Enthauptung des hl Johannes des Täufers

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

29. August

Die Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers

Nachdem der heilige Johannes, der Täufer und Vorläufer Jesu Christi, dessen wunderbare Geburt wir am 24. Juni erzählt haben (siehe den Beitrag: Der heilige Johannes der Täufer), auf göttliche Ermahnung hin die Wüste verlassen hatte, begab er sich an den Fluss Jordan und predigte die Buße, um das Volk Israel zur Erkenntnis des auf die Erde gekommenen Messias vorzubereiten. Die eingeschlichenen Missbräuche und die zur Gewohnheit gewordenen Laster der Juden bestrafte er ohne Scheu und ohne Unterschied der Personen. Damals regierte im Judenland der König Herodes, mit dem Zunamen Antipas, der Sohn jenes Herodes, welcher die unschuldigen Kinder ermorden ließ (siehe den Beitrag: Das Fest der unschuldigen Kinder), und ein Bruder jenes Herodes, welcher Christus mit einem weißen Kleid angetan und verspottet hat. Dieser Herodes hatte seinem noch lebenden Bruder Philippus seine Gattin, Herodias mit Namen, gewalttätig entführt und mit derselben wie mit seiner eigenen Gattin gelebt. Das ganze Land ärgerte sich daran.

Nach dem Zeugnis des Evangeliums hörte Herodes die Predigten dieses Heiligen gerne an und befolgte manche seiner Lehren. In der Hoffnung, also, daß er um so eher Gehör finden werde, sprach daher Johannes auch zu Herodes: „Es ist dir nicht erlaubt, das Eheweib deines Bruders zu haben.“ Was er noch ferner sagte, meldet das Evangelium nicht; doch war eine so kurze und freimütige Zurechtweisung genug, den unlauteren König in Zorn zu versetzen, und einen solchen Haß wider den Bußprediger zu erwecken, daß er den Entschluss faßte, selbst aus dem Weg zu räumen. Weil er aber einen allgemeinen Aufruhr unter dem Volk, welches den Johannes sehr hoch schätzte, zu befürchten hatte, so getraute er sich nicht, sogleich an ihn Hand anzulegen.

Die gottlose Herodias, welche sich durch die oben erwähnte Zurechtweisung des heiligen Johannes für tödlich beleidigt hielt, reizte den König noch mehr wider den heiligen Johannes auf und ruhte nicht, bis er den Befehl erteilte, den Heiligen gefangen zu setzen und in einen Kerker einzuschließen. Die Jünger des heiligen Johannes kamen dennoch zu ihrem heiligen Lehrmeister in das Gefängnis und hörten dessen heilige Unterweisungen an; denn das Evangelium sagt, daß Johannes einige seiner Jünger zu Christus schickte, die ihn fragten: „Bist du derjenige, der da kommen soll, oder haben wir einen anderen zu erwarten?“

Nach der einstimmigen Meinung der heiligen Väter tat dies der heilige Johannes nicht deshalb, als ob er selbst zweifelte, daß Christus der wahre Messias sei, sondern damit seine Jünger durch Anhörung der Predigten Jesu Christi und das Ansehen seiner Wunder desto sicherer glaubten, was er ihnen schon öfters von Christus gesagt hatte. Man glaubt, die Gefangennehmung des heiligen Johannes wäre im Monat Dezember geschehen und hätte bis zum Monat August des folgenden Jahres gedauert.

Herodes beging in diesem Monat seinen Geburtstag auf das feierlichste. Unter anderm wurde ein herrliches Gastmahl angestellt, bei welchem alle galiläischen Fürsten zugegen waren. Am Ende desselben trat Salome, die Tochter der gottlosen Herodias, in den Speisesaal, die Gäste mit einem Tanz zu erfreuen. Der König bezeigte an diesem Tanz eine so ungewöhnlich große Freude, daß er ihr zurief, sie sollte begehren, was sie nur wollte, er wäre bereit ihr nichts zu versagen, wenn sie auch das halbe Königreich begehren würde. Diese unbedachtsame Rede bekräftigte er sogar mit einem Eidschwur. Die freche Tänzerin wußte nicht, was sie begehren sollte; sie ging deshalb zu ihrer Mutter und befragte sie. Die Mutter hatte schon längst den Tod des heiligen Johannes gewünscht, um von diesem ungestört ihren schändlichen Umgang mit Herodes fortsetzen zu können. Deshalb sprach sie zu der Tochter ohne Bedenken: „Gehe hin und begehre das Haupt des Täufers Johannes.“ Die freche Tochter kam in den Saal zurück und sprach dreist zum König: „Ich will, daß du mir sogleich das Haupt des Johannes in einer Schüssel gebest.“ Der König erschrak über dieses unerwartete Begehren; dennoch, weil er die unverschämte Tänzerin nicht beleidigen und seinen unbesonnenen und ungerechten, daher ungültigen Eidschwur nur aus falscher Scheu vor den Gästen nicht brechen wollte, schickte er einen von seiner Leibwache in den Kerker, der den heiligen Johannes enthaupten und das Haupt desselben in einer Schüssel bringen sollte. Der grausame und höchst ungerechte Befehl wurde vollzogen, Johannes enthauptet, und sein heiliges Haupt in einer Schüssel der gottlosen Tänzerin überreicht, welche dasselbe ihrer noch gottloseren Mutter einhändigte.

Der heilige Hieronymus berichtet, daß Herodias, um ihre Bosheit an der Zunge des heiligen Vorläufers zu kühlen, dieselbe mit einer Haarnadel vielmals durchstochen hätte; weil nämlich der Heilige mit derselben den König wegen seiner Schandtat freimütig bestraft hatte. Die Jünger des heiligen Johannes bestatteten den Leib ihres geliebten Meisters zu Sebaste zwischen den zwei Propheten Elisäus und Abdias mit großer Ehrenbezeigung zur Erde. Das heilige Haupt aber ließ die unlautere Herodias in ihrem Palast verscharren, wo es so lange verborgen lag, bis es nach vielen Jahren durch eine Erscheinung des heiligen Johannes selbst geoffenbart und zur öffentlichen Verehrung erhoben wurde. Heutzutage wird es zu Rom in der Kirche des heiligen Sylvester aufbewahrt. (Andere sagen zu Amiens in Frankreich.)

Der gerechte Gott ließ die Grausamkeit und Ungerechtigkeit des Herodes nicht ungestraft. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius erzählt, daß Herodes um alle seine Ehre und Ansehen, um seine Krone und Zepter gekommen sei; denn er wurde von dem König von Arabien, dessen Tochter er aus der Ehe verstoßen hatte, mit Krieg überzogen, überwunden und aus dem Land verjagt und hierauf von dem Kaiser in die Verbannung nach Lyon in Frankreich verwiesen. Von da entwich er mit der ruchlosen Herodias nach Spanien, wo er mit ihr eines recht schmerzlichen und elenden Todes starb. (siehe den Beitrag: Der ungleiche Tod) Auch die ausgelassene und boshafte Tänzerin bekam den gebührenden Lohn; denn als sie über einen zugefrorenen Fluss ging, brach das Eis unter ihren Füßen; sie fiel ins Wasser, und Gott fügte es, daß die Eisschollen wieder zusammen schlugen und ihr den Kopf gänzlich zerschmetterten. Ein solches Ende nahm die freche und unverschämte Tänzerin Salome. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 684 – S. 687

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