Georg Ott Von der unwürdigen Kommunion

Von der unwürdigen Kommunion

So gnadenvoll und wunderbar die Wirkungen einer würdigen Kommunion sind, so schrecklich und unheilvoll sind die Wirkungen einer unwürdigen, d. h. einer im Stande der Todsünde empfangenen Kommunion; denn wer unwürdig kommuniziert (siehe auch den Beitrag: Die unwürdige Kommunion eine Blutschuld), verkehrt alle Gnadenwirkungen, welche die hochheilige Eucharistie in der Seele des Menschen hervorbringt, in das gerade Gegenteil. Die würdige Kommunion vereinigt die Seele mit Jesus aufs Innigste, die unwürdige Kommunion dagegen trennt sie von Jesus und überliefert sie dem ewigen Tod. Wer vom Tische des Herrn weggeht, das Heiligste in seinem mit Sünden beladenen Herzen, dem ist das Brandmal der Verdammnis auf die Stirne gedrückt. –

Denn spricht der hl. Apostel Paulus: „Wer unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ißt sich das Gericht“ (1. Kor. 11,29), d. h. er nimmt das Gericht, das Urteil der Verwerfung in sich auf, wie man Speise und Trank in sich aufnimmt. Wenn Jesus in der hl. Kommunion bei einer Seele Einkehr nimmt, die wohlvorbereitet ist und in seiner Gnade steht, so zieht er sie an sich wie seine geliebte Braut, er ruft ihr gleichsam zu: „Komme, du Gesegnete meines Vaters“, aber von einer Seele, die ihn unwürdig empfängt, wendet er sich mit Ekel und Abscheu ab und ruft ihr gleichsam die schrecklichen Worte zu: „hinweg von mir, du Vermaledeite!“ Wer würdig kommuniziert, der macht sich teilhaftig aller Gnade und alles Segens des Kreuztodes Jesu, aber wer unwürdig kommuniziert, der macht sich, wie der hl. Paulus schreibt (1.Kor. 11,27) „schuldig des Leibes und Blutes des Herrn“, d.h. er kreuzigt den Herrn gleichsam auf`s Neue! Ja, noch mehr! Ein solch Unglücklicher liefert, wie Judas, den Erlöser seinem Feinde, dem Teufel aus, der in der Seele des unwürdig Kommunizierenden seine Wohnung aufgeschlagen hat! –

Die würdige Kommunion vermehrt die heiligmachende Gnade, sie macht den Menschen noch Gott wohlgefälliger, Gott ähnlicher, sie erhöht das Gnadenleben der Seele und macht sie einer höheren Glorie würdig, dagegen die unwürdige Kommunion stürzt den Menschen noch tiefer in die Ungnade Gottes, sie macht ihn gleich einem Leichnam, der bereits in Fäulnis übergeht; sie macht die Seele noch unempfänglicher, bewirkt Verblendung des Verstandes, Verstockung des Herzens und stürzt gar oft in Unbußfertigkeit und Verzweiflung, wie dies bei Judas der Fall war.

Die würdige Kommunion schwächt die bösen Neigungen und gibt Kraft und Lust zum Guten. Dagegen die unwürdige Kommunion schwächt die Kräfte der Seele, besonders die Kraft des Willens. Die bösen Leidenschaften gewinnen immer mehr die Oberhand, Satan umschlingt die Seele immer mehr mit seinem Netze und der Mensch vermag endlich die Bande nicht mehr zu zerreißen, die ihn immer tiefer in das Verderben hinabziehen. Die unwürdige Kommunion stumpft das Gefühl für das Gute ab; sie macht die Übung der Tugend und guter Werke zur Last; Ekel und Überdruß an göttlichen Dingen kehren in die Seele ein, und die Folge davon ist, daß der Mensch Sünden auf Sünden häuft und dem ewigen Verderben anheim fällt.

Die würdige Kommunion reinigt von läßlichen Sünden und bewahrt vor Todsünden. Die unwürdige Kommunion dagegen stürzt den Menschen in eine neue Todsünde; denn er macht sich der verabscheuungswürdigsten Heuchelei, des schwärzesten Undankes, des Gottesraubes und der Gottesschändung an dem göttlichen Heiland schuldig und beraubt sich des besten Mittels, sich in Zukunft vor dem schrecklichen Übel der Todsünde zu bewahren.

Die würdige Kommunion gewährt Trost und Stärke im Leiden und erfüllt oft die Seele mit süßester Wonne; dagegen die unwürdige Kommunion hat gar oft Leiden, Trübsale, Krankheiten, plötzliche Todesfälle im Gefolge, wie der hl. Apostel Paulus bezeugt, indem derselbe an die Korinther wegen der Mißbräuche, die sich viele derselben bei der heil. Kommunion zu Schulden kommen ließen, also schrieb: „Darum sind unter euch viele Schwache, Kranke und entschlafen (sterben) viele.“ (1. Kor. 11,30) Statt Trost und innere Freude aber hat der unwürdig Kommunizierende nur Gewissensbisse, Unfrieden und zuletzt Verzweiflung zu erwarten.

Die würdige Kommunion ist ein Unterpfand unserer künftigen Auferstehung und ewigen Seligkeit; allein wenn es gewiß ist, daß der Leib am Los der Seele einst teilnehmen wird, und wenn nach den Worten des Apostels die Seele des unwürdig Kommunizierenden das Urteil der Verwerfung sich zuzieht, so wird auch der Leib an dieser Verwerfung teilnehmen; er wird zwar aus dem Grabe hervorgehen, aber nur um dem ewigen Tode anheimzufallen. –

O daß doch ein so schreckliches Unglück nicht über dich, lieber Leser, kommen möchte!! Hüte dich daher, mit einer schuldbeladenen Seele dem Tisch des Herrn zu nahen und nimm ernstlich zu Herzen die Worte des hl. Apostel Paulus: „Der Mensch prüfe sich selbst, und so esse er von diesem Brote und trinke aus diesem Kelche.“ (1.Kor. 11,28) Diese Selbstprüfung besteht aber nach der Lehre der hl. Kirche (Konzil v. Trient Sitz. 13) darin, daß man vor der hl. Kommunion eine reumütige, aufrichtige Beichte ablege, und so sich von jeder schweren Sünde reinige. Da aber der Heiligste und Reinste in der heiligen Kommunion zu uns kommt, und uns die reichsten Gnaden mitteilen will, so fordert die Ehrfurcht vor Ihm, der auch die kleinste Sünde haßt, daß wir uns auch von allen läßlichen Sünden reinigen, da dieselben die Gnadenwirkungen der hl. Kommunion vermindern, und mit möglichster Andacht, mit tiefster Demut, mit heißem Verlangen, mit innigster Liebe zum heiligen Tisch hinzutreten, wie dies die lieben Heiligen taten, von denen du schöne Beispiele in diesem Buche finden wirst. Im Leben der Heiligen, von den Apostelzeiten an bis auf unsere Tage, wirst du die Lehre der hl. Kirche von der hochheiligen Eucharistie bestätigt und gleichsam verwirklicht sehen… und du wirst dich freuen und Gott danken, ein Kind jener heiligen Kirche zu sein, welche seit dem Tage ihrer Gründung an nicht um ein Haar von der uralten apostolischen Lehre abgewichen ist, gemäß welcher Jesus Christus, der Sohn Gottes, unser Erlöser, immerdar unter den Gestalten des Brotes auf unseren Altären wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig ist, sich täglich auf unseren Altären dem himmlischen Vater für uns opfert und die Speise unserer Seele für Zeit und Ewigkeit ist. –
aus: Georg Ott, Eucharisticum, Legende von den lieben Heiligen des glorwürdigsten, wunderbarlichen Sakramentes, 1869, S. 39 – S. 41

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