Papst Alexander VIII. (1689 bis 1691)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Papst Alexander VIII. (regierte von 1689 bis 1691)

Auf den großen Papst Innozenz XI. folgte ein Mann, der den Grundsätzen seines Vorgängers in kirchlicher Beziehung treu blieb. Es war Kardinal Petrus Ottoboni, der am 6. Oktober 1689 den apostolischen Stuhl bestieg und sich Alexander VIII. Nannte. In Venedig 1610 geboren, durchschritt er nach Vollendung seiner Studien die verschiedenen Ämter der geistlichen Laufbahn, bis er von Innozenz XI. zum Kardinal ernannt wurde. Das Erbe, das von einem Papst auf den andern überging, hatte auch Alexander VIII. treu bewahrt: den Eifer für die Reinheit des Glaubens. (1) Die Sorge für den Schutz der Christenheit, die Liebe zu den Armen. Obschon Ludwig XIV., durch die Festigkeit Innozenz‘ XI. mürbe gemacht und bescheidener geworden, auf das Asylrecht Verzicht leistete und auch Avignon wieder zurück gab, konnte er doch nicht bewogen werden, die vier gallikanischen Freiheiten aufzugeben. (2) Alexander war daher genötigt, dieselben für null und nichtig zu erklären.

Seiner Vaterstadt half er mit großen Summen, mit 2000 Mann Fußvolk und mehreren ausgerüsteten Schiffen im Kampf gegen die Türken.

Die Liebe zu den Armen begleitete ihn durch sein ganzes Leben. Daß aber den schönen Zügen der Schatten nicht fehle, müssen wir mit Bedauern erwähnen. Allzu sehr ließ sich der Papst von der Liebe zu seinen Verwandten fortreißen und mehrere derselben zu ungebührlicher Höhe empor steigen. (3)

Zu erwähnen ist, daß er unter andern Heiligsprechungen die des hl. Johannes Kapistran vollzog.

Alexander starb nach 15monatiger Regierung am 1. Februar 1691, nachdem er noch kurz vor seinem Tod in einer Bulle die gallikanischen Freiheiten feierlich verurteilt hatte. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 584 – S. 585

Das Alter hatte seine Geisteskräfte nicht geschwächt … Er bereicherte die vatikanische Bibliothek durch die kostbare Büchersammlung der Königin Christine von Schweden … Im April des Jahres 1690 errichtete der Papst im fernen China die beiden Bistümer von Peking und Nanking und verlieh dem König das Ernennungsrecht der Bischöfe daselbst.

(1) Er verurteilte mehrere irrige und gefährliche Lehren der Jansenisten in Frankreich.
(2) Mit Frankreich brachte dieser Papst ein besseres Verhältnis zustande, als sein Vorgänger, da König Ludwig XIV. einsah, daß er zu weit gegangen war. König Ludwig schickte auch einen ruhigen und versöhnlichen Gesandten nach Rom und ließ dem heiligen Vater seine Besitzungen von Avignon und Venaissin zurück geben. – Noch auf dem Sterbebett richtete der heilige Vater im Januar des Jahres 1691 ein Schreiben an den französischen König und ermahnte ihn, seine Ungerechtigkeiten vollauf gutzumachen.
(3) Alexander … wird unter die vorzüglichsten Männer seiner Zeit gerechnet. Dennoch gereichte seine Regierung der Kirche zum Nachteil, da der Papst zahlreiche Verwandte nach Rom brachte und sie mit guten Posten versorgte. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 676

Category: Hamerle, Papsttum
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