Ein Wunder zu Ostrog an Mariä Lichtmess

Ein großes Wunder, so am heiligen Lichtmesstag des Jahres 1627 zu Ostrog an einer Besessenen geschah

Zu Ostrog, einer Stadt in Polen (*), ward eine ketzerische Person vom Teufel besessen. Sie stammte von edlen Eltern, war aber der Lehre des Ketzers Calvin zugetan. Zwei Wochen lag sie in dem Haus der Ihrigen; groß war die Verwirrung unter den Ketzern und man beriet sich hin und her, ob sie wahrhaft besessen sei oder nicht. Allein die Zeichen der Besessenheit waren zu offenbar, als daß sie geleugnet werden konnten. Denn obschon die Person kaum lesen konnte, sprach sie doch verschiedene Sprachen und verstand sie. Wenn man lateinisch, deutsch oder ruthenisch mit ihr sprach, antwortete sie in derselben Sprache. Vielen, die sie besuchten, sagte sie heimliche Dinge. Die Ketzer hielten also Rat, was hierin zu tun sei. Nach vielem Hin- und Herreden sandten sie in das Kollegium der Väter Jesuiten zum Rektor, und baten ihn, daß er ihnen helfen möchte.

Der Rektor begab sich in das Haus der Besessenen zu ihren Eltern und fragte, was sie wollten. Darauf entgegnete einer der nächsten Anverwandten der Besessenen, welche der Ketzerei so zugetan war, daß er sagte, er wolle lieber ein Hund oder ein Schwein als ein Papist (Katholik) werden: „Ich bitte Ew. Hochwürden, einer sehr geplagten Person zu Hilfe zu kommen!“ Der Rektor ging nun mit mehreren Vätern zu den Eltern der Besessenen und ermahnte sie, der Ketzerei zu entsagen, denn alsdann könne sie Hilfe hoffen. Hierauf fragte er die Ketzer, ob sie glauben, daß die Person besessen sei und dies auch öffentlich bekennen wollen. Sie antworteten: „Ja.“ Hierauf fragten die Väter Jesuiten weiter: „Warum ruft ihr uns zu Hilfe, da ihr doch die katholischen Gebräuche verachtet und die Beschwörungen für abergläubisch und für nichts haltet?“ Sie antworteten: „Wenn ihr die Kranke heilt, dann wollen wir eine andere Meinung von eurem Glauben hegen!“ Nun sprachen die Väter: „Ruft zuerst eure Wortsdiener (Prediger) herbei, daß sie in Kraft des Evangeliums und des reinen Wortes Gottes den Teufel austreiben oder ruft die schismatischen Popen herbei, wenn eure Prediger nichts vermögen, und wenn auch diese den Teufel nicht austreiben, dann ruft unsere katholischen Priester!“ Die Ketzer erwiderten: „Unsere Prediger sind abwesend und haben keine Erfahrung in diesen Dingen.“

Nach dieser Unterredung baten die Ketzer die Väter, sie möchten doch die Besessene, welche i einem andern Zimmer lag, besuchen und nachforschen, ob sie wahrhaft besessen sei. Die Väter willigten ein, sagten aber, daß sie die Untersuchung nach Weise der Katholiken durch Weihwasser, Reliquien und Bilder der Heiligen vornehmen würden, dagegen sollten die Ketzer ihr Evangelium oder ein anderes ihrer Religionsbücher gebrauchen, sie aber würden ihre Bücher zur Probe nehmen, um zu sehen, welche Bücher der böse Geist mehr verabscheue.

Es trat also der Rektor mit einem der Väter und denKetzern in das Zimmer der Kranken. Sogleich fing der Dämon bei dem Anblick der beiden Väter an, Zeichen des Abscheus zu geben. Nachdem der Rektor das Kreuzzeichen gemacht, auch die Kranke mit Weihwasser besprengt hatte, wandte man auch heimlich, ohne daß die Kranke es wußte, die Reliquie des heiligen Ignatius an. Sogleich begann der Dämon zu zittern und zu heulen und rief: „Das Bein des kahlen Ignatius martert und quält mich!“ Dies hörten die Ketzer. Auf die Mahnung, auch ihr Buch über die Brust der Besessenen zu legen, lachte der Dämon und küßte das Buch. Wieder reichte man der Besessenen das ketzerische Buch, legte aber in dasselbe heimlich das Bild des heiligen Ignatius. Sogleich fing der Teufel zu zittern und zu heulen an. Beschworen und befragt: „Was fürchtest du?“ gab er zur Antwort: „Ich fürchte das Bild des heiligen Ignatius im Buch.“ Das sahen die Ketzer; einige staunten und schwiegen, andere aber lästerten und sagten: „Ihr Papisten steht im Bund mit dem Teufel.“

Darauf erwiderte einer der Väter, unwillig über diese Lästerung: „Gut, wenn euch diese Zeichen nicht bewegen: Ist unser Glaube nicht der wahre, so bitte ich Gott, er möge dem Teufel gestatten, in mich zu fahren; ist aber euer Glaube schlecht, so möge der Teufel jetzt von euch Besitz nehmen. Ist es euch recht?“ Die Ketzer schwiegen erschrocken. –

Indessen wollte der Rektor gehen, die Eltern aber baten ihn, er möge doch ihrer besessenen Tochter helfen. Da machte ihnen der Pater Hoffnung, und hieß sie guten Mutes sein, wenn nur ihr Unglaube den guten Erfolg nicht hindere. Nachdem ein dreitägiges Fasten angekündigt war, viele Gebete in dieser Absicht geschahen, Büßungen, Almosen, heilige Messopfer stattfanden, um einen guten Erfolg zu sichern, wurde die Sache auch dem katholischen Volk von der Kanzel aus warm empfohlen, auf daß es durch Gebet und Fasten mitwirke. Unterdessen besuchten die Väter öfters die Besessene. Wunderbar! So oft der Dämon die Väter kommen sah, zitterte er vor ihrem Anblick, aber beschworen von den Vätern ward die Besessene ruhig. So oft aber die Ketzer eintraten, lachte der Dämon und tat, als wären sie seine Freunde. Allerlei Dinge sagte der Dämon, teils aus sich selbst, teils beschworen, denen, welche in das Zimmer traten. Die Jesuiten von Ostrog nannte er seine Feinde, die er grimmig hasse. Er sagte, er werde ihnen den Neid Vieler erregen, damit ihre arbeiten keine Frucht hätten. Er habe ihr Kollegium in Brand stecken wollen, allein man habe ihn gehindert, da schon die Flamme das Haus ergriff. Auch habe er in ihre Zellen dringen wollen, allein ihn habe die allerseligste Jungfrau und der heilige Ignatius zurück gehalten. Als in der Kirche zur Zeit der heiligen Messe für die Besessene die heilige Wandlung geschah, heulte Der Dämon im selben Augenblick und schrie: „Seht, der Allerhöchste wird erhoben!“

Der heilige Lichtmess-Tag ward zur Austreibung des Teufels bestimmt. Die Ketzer wollten, daß es in der Stille im Haus der Kranken geschehe; allein der Rektor stimmte nicht bei, sondern bestand darauf, daß es öffentlich in der Kirche beim Altar, während der heiligen Messe und im Angesicht des Volkes, geschehe. Es wurde also an diesem Tage die Besessene in die Kirche gebracht. Sie wohnte der heiligen Messe und Predigt bei, denn der Teufel ward beschworen, daß er sie während dieser zeit in Ruhe lasse. Als das Gloria gesungen wurde, brüllte der Teufel schrecklich wie ein Löwe zum Schrecken des Volkes, daß die ganze Kirche hallte. Nach der heiligen Messe ward die Besessene vor den Altar der allerseligsten Jungfrau und des heiligen Ignatius geführt. Nachdem der P. Rektor eine kurze Ermahnung an das Volk gehalten, dasselbe zur Reue über seine Sünden, zum Gebet und zur Erweckung eines lebendigen Glaubens ermahnt hatte, hörte man das Volk seufzen und weinen; fast kein Auge blieb trocken.

Es begannen nun von einem Pater die Beschwörungen, der hierzu von seinen Obern unter dem gehorsam verordnet war. Die Besessene wurde gebunden und von Priestern und Laien gehalten.

Als man den Satan drängte, zu sagen, wen er nach Gott am meisten im Himmel fürchte, gab er polnisch zur Antwort: „Die Reccha, das heißt die allerseligste Jungfrau, und nach ihr den heiligen Ignatius, und nach diesem eure zwei Franc. Gezwungen von dem Priester, die Worte ganz auszusprechen, verbesserte er den Fehler und sagte: „Eure zwei Franziskus, Xaver und Borgias.“ Zuletzt beschworen, durch wessen Hilfe er aus der Besessenen vertrieben werde, gab er mit erhöhter Stimme zur Antwort: „Durch Maria und Ignatius!“

Der durch fast zwei Stunden abgemühte Exorzist wandte sich endlich an das Volk und sprach, daß, wer immer unter den gegenwärtigen mit einer Todsünde behaftet sei, eine innige Reue mit dem Vorsatz zu beichten, erwecken möge, damit nicht durch verborgene Sünden das Austreiben des Teufels verhindert werde. Da fing das Volk wiederum zu weinen und zu beten an. Endlich, da Alle im eifrigen Gebet verharrten, auch der Exorzist beharrlich seine Beschwörungen fortsetzte, wurde die Besessene, nachdem sie der Dämon aus den Händen derer, welche sie festhielten, gerissen und auf die Erde geworfen, durch die Verdienste der allerseligsten Jungfrau und des heiligen Ignatius befreit. Das Mägdlein blieb auf dem Boden halbtot liegen. Durch die Priester aber aufgerichtet und während das Volk weinte, vor das allerheiligste Altarssakrament geführt, legte sie vor dem Bild der allerheiligsten Jungfrau und des hl. Ignatius das katholische Glaubens-Bekenntnis ab und darnach sang sie zum Schluss den Gesang des heiligen Greises Simeon: „Nun entlassest du deinen Diener im Frieden, denn meine Augen haben das Heil gesehen etc.“ mit lauter Stimme. Groß war die Freude, der Jubel und der Dank des Volkes, vermischt mit Tränen der Reue. Man hörte laut rufen: „Groß ist der Herr und überaus preiswürdig. Groß ist seine heilige Mutter und groß der heilige Ignatius, wahrhaft und einzig ist der katholische Glaube!“ Die Danksagung und Lobpreisung schloss das Te Deum laudamus unter dem Geläut der Glocken. Auf dieses Wunder folgte die Bekehrung vieler Schismatiker und vieler lauer Katholiken. (Der Jesuit Balinghem, ein Zeitgenosse.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 364 – Sp. 367

(*) gehört heute wohl zur Ukraine

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