Die Verfolgung der Katholiken in Mexiko

Die Verfolgung der Katholiken in Mexiko durch die Freimaurerei

Von 1821 an ist die innere Geschichte Mexikos, das 1823 Republik wurde, ein Gewirr an Kämpfen zwischen der konservativ-kirchlichen, der liberalen freimaurerischen und der Militärpartei, von Präsidentenwechseln, Aufständen, Revolutionen, Bürgerkriegen und Kirchenverfolgungen. Bis zur Erschießung Kaiser Maximilians I. 1867 erlitt Mexiko 36 Verfassungen und 72 Staatsoberhäupter. Revolutionen, Kriege, Verarmung und der kirchenfeindliche Geist der aus den Vereinigten Staaten eingeführten Freimaurerei hatten verheerende entsittlichende Wirkung. Der Kampf gegen die Spanier richtete sich, besonders seit der Enzyklika Leos XII. von 1824 gegen die Unabhängigkeits-Bewegung Spanisch-Amerikas und seit dem unglücklichen Aufstand 1827 des spanischen Franziskaners J. Arenas immer mehr gegen die als landfremd empfundenen spanischen Geistlichen, die größtenteils auswanderten und nach 1827 gewaltsam vertrieben wurden, und gegen die Kirche, deren ausschließlich spanisches Episkopat und höherer Klerus zur spanischen Krone hielten. Der zusammen geschmolzene (1827 von 10000 noch 4000 Priester), führerlose und gesunkene Klerus wurde an Einfluss immer schwächer gegenüber Revolutionsgeist, Freidenkertum und Kirchenfeindschaft. Die Indianer, durch Fortfall des Kommendenwesens frei geworden, aber ungebildet und besitzlos, wie die Mestizen wurden von den revolutionären Demokraten mit der Verheißung der reichen Güter der Kreolen und der Kirche gewonnen. Schon 1767 waren die Jesuiten ausgewiesen, 1822 das kirchliche Eigentum der Indianermissionen verstaatlicht, 1833 der Klerus von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen und der kirchliche Zehnt beseitigt worden. Die eigentliche Verfolgung begann aber erst der Indianer-Präsident Ignacio Comonfort (1857 bis 61): Aufhebung der päpstlichen Jurisdiktion, Beschlagnahme des Kirchengutes, Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte des Klerus, Plünderung von Klöstern und Kirchen und Verschleuderung ihres Grundbesitzes. Die Verfassung von 1857, welche die Kirche vernichten sollte, verursachte einen Bürgerkrieg. Die „Reformgesetze“ des Indianer-Präsidenten Benito Juarez, schon 1859 erlassen, verfügten Beseitigung des Charakters der katholischen Religion als Staatsreligion, Trennung von von Kirche und Staat, weitere Rechtsbeschränkungen der Kirche und des Klerus, Enteignung von Kirchen- und Klostergut, Einführung der Zivilehe und Verweltlichung der Friedhöfe. Unter Lerdo de Tejeda brachte das Ausnahmegesetz vom 14.12.1874 Abschaffung des Eides, erneute Trennung von Kirche und Staat, Aufhebung der kirchlichen Feiertage, Vertreibung wiedergekehrter Ordensleute, religionslose Staats- und Gemeindeschule, Verbot der geistlichen Kleidung und religiöser Feiern außerhalb der Kirche, Profanation und Abbruch von Kirchen und Klöstern.

Die Diktatur des Präsidenten Porfirio Días

Die Diktatur des Präsidenten Porfirio Días 1877 bis 81 und 1884 bis 1911 führte das Land zu Ruhe, Entfaltung und Wohlstand zurück. Auch die Kirche erholte und festigte sich etwas. Der Klerus reorganisierte sich, die älteren Orden kehrten wieder, neuere Kongregationen kamen, die kirchliche Hierarchie entwickelte sich fort. Aber der Ausschluss der Katholiken vom politischen Leben, die kirchenfeindliche Staatsführung und Staatsschule, vor allem die Agrarfrage (besitzlose Indianermasse neben riesigem Grundbesitz des Großkapitals, des Staates und konzessionierter ausländischer Gesellschaften) und die sozialistische Verhetzung und Organisierung der Arbeiter, deren Führung die Katholiken den Kirchenfeinden überließen, führten zu neuen Kämpfen. Unter Francisco Madera (1911 bis1913) gründeten die Katholiken die Kath. Nationalpartei (1913: 500000 Mitglieder), den Kath. Nationalverband der Arbeit, den Orden der Kolumbusritter, die Kath. Vereinigung der kath. Familienväter.

Freimaurerische Revolution durch die Banden von Carranza und Zapata

Carranza (mit General Obregón und carranzistischen Gouverneuren, besonders Alvarado in Yucatan), der Bandenführer Villa und der ehemalige Verkäufer Zapata (siehe auch Freimaurer-Gräuel „Die Katholikenverfolgung in Mexiko“) führten beim Kampf gegen die Föderalisten unter dem Katholiken Huerta und gegeneinander um die Vorherrschaft einen Ausrottungskrieg gegen Besitzer und Kirche (sakrilegische Verbrechen, Erpressungen, Misshandlungen, Morde) und brachten das Land dem Untergang nahe. Carranza, 1915 durch Wilson Gunst Präsident, „legalisierte“ den Vernichtungskampf gegen die Kirche durch die von 30000 Revolutionären und Freimaurern (3% der Wahlberechtigten) dem Land aufgezwungene „reformierte“ Verfassung von Querétaro vom 5.2.1917. Sie verlangt konfessionslosen Laienunterricht in allen Schulen (Art. 3), untersagt Studien in geistlichen Anstalten (130), verbietet Zölibat, Ordensstand und -gelübde (5), gottesdienstliche Handlungen, geistliche Tracht und Abzeichen außerhalb der Kirchen (24), unterstellt den Kultus den staatlichen Behörden (24 u. 130), macht Kirche und religiöse Institute eigentumsunfähig (27), erklärt Kirche, kirchliche und caritative Anstalten, selbst zukünftige, als Staatseigentum (27 und 130), läßt nur in den Staatsschulen herangebildete Mexikaner als Priester zu (30), schließt sie von den staatsbürgerlichen (3, 27, 59 und 130) und politischen Rechten (55, 59, 82 und 130) aus, befugt die Bundesstaaten zur Beschränkung der Zahl der Priester (130), untersagt der konfessionellen Presse und den Geistlichen Bericht und Kritik über öffentliche und staatliche Angelegenheiten (7), verbietet politisch-religiöse Parteien (9) und verwirft das kirchliche Eherecht (130). 1914 waren fast alle Bischöfe von ihren Diözesen vertrieben, gefangen oder geflüchtet, 1917 Hunderte von Priestern und Tausende von Nonnen verjagt und ca. 2000 katholische Schulen unterdrückt. Unter innen- und außenpolitischen Druck setzte Carranza die kirchenfeindlichen Gesetze als „unzeitgemäßen Fanatismus“ 5.2.1919 außer Kraft.

Der Kampf gegen die Kirche verschärft sich weiter

Aber schon 1923 lebte der Kulturkampf unter Präsident Obregón wieder auf. In grausamer, zum Bürgerkrieg treibenden Form führte ihn Präsident Calles (1924 bis 28) unter dem Einfluss der kommunistischen Arbeiterpartei; gleichzeitig förderte die Regierung die schismatische „Mexikanische orthodoxe Katholische und Apostolische Kirche“ und die protestantischen Sekten. Seit 1925 entfernte Calles die Katholiken aus dem Staatsdienst und unterdrückte die Reste der katholischen Presse. Anfang 1926 führte er die anti-religiösen Gesetze durch. Die Seelsorge-Geistlichen wurden auf ein unmögliches Maß beschränkt, 1926 alle katholischen Privatschulen geschlossen, die ausländischen Priester und Ordensleute unter skandalöser Behandlung deportiert und alle Kirchengüter „nationalisiert“. Die 5 katholischen Verbände schlossen sich zur Liga der religiösen Verteidigung zusammen. 2.2.1926 richtete Pius XI. einen Brief an die Bischöfe Mexikos; 21.4.1926 veröffentlichten 31 mexikanische Bischöfe ein Hirtenschreiben gegen die Verfolgung und zur Reform der Verfassung. Daraufhin erließ Calles 1.6.1926 33 verschärfende Bestimmungen (s. Osservatore Romano v. 5.8.1926) zum Art. 130. Sie verbieten unter schwersten Strafen u.a..: Amtshandlungen ausländischer Geistlicher (Art. 1,2); Religionsunterricht sowie Gründung und Leitung von Elementarschulen durch Geistliche oder religiöse Körperschaften (3-5); alle Ordensniederlassungen und Ordensgelübde (6); religiöse Handlungen, geistliche Tracht und religiöse Abzeichen außerhalb der staatlich überwachten Kirchen (17, 18); Grundbesitz und Kapitalien der Kirchen (21); erklären erneut alle Kirchen, Bischofsresidenzen, Seminarien, Asyle, Kollegien, Klostergebäude sowie sonstigen Gebäude mit religiösem Zweck als Staatseigentum (22). Die Petition der Bischöfe gegen das Religionsgesetz verwarf der Kongress.

Schwere Verfolgungen der katholischen Geistlichen

Da die mexikanischen Bischöfe die besonders verlangte Zivilregistrierung des Klerus zwecks staatlicher Auswahl der zugelassenen Priester ablehnten, aber auch die Priester durch Kultusausübung ohne behördliche Ermächtigung nicht härtesten Strafen aussetzen wollten, suspendierten sie auf 31.7.1926 für ganz Mexiko den öffentlichen Kultus. Die Regierung erwiderte mit Wegnahme aller Kirchen und kirchlichen Gebäude; die Bischöfe wurden ausgewiesen, gefangen gesetzt, die verborgenen verfolgt. Gegen „Übertretungen“ der verfassungswidrigen Gesetze gingen Polizei und Soldateska mit schwersten Bußen, Gefängnis, grausamen Martern und selbst Tötung vor. Von den 4493 Geistlichen in Mexiko blieben fast alle standhaft und wählten Verbannung, Versteck und Tod. Den wenigen zugelassenen Priestern machten gesetzliche Schikanen ihr Amt fast unmöglich. Die Kirche Mexikos wurde zur Katakomben-Kirche. Heldenmütig starben Priester, Ordensleute und Laien für den Glauben; eine große Anzahl nach grauenvoller Misshandlung. Von der Kath. Vereinigung der Mexikanischen Jugend z. B. wurden über 100, im Jahre 1926 allein über 147 Priester getötet. Aus höchster Notwehr eröffneten Klerus und Laien den passiven Widerstand durch Boykott der Staatskassen, des Handels und Verkehrs, der religionslosen Schulen, der liberalen Zeitungen und der Geschäfte der Kirchenfeinde, enthielten sich von Luxus, Lustbarkeiten, Genussmitteln, Vergnügungen und zeigten öffentliche Trauer. Gegen die Mahnung der Bischöfe schritt das verzweifelte Volk mancherorts, besonders 1926 unter General González, zum Aufstand gegen die illegale Regierung, wodurch deren Vorgehen gegen die „Libertadore“ einen gesetzlichen Anschein gewann.

Mexikanische Märtyrer dieser Verfolgungsepoche

Als mexikanische Märtyrer seien genannt:

Florentino Alvarez v. León, 10.8.1927 erschossen wegen Führung eines christlichen Arbeitersyndikates; Rafael und sein Sohn Vicente Azevdeo, Aug. 1926 zu Tlaxiaco erschossen wegen Verteilung von Flugblättern; Pfarrer Luis G. Batiz mit Manuel Morales, Salvador Lara u. David Roldán 15.8.1926 zu Chalchihuites ermordet; Manuel Bonilla, 15.4.1927 zu Toluca gekreuzigt und erschossen; Manuel u. Rafael Campos v. Momax, 22.8.1926 mit dem reuigen Callisten Benjaminito Díaz wegen Verweigerung des Abfalls vom Glauben erschossen; Maria Guadalupe Chairez, Febr. 1927 in Victoria zu Tode gemartert wegen Befreiung gefangener Katholiken; Priester Mateo Correa, 29.1.1927 zu Durango erschossen als Opfer des Beichtgeheimnisses; der 88jährige Priester Martin Díaz, 1927 zu Puruficación ermordet; Pfarrer Miguel Díaz von Autlán, Febr. 1927 gehängt; Vikar Fernando Escoto von S. Juan de los Lagos, 3.5.1927 getötet; Kaufmann José García Farfán in Puebla, 21.7.1926 erschossen wegen Auslage von kath. Propaganda-Zetteln; Rechtsanwalt Anacleto González Flores, mit Román u. José Vargas, wegen Glaubens-Verteidigung in Wort und Schrift gefoltert u. 1.4.1927 zu Guadalajara ermordet; Priester Miguel Guizir, Mai 1927 in Michoacán getötet wegen Spendung der letzten Ölung; José López, 1.9.1927 zu Arandas der Zunge beraubt, gefoltert und erschossen; Pfarrer Miguel López v. Durango, Nov. 1926 erschossen wegen Beschützung einer Jungfrau vor einem lüsternen General; Pfarrer Pedro López v. Pueblo Nuevo, Dez. 1926 ermordet; Pfarrer Vicente López v. Tenancingo, Mai 1927 in Mexiko erschossen; Pfarrer Cristóbal Magallanes v. Totatiche, mit Augustín Sánchez 25.5.1927 in Colotlán erschossen; Bischof José Manríquez y Tárate v. Huejutla, Aug. 1926 im Gefängnis v. Veracruz „tot aufgefunden“; Manuel Melgarejo (17jährig) u. Joaquín de Silva, 12.9.1926 wegen religiöser Propaganda zu Zamora erschossen; Seminarist Tomás de la Mora v. Colima, 16 Jahre alt, 5.8.1927 wegen kath. Propaganda gehängt; die 18-27jähr. Sodalen Nicolás Navarro, Ezequiel Gómez, José Gallardo u. Salvador Vargas, 3.1. 1927 zu León zu Tode gemartert; Elias Nieves AugEr v. Cañada, 9.3.1928 wegen priesterlichen Wirkens erschossen; Lehrerin Juliana Olazar, Jan 1928 zu Huajuapam erschossen, weil sie mit eigenem Leib Kruzifixe vor Schändung schützte; der heroische Miguel Pro SJ mit seinen Gefährten, 23.11.1927 in Mexiko erschossen; Pfarrer Pedro Razo v. Dolores, 17.7.1928 wegen Messelesens mit seinem Sakristan Jeronimo erschossen; Priester Saba Reyes, zu Totatlán 3 Tage u. Nächte gemartert u. 14.4.1927 lebendig verbrannt und erschossen, weil er den Aufenthalt seines Pfarrers nicht verriet; Vikar Genaro Sánchez v. Tamazulita, 12.1.1927 gehängt und erstochen; Priester José Sanchez v. Palmillas, 24.4.1927 gehängt; Pfarrer Secondino Sánchez v. Cocula, 24.4.1927 zu Mascota umgebracht; Priester Sedano v. Cuidad Guzmán, 7.9.1927 wegen verborgener Seelsorge an den Füßen geschunden, gehängt und erschossen; Telegraphist Teodoro Segovia, 13.1.1927 wegen kath. Propaganda erschossen; Clarentiner Andrés Solá v. León, durch ein Erstkommunionbild als Priester erkannt, 28.4.1927 erschossen; José Vargas, März 1927 zu Morelia getötet wegen Austragens des Sonntagsblattes; David Maduro Vertiz SJ, 13.2.1929 zu Parras wegen Austeilung des Aschenkreuzes erschossen.

Die Kirchenverfolgung will kein Ende nehmen

Unter Präsident Portes Gil kam 22.6.1929 ein Modus vivendi zustande: die Zivilregistrierung des Klerus wurde auf die von den geistlichen Obern anerkannten Priester beschränkt, die Bischöfe konnten zurück kehren und der Gottesdienst in den öffentlichen Kirchen aufgenommen werden. 21.12.1931 setzte jedoch die Regierung die Zahl der Priester und Kirchen für Staat und Bundesdistrikt Mexiko auf 25 (für 1 174 Mill. Einw.), für Niederkalifornien auf 2 Priester fest; alle andern Bundesstaaten waren mit ähnlichen Bestimmungen voraus gegangen oder folgten (z. B. Talasco für ¼ Mill. Nur 1. Chiapas für ½ Mill. 4, Vera Cruz für 1,4 Mill. 13 Priester). Durch Gesetz v. 15.10.1934 führte die Regierung in den Schulen atheistische und sozialistische Erziehung (mit brutaler sexueller Aufklärung) ein. Gegen den energischen Widerstand der Katholiken mit friedlichen und verfassungsmäßigen Mitteln verschärfte sie ihre Maßnahmen. Die Abgeordneten-Kammer beschloss die Ausweisung aller Bischöfe. Der Oberste Gerichtshof ermächtigte 31.10.1934 den Staat, jeden kirchlichen Besitz im Verwaltungsweg einzuziehen. Mehrere Staaten vertrieben ihre Bischöfe und Priester, einzelne schlossen sämtliche Kirchen, andere begrenzten die Zahl der Priester widersinnig. In einer Reihe von Staaten ist (1935) kein Gottesdienst mehr möglich. Die meisten Kirchen sind „eingezogen“. 1.3.1935 waren in ganz Mexiko nur noch 197 Priester zugelassen. Der Glaubenskampf forderte 1926 bis 35 etwa 5300 Opfer (darunter 300 Priester).

Die Kirchenverfolgung in Mexiko nach bolschewistischen Grundsätzen und Methoden vollzog sich unter Mitwirken des Kommunismus, der Freimaurerei, der protestantischen Sekten Mexikos, vor allem aber unter dem Schutz des Totschweigens bzw. der Verleumdung seitens der liberalen Weltpresse und zivilisierten Welt. Ansprachen und Apostolische Schreiben Pius XI.` (darunter Anordnung eines Gebetskreuzzugs für den 1.8.1926), die katholische Presse und die Proteste der Katholiken aller Länder suchten das Weltgewissen wach zu rufen. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, Sp. 151 – Sp. 155

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