Diese Nacht fordern sie deine Seele

Diese Nacht fordern sie deine Seele wieder von dir

 16. März

Stulte, hac nocte animam tuam repetunt a te; quae autem parasti, cujus erunt?
„Tor, diese Nacht fordern sie deine Seele wieder von dir; was du aber aufgehäuft hast, wessen wird es sein?“
Luk. 12, 20

1. Erwäge, wer wohl das Los jenes bekannten Prassers nicht für beneidenswert gehalten hätte, der eine so ergiebige Ernte eingebracht hatte, daß er nicht wußte, wo er alles unterbringen sollte.Er besaß schon Einkünfte für sehr viele Jahre. (Luk. 2, 19) Er hatte nach Wunsch alle Mittel zum Müßiggang, zu Schmaus und Trinkgelagen, zu einem bequemen Leben. Wer sollte ihn nicht glücklich nennen? Was für ein schönes Los, welch großes Glück!
Und doch war er zur nämlichen Zeit höchst unglücklich, da ihm der Verlust aller dieser Dinge schon ganz nahe war. Warum aber? Weil er nicht erkannte, daß alle diese Güter von Gott kommen, ihm nicht dafür dankte als deren Spender, nicht betete, daß er sie bewahren möge, den armen keinen Anteil bestimmte, sondern Alles nur zu Nutzen und Frommen des Leibes, nichts zum Besten der Seele zu verwenden gedachte. Und wie Viele gibt es nicht in der Welt, die diesem Prasser auf das Haar gleichen! Beneide sie nicht.

2. Betrachte die schrecklichen Vorwürfe, die Gott ihm machte. Erst nennt er ihn einen Toren, weil er nur an Geringfügiges dachte, nämlich ans gegenwärtige Leben, und nicht auf das Wichtigste, auf das zukünftige Los. Und dann sagte er ihm, daß noch in derselben Nacht, in der er sich so viel versprach, die Engel als die göttlichen Abgeordneten bereit seien, seine Seele vom Leib abzuholen. „Diese Nacht“ (ein Zeichen deiner Blindheit und Finsternis) „fordern sie deine Seele wieder von dir.“ Wiederfordern, sagt er, nicht einfach fordern, entweder um dadurch anzuzeigen, daß sie schon früher durch verschiedene vergebliche Aufforderungen zur Vorbereitung auf den Tod dieselbe gefordert, oder weil sie dieselbe ihm mit Gewalt raubten oder mit Gewalt entrissen, oder endlich, weil sie dieselbe ihm wieder nahmen, um sie dem göttlichen Richterstuhl vorzustellen.

3. Betrachte die Beschaffenheit der Strafe, die ihm der Herr nach dem Tode drohte; nämlich die Verteilung seiner seiner Güter an Jene, die am wenigsten daran dachten: „Was du aufgehäuft hast, wessen wird es sein?“
Man möchte glauben, zu seinem Schrecken sollte ihm die Pein der Hölle angekündigt werden. Aber der Herr behandelt ihn, wie er war, als Toren. Er gibt ihm das zu erwägen, was ihn am meisten erschrecken konnte. Denn die Weltkinder betrüben sich nicht gar sehr, wenn sie hören, daß sie in die Hölle kämen, und dabei den verdammten und Teufeln wohnen müßten. Du kannst sie sogar manchmal sagen hören: Das mag Gott machen, wie er will. Dann aber klagen sie, wenn sie hören, daß ihre Reichtümer elend zu Grunde gehen würden. „Was du aufgehäuft hast, wessen wird es sein?“ O unbegreifliche Torheit der Menschen; sie schätzen ihre Güter höher, als sich selbst!

4. Betrachte, ob nicht auch du gewissermaßen einen so erniedrigenden Vorwurf verdienst. Denkst du auch auf das, was allein wichtig ist? Wohin zielen deine Pläne, wofür vergießest du deinen Schweiß? Gebe Gott, daß du nicht auch für deine Armut arbeitest. Was nicht deinem Seelenheil nützt, das nützt überhaupt nichts. Wem werden deine schönen Arbeiten zu Teil werden, wer wird deine Häuser, wer deine Felder besitzen; sage an, wessen werden sie sein? Dessen vielleicht, der dann über dich lacht, wenn du deine Torheit verwünschen wirst. Die einzige Sache von Wichtigkeit ist – an seine Seele denken. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 209 – S. 211

siehe auch den Beitrag: Die reichen Prasser und Magdalenen der Welt

Category: Betrachtungen, Segneri
Tags:

Verwandte Beiträge

Katholische Dogmatik Die kirchlichen Lehren
Der heilige Abraham Einsiedler
Menü