sein Leben, wird er dauernde Nachkommenschaft schauen, und des Herrn Wille gelingt durch seine Hand. Dafür, daß geduldet seine Seele, wird er schauen und sich sättigen. Ich gebe ihm als Anteil viele, und der Starken Beute wird er teilen, dafür daß er in den Tod hingegeben sein Leben, daß er zu den Übeltätern ist gezählt worden, und daß er die Sünde vieler getragen und für die Übertreter zum Fürsprecher geworden“ (ebd. 53,10f). Alle diese herrlichen Geheimnisse liegen in der Aufrichtung des Kreuzes, welche das erste Fest der Kreuzerhöhung war. Wie billig ist es, das heilige Kreuz anzubeten mit den Gesinnungen, mit denen Maria und alle Anhänger Jesu es zum ersten Mal anblickten, um so mehr, da auch jetzt noch die Nachkommenschaft jener Feinde nicht gewichen ist und dasselbe mit Spott, Hohn und Verwünschungen lästert. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 386 – S. 391

 Si crocifigga il Nazareno (Gesu al Calvario) – Jan Dismas Zelenka

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Weitere Beiträge von P. Meschler

Andacht zu den fünf Wunden Jesu
Jesus wird gekreuzigt auf Golgotha
Menü