Fest Unserer Lieben Frau von der Glorie

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Maria sitzt als Königin mit dem Jesuskind, das steht und Hände ausgebreitet hat; sie sind umgeben von Engeln, die ihr und ihrem Kind huldigen

Maria die Glorreiche

Das Fest Unserer Lieben Frau von der Glorie

Das Fest Mariä Himmelfahrt

Dieses Fest Unsrer-Lieben-Frau von der Glorie heißt auch das Fest Unsrer-Lieben-Frau von der «Palme«; denn nach der Überlieferung derer, die bei ihrem glorreichen Hingang zugegen waren, gab ihr der Engel, der ihr von ihrem göttlichen Sohne die frohe Botschaft brachte, eine Palme in die Hand, um – als Siegerin über den Tod und die Welt – unter dem Zujauchzen und den Glückwünschen des ganzen himmlischen Hofes – mit dieser Palme triumphierend in den Himmel einzuziehen. Steig empor, o Königin, steig empor, steig empor zum Throne der Glorie, der für dich bereitet ist über allen Engelscharen; denn dort erwartet dich eine andere, unendlich glorreichere Palme. Doch was für eine Palme? Nicht jene Palme, wodurch du alle seligen Geister an Glorie übertriffst, sondern die Palme, wodurch du von deinem göttlichen Sohn an Glorie übertroffen wirst.

Groß ist die Glorie Mariä, wie die Kirche zu ihrem Lob’ und Preise singt, sich im Himmel erhöht zu sehen über alle Engelchöre; groß ist ihre Glorie, daß die Fürstentümer, die Mächte, die Cherubim und Seraphim weit unter ihr bleiben, und daß sie Alle an Würde, Ehre, Glorie unvergleichlich übertrifft; doch zu sehen, daß sie selbst bei diesem Übermaß der Glorie von ihrem Sohn unendlich übertroffen wird, – das ist’s, – wessen sie sich in diesem unermeßlichen Meer der Glorie am meisten rühmt, das ist’s, was ihr in diesem wahren Paradies der ewigen Freuden die größte Wonne bereitet.
aus: Antonio Vieira SJ, Sämtliche Marienpredigten, Erster Teil, 1858, S. 433 – S. 434

Im Himmel gibt es zwei Throne, die höher sind als alle, den Thron Gottes und den seiner Mutter: der Thron Gottes ist unendlich höher, als der seiner Mutter, und der Thron seiner Mutter fast unendlich höher als der aller Geschöpfe. Doch die größte Glorie Mariä besteht nicht darin, daß ihr Thron jenen aller Seligen überragt, sondern darin, daß sie einen Sohn hat, dessen Thron über dem ihrigen unendlich emporragt. Und dieses ist der Glückwunsch, den ihr heute alle seligen Geister im Himmel darbringen und ihr denselben in alle Ewigkeit darbringen werden, ohne daß unter allen Scharen der Menschen und Engel sich Jemand findet, der etwas Anderes spräche oder sprechen könnte, als: Sein Thron ist herrlicher, als der deinige.

Maria überragt im Himmel alle Jungfrauen durch die Glorie, die der Lauterkeit gebührt; überragt alle Bekenner durch die Glorie, die der Demut gebührt; überragt alle Märtyrer durch die Glorie, die der Geduld gebührt; überragt alle Apostel, Patriarchen, Propheten durch die Glorie, die dem Glauben gebührt, und dem Eifer, Gott zu dienen und ihn zu verherrlichen. Die Bekenner wie die Jungfrauen, die Märtyrer, wie die Apostel, die Patriarchen, wie die Propheten lassen all diese Vorzüge, wodurch sie sich übertroffen sehen, bei Seite, und das ewige Lob, womit sie die glorreichste Mutter erheben, besteht darin, daß ihr Thron niedriger sei, als der ihres Sohnes. Maria übertrifft alle Engel und Erzengel, alle Cherubim und Seraphim – an Tugend, an Macht, an Erkenntnis, an Liebe, an Gnade, an Glorie. Allein alle diese Engelscharen übergehen die andern übernatürlichen Gaben mit Stillschweigen, die jeder einzelnen Schar zukommen, und worin sie den hohen Vorzug, wodurch Maria, als Königin von Allen, dieselben unvergleichlich übertrifft, erkennen und verehren; Alle, als so einsichtsvoll und so beredt und klug, – Alle sprechen bloß dieses, wissen bloß dieses zu sprechen, bewundern und preisen dieses vor Allem: Sein Thron steht über dem deinigen.

So vereinigen und erheben sich denn Menschen und Engel in demselben Gedanken, und singen, loben, preisen und feiern vor dem Throne Mariä dieses, daß sie die Mutter eines Sohnes ist, der, während sie Alle in so hohem Grade an Glorie übertrifft, sie unendlich, unendlich überragt, – und rufen ihr dieses im einstimmigen Jubel zu.

Ja, das ist’s, was sie, geteilt in zwei Chöre von unzähligen Stimmen, und vereint in einer einzigen Stimme, preisen und loben und feiern. Und sie verschweigen alles Übrige und stimmen rücksichtlich dieser Wahl mit dem Teil der Glorie ein, den Maria als den besten gewählt und erkoren: Optimam partem elegit. –
aus: Antonio Vieira SJ, Sämtliche Marienpredigten, Erster Teil, 1858, S. 441- S. 446

Bildquellen

  • goffine-salve-regina: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Engel Mit Namen Maria: Bildrechte beim Autor

Weitere Beiträge zum Thema „Marienfeste“

Hattler SJ Der Muttergruß Ave Maria
Mariens leibliche Aufnahme in den Himmel
Menü