Heiliger Petrus von Verona Märtyrer

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

29. April

Ein Mörder, der den heiligen Petrus von Verona aus dem Hinterhalt überfällt, um ihn zu töten, hält ein Beil in der Hand, hoch erhoben, um auf den Heiligen einzuschlagen; ein anderer scheint ihn davon abbringen zu wollen und hält beide Hände gegen ihn gerichtet

Der heilige Petrus von Verona Märtyrer

Der mit wahrhaft apostolischem Eifer von Gott begabte heilige Petrus wurde zu Verona im Jahre 1206 geboren. Die Manichäer, eine Sekte, behaupteten irrtümlich: es gebe (nicht einen Gott, sondern) zwei gleich ewige Grundwesen, ein gutes im Reich des Lichtes und ein böses in der Finsternis der Materie. Christus war ihnen nur ein Sonnengeist, der in einem Scheinkörper auf die Erde gesendet wurde vom guten Gott usw. Seine manichäischen Eltern schickten ihn in eine katholische Schule, weil keine andere im Ort war. In dieser lernte er bald nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch die katholischen Glaubensartikel. Als er, sieben Jahre alt, einst aus der Schule ging, begegnete ihm sein Onkel, ein Manichäer, und fragte ihn: was er gelernt habe. Der kleine Petrus antwortete: „Das apostolische Glaubensbekenntnis: ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde.“ Pfui! sagte darauf sein Onkel, das ist nicht recht. Gott ist kein Schöpfer der Erde, sondern der Teufel ist es. Petrus ließ sich durch die Gotteslästerung seines Onkels nicht irre machen; sondern wiederholte den ersten Glaubensartikel und setzte auch die übrigen unerschrocken dazu. Der Onkel wurde ganz ergrimmt, eilte zum Vater, erzählte ihm, was vorgegangen war, und wollte ihn bereden, daß er den Petrus nicht mehr in die katholische Schule schicken sollte. Der Vater hielt dies aber für eine Kinderei und gab dem Drängen des Onkels nicht nur nicht nach, sondern schickte später den Petrus zur Fortsetzung seiner Studien nach Bologna. Dort hatte Petrus Gelegenheit genug, durch Unterricht und Lesung katholischer Bücher die katholische Glaubenslehre vollkommen zu erlernen und darin sich zu befestigen. Als der hl. Dominikus, der berühmte Ordensstifter, nach Bologna kam, lernte ihn Petrus kennen und bat ihn nach reiflicher Überlegung fußfällig um die Aufnahme in seinen Orden. Sein Verlangen wurde erhört, und Petrus strebte mit solchem Eifer nach der religiösen Vollkommenheit, daß er in kurzer Zeit ein Beispiel aller Tugenden wurde. Nach Vollendung seiner Studien ward ihm die Priesterweihe erteilt, und das Predigtamt übertragen. Dieses versah er mit solchem Ruhm und Erfolg, daß er sich den Namen eines Apostels durch ganz Italien erwarb.

Indessen ließ Gott der Herr, um die Verdienste seines getreuen Dieners zu vermehren, eine sehr große Verleumdung zu. Petrus war zu Como in seinem Kloster seiner Gewohnheit nach im Gebet begriffen. Da erschienen ihm die drei heiligen Jungfrauen und Märtyrerinnen, die er wegen ihrer jungfräulichen Keuschheit besonders hoch schätzte und täglich verehrte, nämlich die heilige Agnes, die heilige Katharina und die heilige Cäcilia. Diese redeten mit ihm so deutlich wie ein Mensch mit dem andern. Ein an seiner Zelle vorüber gehender Mitbruder hörte das Gespräch und vernahm deutlich weibliche Stimmen; er ging deshalb zum Obern und sagte: Petrus hätte Weibspersonen in sein Zimmer eingelassen und mit ihnen geredet. Der P. Prior sah dieses als großes Ärgernis an, berief Petrus zu sich und stellte ihn in Gegenwart anderer darüber zu Rede. Petrus wollte aus Demut die ihm vom Himmel erwiesene Gnade nicht offenbaren, sondern fiel auf seine Knie nieder und sprach: „Ich bin ein Sünder und bin zu aller Strafe bereit.“ Diese Worte nahm man als ein Bekenntnis dessen an, was der Bruder erzählt hatte, und schickte den Petrus in das Kloster zu Jesi, wo er wie ein Gefangener behandelt wurde und daher weder die Kanzel betreten, noch mit anderen Menschen verkehren durfte. Der unschuldige Ordensmann nahm die Strafe mit Stillschweigen an und ertrug sie mit Geduld in der Hoffnung, Gott würde seine Unschuld schon an den Tag kommen lassen. Als aber viele Monate vorbei gingen, fing er an, allmählich kleinmütig zu werden. Er fiel einst in der Kirche vor einem Kruzifixbild nieder und redete den Gekreuzigten also an: „Liebster Jesus! Weißt du denn nicht, daß ich unschuldig bin? Warum läßt du mich so lange leiden? Warum entdeckest du meine Unschuld nicht? Ich habe ja nichts verschuldet. Dir ist es bekannt.“ Aus dem Bild des Gekreuzigten hörte er nun die Worte: „Und was habe ich verschuldet, mein Petrus, daß man mich an das Kreuz genagelt hat? Laß den Mut nicht sinken. Lerne von mir die Geduld in deinem Kreuze, welches mit dem meinigen nicht zu vergleichen ist.“ Bei diesen Worten wurde Petrus schamrot, zugleich aber mit innerlichem Trost erfüllt, und verlangte nichts anderes, als Christus zuliebe noch länger zu leiden. Gott offenbarte endlich die Unschuld des Heiligen, und seine Ordensbrüder faßten gegen ihn die größte Hochschätzung. Seine Oberen schickten ihn wieder ins vorige Kloster zurück, wo ihm sein früheres Amt wieder übertragen wurde. Von dieser Zeit an setzte er sein Predigten in verschiedenen Städten und Landschaften bis an sein Ende fort. Viele tausend Sünder brachte er zur Buße und noch mehr Irrgläubige, die er in öffentlichen Disputationen von ihrem Irrtum überzeugte, zur Annahme des wahren Glaubens. Er war nämlich zum Inquisitor ernannt worden.

Der Satan konnte so viele ihm entrissene Seelen nicht verschmerzen; er suchte den Heiligen anzufechten und plagte ihn Tag und Nacht mit den stärksten Versuchungen wider den Glauben. Petrus kämpfte nach Kräften starkmütig und nahm, wie in allen anderen Angelegenheiten, seine Zuflucht zu der göttlichen Mutter Maria, mit der demütigsten Bitte, ihn von diesen Versuchungen zu befreien. Da er einst also betete, hörte er aus dem Bild der jungfräulichen Mutter die Worte, welche einst Christus zum heiligen Petrus sprach: „Ich habe für dich gebeten, Petrus! Damit dein Glaube nicht abnehme; und du stärke deine Brüder!“ In diesem Augenblick war er frei von allen Versuchungen und fing mit neuem Eifer an, für die Kirche Gottes zu arbeiten. Gott verlieh ihm zu diesem Ende die Gabe, Wunder zu wirken, künftige Dinge vorher zu sagen und das Innerste der Herzen zu erkennen.

Nachdem der heilige Petrus viele Jahre in seinem Predigtamt zugebracht hatte, offenbarte ihm Gott sein bevorstehendes Ende und zwar in solches, wie er wünschte, nämlich den Martertod für den Glauben an Jesus. In einer Predigt, die er zu Mailand hielt, sagte er öffentlich: „Ich weiß, daß die Häretiker eine große Geldsumme auf mein Leben gesetzt haben. Sie haben die Meuchelmörder schon bestellt. Sie sollen aber wissen, daß sie mich nicht glückseliger machen können, als wenn ich mein Leben für den Glauben an Christus hingeben kann. Um diese Gnade habe ich schon viele Jahre täglich in der heiligen Messe Gott gebeten. Sie werden durch meinen Tod nichts gewinnen.“ Vierzehn Tage danach reiste er von Como nach Mailand. Zwei von den Irrgläubigen bestellte Mörder lauerten ihm auf dem Weg auf. Der erste, der ihn sah, sprang wie rasend aus dem Gebüsch hervor und versetzte ihm mit gezücktem Schwert mehrere Streiche auf das Haupt. Der Heilige fiel zu Boden, fing an, das apostolische Glaubens-Bekenntnis zu beten, tauchte seinen Finger in das herausfließende Blut und schrieb auf die Erde dieses Wort: „Credo“ (Ich glaube), wendete dann seine Augen zum Himmel und verschied mit den Worten: „Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“ den 29. April 1252. Sein Mörder bekehrte sich und starb nach einem strengen Bußleben. Der heilige Leib wurde mit größter Feierlichkeit nach Mailand überbracht und in der Kirche des heiligen Eustorgius beigesetzt. Die Menge der Wunder, die bei seinem Grab geschahen, und die Heiligkeit seines Lebens bewogen den Papst Innozenz IV., ihn schon im folgenden Jahr in die Zahl der Heiligen zu setzen, nämlich 1253. Nach dem Zeugnis des römischen Breviers hat der heilige Petrus Leib und Seele mit aller Makel wider die Reinigkeit, obwohl unter tausend Gefahren unverletzt bewahrt. Von seinem Geburtsort hat der Heilige den Beinamen (Petrus) von Verona; gewöhnlich wird er Petrus der Märtyrer genannt. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 312 – S. 313

Bildquellen

  • bitschnau-heiliger-petrus-von-verona-maertyrer: Bildrechte beim Autor
  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

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