Fest der unschuldigen Kinder: der ungleiche Tod

Das Fest der unschuldigen Kinder

Der ungleiche Tod

„Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben“, sagt der hl. Paulus (Hebr. 9). Der Tag und die Stunde, die Art und die Umstände dieses nur einmaligen Sterbens wird angeordnet und festgesetzt von der Weisheit Gottes, und der Mensch tut gut, wenn er dieser göttlichen Anordnung sich fügt und sein einmaliges Sterben nicht in die eigene Hand nimmt, wenn er mit gegürteten Lenden und mit brennender Lampe sich bereit hält auf die Ankunft des Herrn. Die heutige Festfeier ladet dich ein, im Hinblick auf den nahenden Jahresschluss nachzudenken über den ungleichen Tod der unschuldigen Kindlein und ihres Mörders Herodes:

Die unschuldigen Kindlein starben eines gewaltsamen Todes; ihr Schmerz war bitter, aber sehr kurz; sie verloren leicht ihr Leben, dessen Bedeutung sie noch nicht kannten; sie verloren leicht die Welt, ihre Freuden und Güter, für welche sich noch kein Interesse hatten; sie gingen ein in die Ewigkeit, wo ihnen die Güte Jesu, für den sie den Todesschmerz litten, eine unbeschreibliche Seligkeit bereitet hatte. Ähnlich ist der Tod des Gerechten, weil er ein Kind Gottes ist, und weil er – den Kleinen gleich – eingehen wird in das Himmelreich. Der Gerechte verliert leicht das zeitliche Leben, weil er mit dem heiligen Jakobus glaubt, daß dasselbe nur ein Dunst ist, welcher gar kurze Zeit sichtbar bleibt und dann spurlos verschwindet (Jak. 4), und mit dem heiligen Job seufzt: „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit und ist mit vielen Leiden belastet.“ (Job 14); er verliert leicht die irdischen Güter; weil er auch ohne die Erfahrungen des Salomo weiß, daß Alles eitel ist, außer Gott lieben und Ihm allein dienen; weil er seine Wünsche bestimmt nach der evangelischen Lehre: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen ist das Himmelreich“ (Matth. 5); weil ja seine zuversichtliche Hoffnung und sein sehnsüchtiges Verlangen beständig gerichtet ist auf die ewigen Freuden, die ihm Jesus verheißen und durch den Reichtum seiner Verdienste verbürgt hat. O, bleibe ein Kind Gottes, und dein Todesschmerz wird sich in ewige Freude auflösen!

Der König Herodes starb unter den namenlosen Qualen der Verzweiflung; sein Schmerz war unbeschreiblich mit der furchtbaren Aussicht in die trostlose Ewigkeit; er schauderte vor dem Verlust dieses zeitlichen Lebens, das er allein geliebt, und das ihn bis jetzt noch zurück gehalten hatte von dem Sturz in den Abgrund, wo das Laster die verdiente Strafe leiden, ewig leiden muss; er schauderte vor dem Verlust der irdischen Güter, der königlichen Macht und Würde, die ihm bislang die grausamen Bisse des Gewissens gemildert hatte und nun in der Ewigkeit seine Strafe und Schande vermehren werden; er schauderte vor der Stunde des Gerichtes, weil er, wie der hl. Augustin sagt, voll Angst über sich den zürnenden Richter sah, der ihn verdammen musste, auf der rechten Seite die begangenen Sünden und die Rachegeister der Gemordeten, die ihn anklagten, auf der linken Seite die Schar der bösen Geister, welche ihn hinab rissen zur Vollziehung der Strafe, und unter sich den schauerlichen Abgrund, aus dem es keine Erlösung mehr gibt. Ähnlich ist der Tod eines jeden Sünders, weil er ein Feind Gottes ist und daher auch in der Ewigkeit seinen Platz bei den Feinden Gottes haben wird. Der Sünder stirbt wie Herodes; er mag sein Hinscheiden betrachten von Seite der Welt, die er verlassen muss, oder von Seite der Religion, die ihn verlassen muss, von beiden Seiten hört er den Zuruf der heiligen Schrift: „Zu deinem Untergang will ich lachen, und deiner will ich spotten“ (Sprichw. 1); aber von keiner Seite ein tröstendes Wort, viel weniger eine rettende Hand. Aus dieser Gefahr kann nur rechtzeitige Buße retten. –
aus: Otto Bitschnau O.S.B., Das Leben der Heiligen Gottes, 1880, S. 971

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