Das Verbrecherische der Sünde

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

Es gibt nichts Häßlicheres als die Sünde

Das Häßliche und Verbrecherische der Sünde

Doch ebenso groß und wo möglich noch größer ist das Häßliche, das Verbrecherische der Sünde, und zwar auch dann, wenn der Staat sie nicht als Verbrechen bestraft, und wenn die öffentliche Meinung sie nicht als Ehrlosigkeit brandmarkt.

Die hl. Katharina von Siena bat einst Gott, er möge ihr die Häßlichkeit einer Todsünde erkennen lassen. Gott verweigerte es, weil sie den Anblick nicht würde ertragen können. Nun bat sie, wenigstens eine läßliche in ihrer Häßlichkeit sehen zu dürfen. Dies gewährte Gott. Als aber die Vision vorüber war, erklärte die Heilige, lieber wolle sie ihr ganzes Leben hindurch auf glühenden Kohlen gehen, als nur einen Augenblick wieder jenen Anblick ertragen zu müssen. Diese Äußerung erscheint Manchem vielleicht als Übertreibung einer frommen Seele. Aber sie ist es nicht. Wenn wir vor der Sünde keinen derartigen Ekel und Abscheu empfinden, wie sie es verdient, so ist es, weil die geistige Welt, welcher die Tugenden und Laster angehören, unserm Erkennen sehr wenig zugänglich ist, so lange die Seele im Körper weilt. In der andern Welt wird das anders. Jetzt wäre es uns entsetzlich, faulende Kröten oder stinkenden Eiter eines Kranken hinunter zu schlucken oder auch nur anzurühren. Aber Sünden trinkt Mancher hinunter wie Wasser. Und doch ist die Widerwärtigkeit jener körperlichen Dinge nicht zu vergleichen mit der Widerwärtigkeit, welche in Wahrheit jeder Sünde inne wohnt, und welche die Verdammten in der Hölle schmecken. Und was das Verbrecherische angeht, so gibt es in der Welt nichts Verbrecherisches als die Sünde. Alles Übrige ist von Gott gemacht und somit gut. Nur die Bosheit der Sünde rührt nicht von Gott her, sondern von dem verirrten freien Willen der Teufel oder des Menschen. Die Sünde ist daher der einzige Mißklang im Universum, sie ist die Auflehnung gegen Gott, den höchsten Herrn; und in den Augen Gottes ist es ein größeres Unglück,, wenn eine einzige läßliche Sünde begangen wird, als wenn eine Stadt mit allen ihren Bewohnern in den Flammen aufginge.
Woher wissen wir denn, daß die Sünde etwas so Verbrecherisches ist? Wir wissen es namentlich aus der Weise, wie Gott sie bestraft. Gott ist allgütig und allbarmherzig. Es wäre ein Frevel, zu denken, daß Gott ein Vergehen auch nur im geringsten härter bestraft, als es verdient. Wie aber bestraft er die Sünde? Er bestraft die läßliche Sünde mit den Qualen des Fegefeuers; er bestraft die Todsünde mit dem ewigen, ich sage: den ewigen all` unsere Vorstellungen übersteigenden Qualen der Hölle.

Oft wird die Schwierigkeit gemacht: Wie kann doch der allgütige Gott seine Geschöpfe ewig in der Hölle quälen! Die Lösung dieser Schwierigkeit liegt in dem Verbrecherischen der Sünde, welche sogar vom allgütigen Gott eine solche Bestrafung herausfordert.

Es gibt aber noch einen weiteren Maßstab, an welchem wir die Bosheit und Strafwürdigkeit der Sünde ermessen können. Das ist das bittere Leiden und der Kreuzestod Jesu Christi. Denn um unserer Sünden willen und um uns von den Strafen der Sünden loszukaufen, ward Gott Mensch und ist als Mensch zum Zweck der Genugtuung für uns am Kreuz gestorben. Knien wir im Geiste nieder auf Golgatha und betrachten wir den Heiland, wie er zur Abbüßung unserer, auch meiner, Sünden mit dem ringt; dann begreifen wir einigermaßen die Bosheit der Sünde. Doch trotz des Opfertodes Jesu fahren zahllose Menschen ihrer Sünden wegen zur Hölle hinab, weil sie an den menschgewordenen Sohn Gottes nicht glauben oder nach diesem Glauben nicht leben. Auch ich könnte bereits zu diesen Unseligen gehören. Aber die Gnade Jesu Christi hat mich bisher vor diesem größten Unglück behütet. Wie muß ich ihm dafür danken!

Wie muß ich aber auch sorgen, daß ich in Zukunft mich sicherstelle gegen die Sünde! Und wie? Ich muß:

Erstens: Treu sein im Kleinen, nie eine Sünde begehen in dem Gedanken: „Es ist ja nur eine läßliche Sünde!“ Nur durch diese Treue im Kleinen werde ich auf die Dauer gegen die Todsünde mich sichern.
Zweitens: Abtötung üben in erlaubten Dingen. Nur hierdurch werde ich die genügende Selbstbeherrschung erlangen, um sie zu üben, wo die Pflicht es erheischt.
Drittens: Beten und häufig die Sakramente der Buße und des Altars empfangen. Denn zum Werk des Heiles ist Gottes Gnade notwendig. Diese aber wird uns vermittelt durch das Gebet und die Sakramente.

Befolgen wir diese drei Regeln, dann dürfen wir hoffen, rein von Sünden dermal einst aus dem Leben zu scheiden und erscheinen zu dürfen vor dem dreimal heiligen Gott.

aus: Ludwig von Hammerstein SJ, Sonn- und Festtagslesungen für die gebildete Welt,1989, S. 239-241

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