Die Ehre die der Hl Geist Jesu Christo erweist

Sechste Betrachtung

Die Ehre die der Heilige Geist Jesu Christo erweist

Die Verherrlichung Gott Vater durch Jesus Christus

Jesus Christus Selbst hat den Ruhm verkündet, der Seiner anbetungswürdigen Person vom Heiligen Geist gezollt ward, da Er, der göttliche Meister, bei der Gelegenheit, als Er Seinen Aposteln ankündigte, daß Sein himmlischer Vater bald der Welt den Geist der Wahrheit und der Liebe, den Tröster, senden werde, dieses prophetische Wort hinzufügte: „Und dieser Geist wird Mich verherrlichen!“ (1) Wie wir wissen, hatte die Sendung des Sohnes Gottes in die Welt zu ihrem Zweck die Verherrlichung Seines Vaters. Diese Wahrheit steht so zu sagen auf allen Blättern des Evangeliums. Bei der Geburt des Heilandes sangen die Engel den Lobgesang: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ (2) Als später der göttliche Heiland Selbst von Seiner Sendung sprach, versicherte Er in der feierlichsten Weise, daß die Verherrlichung Seines Vaters der Gegenstand und das Ziel und Ende all` Seiner Werke sei. (3) Gott verherrlichen dadurch, daß Er Ihn kennen, lieben und verehren lehrt: Das ist es, was Jesus Christus will und was Er sucht, das ist das letzte Ziel der Menschwerdung.

Die Verherrlichung Gott Sohn durch den Heiligen Geist

Aber Jesus Christus ist Gott; Er muss also verherrlicht werden wie Sein Vater. (4) Zu fragen: Warum? – Das wäre eine eben so nichts sagende Frage, wie die Frage: „Soll Gott verherrlicht werden?“ –
Ward Jesus Christus verherrlicht während Seines irdischen Lebens? Nein! Er wurde verkannt, verleugnet, verfolgt, mit Schimpf und Schande überhäuft! Diese gotteslästerliche Ungerechtigkeit, welche von der Bosheit der Menschen kam, musste wieder gut gemacht werden: diese Genugtuung übernahm der liebe Gott Selbst. Vor Seinem Tode eröffnete uns der Heiland dieses Geheimnis der Glorie, welche Er bald empfangen sollte: „Mein Vater“, sprach Er, „Ich habe Dich verherrlicht auf Erden! Das Werk habe Ich vollendet, das zu vollführen Du Mir aufgetragen! Und jetzt verherrliche Mich Du, Vater, bei Dir Selbst mit der Herrlichkeit, die Ich hatte, ehe die Welt war, bei Dir!“ (5)
Die Verherrlichung Jesu Christi fand statt im Himmel am Tage Seiner Auffahrt. Aber auch auf der Erde war diese Verherrlichung unumgänglich notwendig. Die Erde war in Wirklichkeit der Schauplatz der tiefen Erniedrigungen, der unbegreiflichen Demütigungen eines Gottes geworden: musste da die Genugtuung nicht auf demselben Schauplatz stattfinden? Dies wird geschehen, nachdem Jesus Christus in den Himmel zurückgekehrt ist. Und ebenso, wie der Sohn Gottes Seinen Vater verherrlicht hat, ebenso wird der Heilige Geist der Welt geschickt werden, um Jesum Christum zu verherrlichen. (6) Der Heilige Geist wird kommen im Interesse Jesu Christi. Eine unendliche Ehre wird dem Gottmenschen erwiesen werden, und der heilige Geist wird dadurch der Urheber und Grund dieser Verherrlichung sein, daß Er den Menschen die Kenntnis und die Liebe Jesu Christi verleiht. Wenn Jesus Christus die dreiunddreißig Jahre Seines sterblichen Lebens der Verherrlichung Seines himmlischen Vaters gewidmet hat, so wird der Heilige Geist alle Jahrhunderte, die bis zum Ende der Welt verfließen sollen, der Verherrlichung Jesu Christi weihen. Dies ist die große Wahrheit, die ich betrachten muss; denn sie geht mich persönlich an, wie ich bald sehen werde, und wenn ich dieses Werk des Heiligen Geistes, das sich durch mich vollziehen soll, vergessen und vernachlässigen würde, so wäre das ein schreckliches Unglück für mich! Glücklich die Seele, welche diesem Unheil auszuweichen versteht! –

Anmerkungen zu: Die Verherrlichung Gott Vater durch Jesus Christus

(1) Joh. 16,14
(2) Luk. 2,14
(3) Vgl. Joh. 7,16; 18: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht Mein, sondern dessen, der Mich gesandt hat… Wer aus sich selber redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.“
(4) Vgl. Joh. 5,22-23: „Der Vater hat alles Gericht dem Sohne übergeben, damit Alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der Ihn gesandt hat.“
(5) Joh. 17,4-5
(6) Vgl. Joh. 16,13-14: „Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommen wird… Der wird Mich verherrlichen; denn von dem Meinigen wird Er nehmen und euch verkündigen.“

 

Erster Punkt

Warum hat der Heilige Geist angefangen, Jesum Christum zu verherrlichen?

Hier beschäftige ich mich mit jener Verherrlichung Jesu Christi, welche mit äußerlicher Pracht und Feierlichkeit geschah, zu welcher die ganze Welt bis zum Ende der Jahrhunderte beitragen sollte. Es hatte nämlich der Heilige Geist bereits den Heiland verherrlicht durch die Bekehrung der Magdalena (1) und der Samariterin am Jakobsbrunnen (2), durch die Heiligung mancher Seelen. Aber diese Ereignisse blieben beinahe verborgen und unbekannt, und so bewahrte Gott der Vater eine andere Art der Verherrlichung für Seinen Sohn auf.
Nun haben wir diese Verherrlichung schon vor Augen: kaum sind es zehn Tage, seitdem der Gottessohn zum Himmel auffuhr, und schon regt sich Alles in Jerusalem, schon ist Alles in Bewegung. Hier im Angesicht des Kalvarienberges, neben dem Palast des Kaiphas und dem Prätorium des Pilatus – hier erhebt sich die Sonne in herrlichem Glanze, um all` ihre Strahlen zu verbreiten über die große und erhabene Gestalt Jesu von Nazareth, der da ans Kreuz geschlagen ward durch den Unglauben der Juden – wie der hl. Augustinus sagt.

Die Umwandlung durch den Heiligen Geist

Seht da, wie die Apostel auftreten! Höret ihre Worte! Welche Umwandlung! Ihre lebendige, gewaltige Beredsamkeit wirft trügerische Spitzfindigkeiten zu Boden, weist zurück und vernichtet alle Gotteslästerungen: nach jeder Rede des Petrus fallen die Menschen, welche Jenen ans Kreuz heften sahen, den sie einen Verführer nannten, zu Tausenden auf die Knie, um Jesum anzubeten und die Gnade zu erflehen, Seine Jünger zu werden. (3) Welche Ehre für Jesus Christus! Pharisäer, Priester, Heiden und Juden mischen und mengen sich untereinander, umfassen denselben Glauben, bekennen dieselbe Religion, stimmen alle ein in denselben Ruf: „Jesus ist der Sohn Gottes!“ (4) –
Doch woher kommt dieses Wunder? Wer ist der Urheber desselben? Der Heilige Geist ist auf die Apostel herabgekommen: und alles ist geschehen. Der Heilige Geist hat Sein Licht verbreitet, Er hat Seine Wärme mitgeteilt, Er hat die Seelen entzündet; Er hat Jesum Christum denen gezeigt, welche Ihn nicht als den angesehen hatten, welcher Er war, Er hat dessen unendliche Weisheit und Heiligkeit geoffenbart, Er hat von Seinen liebenswürdigen Eigenschaften, Seiner majestätischen Schönheit geredet; und – plötzlich ist Jesus Christus der einzige Gegenstand des Ehrgeizes der Menschen geworden: Ihn lieben, Ihn loben, Ihm anhangen, Ihm alles weihen, für ihn sterben -: Das ist die größte Ehre! Sehrt da, die Kirche! Wie herrlich ist ihre Wiege! Am Tage ihrer Geburt zählt sie bereits achttausend Männer zu ihren ergebenen Söhnen, ohne die Weiber und die Kinder; und wie die Sonne untergeht zu Jerusalem, haben die Apostel für die Arbeit einiger Stunden schon eine Ernte herrlicher Garben.
So hat der Heilige Geist Seinen Einzug in die Welt gehalten. So ist der Anfang Seines Werkes, die erste Frucht Seiner Ernte! Und wenn ich von der „Ernte“ rede, deute ich damit bloß auf die Erstlings-Früchte hin. Habet Acht, und ihr werdet bald sehen, wie das Feld des Hausvaters sich erweitert: bald wird die ganze Erde schon vor dem Namen Jesu erbeben, und alle Völker werden wetteifern, die prophetischen Worte zu erfüllen: „Wenn Ich erhöht bin von der Erde, so werde Ich alles zu Mir ziehen!“ (5)
Ja, es ist wahr: „die Völker toben“, die Synagoge schäumt vor Wut, die „Könige verbinden sich miteinander“ (6), um sich den Eroberungen des Kreuzes zu widersetzen: aber diese Anstrengung der Feinde wird der größte Ruhm für Christus sein! Der Heilige Geist ist da -: Er macht aus jedem Jünger einen Helden: die Armee, welche Er mit Seinem Hauch beseelt, wirkt die erstaunlichsten Wunder; Tapferkeit, Mut und Stärke zeichnet sie aus. Der Heilige Geist regt sie an, treibt sie und führt sie; sie siegt überall, und das ganze Weltall fällt auf die Knie und spricht in Liebe den anbetungswürdigen Namen Jesu aus.

Anmutung

Nun, gläubige Seele, was denkst du nun von jenen Worten, die du den tausendmal anbetungswürdigen Lippen deines Jesu ablauschest: „Der Heilige Geist wird Mich verherrlichen“? O, wenn du Jesum liebest, wie sehr musst du den Heiligen Geist lieben, der alles für Seine Ehre getan! Nein, ohne den Heiligen Geist würdest du Jesum nicht kennen, würdest du Ihn nicht lieben! Begreife nun, wie viel Dankbarkeit und Liebe du dem heiligen Geist schuldest! –

Anmerkungen zu: Warum hat der Heilige Geist angefangen

(1) Vgl. Luk. 7,37-38
(2) Vgl. Joh. 4,7-43
(3) Vgl. Act. 2,37.41
(4) Vgl. Matth. 27,54: „Da aber der Hauptmann und die bei ihm waren und Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was sich ereignete, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, Dieser war Gottes Sohn!“
(5) Joh. 12,32
(6) Vgl. Ps. 2,1-2

 

Zweiter Punkt

Wie setzt der Heilige Geist die Verherrlichung Jesu Christi fort?

Diese Frage stellte sich der hl. Augustinus selbst, und beantwortet sie folgendermaßen: „Der Heilige Geist setzt die Verherrlichung Jesu Christi dadurch fort, daß Er Seine Liebe in die Herzen ausgießt und geistliche Menschen bildet.“ Beim Lesen dieser Worte kann ich nicht umhin, anzunehmen, daß der große Bischof von Hippo seinem Geist die Bildung der heiligen Menschheit des Heilandes im Schoß Mariens vorgestellt hatte, als er sich die wichtige Frage beantworten wollte, wie der Heilige Geist die Verherrlichung Jesu Christi fortsetzt.
Ja, ohne Zweifel, so ist es: durch die Liebe, welche der Heilige Geist in die Seelen ausgießt, bildet Er geistliche Menschen. Das ist eine Art Fortsetzung des großen Geheimnisses der Fleischwerdung des göttlichen Wortes. Siehe da, die Glieder Jesu Christi, Seine Brüder die berufen sind, ihren Meister zu verherrlichen! Weder das Fleisch noch das Blut werden ihnen Leben geben können; sie werden aus Gott geboren werden! Das sagt der Lieblingsjünger Jesu. (1) Wie geht nun diese göttliche Geburt vor sich? Im Heiligen Geist und durch den Heiligen Geist. Er allein erschafft, Er erzeugt sie in der Liebe.

Die wahren Kinder Gottes

Doch wer wird die Ehre beschreiben, welche Christo aus dieser Geburt durch den Heiligen Geist erwächst? Die wahren Kinder Gottes, die in der Liebe geschaffen, Söhne der Liebe sind, sie gehören ganz Jesu Christo an. Er ist der Gegenstand ihrer Verehrung, ihrer Anbetung; Er ist das Ziel und Ende ihres ganzen Daseins. Wenn sie etwas wünschen, so ist es für Ihn und in Seinem Interesse; wenn sie lieben, so geschieht`s für Ihn. Auf jeden Ehrgeiz, der nicht zum Gegenstand oder zum Ziel Seine liebenswürdigen Eigenschaften hat, leisten sie Verzicht. Für Ihn zu leiden – das ist ihr Ruhm, das ist ihr Glück; Ihm zu geben, Ihm Alles zu überlassen – das ist ihre höchste Seligkeit.
Sagt an, ihr Weltmenschen, habt ihr in der Geschichte der Jahrhunderte irgend eine große Persönlichkeit entdeckt, die so geliebt wurde, wie Jesus geliebt wird? Suchet euren Helden, und zeiget uns Millionen vom Märtyrern, von Jungfrauen, die ihm ihr ganzes Leben zum Opfer bringen, und die auf Alles verzichten für die einzige Genugtuung, Ihm zu gefallen! Dieses Ideal von Ergebung, und Liebe hat sich nur ein einziges Mal verwirklicht: ihr wisset es wohl! Jesus Christus allein ist dieser über Alles liebenswürdige Mensch, dieser König der Jahrhunderte, der Heiland, dieser Gottessohn, welcher eine solche Ehre verdient hat: und diese Ehrenerweisung ist ein bleibendes Ereignis, das sich verewigen wird bis zum Ende der Welt.

Der Heilige Geist muss gelehrige Werkzeuge haben

Diese Tat der Verherrlichung Jesu Christi durch die Menschen ist das eigene und ganz besondere Werk des Heiligen Geistes; aber der Heilige Geist muss gelehrige Werkzeuge haben. Am Tage, als die himmlische Jungfrau, gleich nachdem ihr der Heilige Geist durch den Engel Gabriel war angekündigt worden, in die Worte ausbrach: „Sieh`, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte“ (2) -: da bildete der Heilige Geist durch Seine Liebe und Seine Macht die heilige Menschheit Jesu. – An dem Tage, an dem eine Seele zum Heiligen Geist ernstlich spricht: „Es geschehe“, wird diese Seele geeignet, Jesum Christum zu verherrlichen. Der Heilige Geist wird mit Seiner Beihilfe große Taten für die Erhöhung und Verherrlichung Jesu Christi vollbringen. Warum sollte nicht ich diese Seele sein? Mag ich wollen oder nicht, Jesus Christus wird weiter verherrlicht werden; und das sollte nicht durch mich geschehen? O Schande! O Undank! – Nein, mein Gott, dieser Schandfleck soll nicht auf meiner Stirne haften; nein, dieser Undankbarkeit werde ich mich nicht schuldig machen! –

Anmerkungen zu: Wie setzt der Heilige Geist die Verherrlichung Jesu Christi fort

(1) Vgl. Joh. 1,12-13: „All` denen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die glauben an Seinen Namen: die nicht aus dem Geblüt, und nicht aus Fleischeswillen und nicht aus Manneswillen, sondern aus Gott geboren wurden.“
(2) Luk. 1,38

 

Dritter Punkt

Wie bewirkt der Heilige Geist, daß wir Christum verherrlichen?

Der göttliche Heiland hat das große Geheimnis Seiner Verherrlichung durch die Menschen Selbst verkündet. Höret, wie Er sagt: „Der Heilige Geist wird von Mir nehmen und euch verkünden!“ (1) Der Heiland will gleichsam sagen: Wie Ich durch die Wirkung des Heiligen Geistes, durch Seine göttliche Tätigkeit, im Schoße der Jungfrau das, was von euch ist, angenommen habe, eure Natur, die Ich nicht hatte, eure Armseligkeiten und Gebrechen, die unvereinbar schienen mit Meiner eigenen Natur, welche die Natur Gottes ist: ebenso wird der Heilige Geist von Mir nehmen, Er wird das nehmen, was göttlich ist, was mit eurer Natur unvereinbar scheint, und Er wird euch dies mitteilen, Er wird es euch geben, so daß, wenn Ich durch den Heiligen Geist einer von euch geworden bin, ihr eurerseits durch den Heiligen Geist, gleich Mir, Söhne Gottes werdet, Meine Brüder werdet. Ihr werdet von meiner Gottheit erhalten, von Meinen Vollkommenheiten empfangen; ihr werdet empfangen von Meinen Gnaden, Meinen Verdiensten, Meinen Tugenden. Alle diese Schätze werden von Mir auf euch übergehen; der Heilige Geist wird euch dieselben geben! –

Der Ruf der Seele: Ihm ähnlich sein!

Wenn dieses unbegreifliche Geheimnis der Gnade einmal zugegeben ist, begreife ich sofort die Verherrlichung der anbetungswürdigen Person Jesu Christi durch den Menschen. Diese Verherrlichung, welche Jesus Christus vom Menschen erwartete, besteht zunächst darin, daß der Mensch seinen ganzen Ruhm in die Ähnlichkeit mit dem göttlichen Heiland setzt. „Ihm ähnlich sein!“ – so ruft eine Seele in der Entzückung ihrer Verwunderung und in dem Rausch ihrer Liebe aus: „“Ihm ähnlich sein! Diese Ehre würde ich um den Preis von tausend Leben erkaufen, wenn das möglich wäre!“ Nun frage ich, ob diese Gefühle nicht für Jesus Christus eine unendliche Verherrlichung sind, wenn die Erfahrung uns dieselben nachweist in allen Seelen, welche erleuchtet, schön, rein und durch die vorzüglichsten Eigenschaften empfehlenswert sind? Was schadet es der Ehre meines Jesu, daß die niedrigen, abgestumpften Herzen, die Herzen von Schmutz und wie da die Herzen aller Weltchristen sind, diese Gefühle nicht kennen? Die gottgeweihte Jungfrau, die tugendhafte Frau, welche diese Gefühle hat, erweist in einer Minute dem göttlichen Heiland unendlich mehr Ehre, als manche Seelen in vierzig Jahren der Verweltlichung und der Verderbnis Ihm zu entreißen vermögen.
Der Heilige Geist verherrlicht Jesus Christus, indem Er Ihm Abbilder und Vervielfältigungen von Ihm gibt. Dies ist das Wunder, das Er jeden Augenblick wirkt. Und so kann ebenso, wie Gott der Vater von Jesus Christus sagen konnte: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe“ (2), auch Jesus Christus im Hinblick auf Seine Heiligen sprechen: „Dies sind Meine geliebten Söhne, an ihnen habe Ich Mein Wohlgefallen!“ –
Das ist also der große Triumph Jesu Christi, das ist Seine Ehre: Geschöpfe, welche keinen andern Ehrgeiz haben, als Ihm zu gleichen und Ihm überall nachzuahmen! Und von diesem Ehrgeiz und somit auch von dieser Ehre, welche daraus für Christus erwächst, ist der Heilige Geist der Grund und Urheber; Er verleiht diesen Ehrgeiz, Er nährt ihn, Er läßt ihn wachsen in den Herzen, Er macht ihn sehnsüchtig, Alles zu leiden, alle Fesseln zu zerreißen, um es der Seele möglich zu machen, sich in den ewigen Schoß desjenigen empor zu schwingen, welchen sie „ihren Jesus“ und ihr „Alles“ nennt. (3)

Anmutung

O treue, gottergebene Seele, vergiß nimmer diese süßen und trostreichen Wahrheiten, und vor allem sei ganz durchdrungen von dem Gedanken, daß das Vergessen des Heiligen Geistes, die Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit in Bezug auf Ihn das große Mittel ist, welches der Teufel anwendet, um in wirksame Weise der Verherrlichung Christi entgegen zu arbeiten! –

Anmerkungen zu: Wie bewirkt der Heilige Geist, daß wir Christum verherrlichen?

(1) Joh. 16,14: Ille me clarificabit, quia de meo accipiet et annunciabit vobis.
(2) Matth. 3,17
(3) Deus meus et omnia! (St. Franc. Seraph.) –
aus: F. X. Coulin, Apostol. Missionar und Ehrendomherr von Marseille, Der Heilige Geist Betrachtungen, 1881, S. 91 – S. 104

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