Wunder bei den Gebeinen des hl Stephanus

Wunderbar ist Gott in seinem Heiligen Stephanus

Zu Cäsarea war eine ansehnliche Familie, die zehn Kinder, sieben Knaben und drei Mädchen hatte. Nach des Vaters Tod verging sich der älteste Sohn gegen seine Mutter zuerst mit abscheulichen Worten, dann mit frevelnder Hand, ohne daß von den sämtlichen anwesenden Kindern auch nur eines sich darum bekümmerte. Vor Zorn und Gram außer sich eilt die Mutter in die Kirche, verflucht dort feierlich ihre Kinder und bittet Gott, er möge ihnen keineRuhe mehr lassen, so daß sie unstet und flüchtig auf Erden wandeln sollten. Von der Stunde an wurden der älteste Sohn, und nach und nach innerhalb eines Jahres alle Kinder von einem schrecklichen Zittern befallen, daß sie gänzlich verunstaltete. In diesem traurigen Zustand fanden sie nirgend Ruhe und irrten an verschiedenen Orten um her. Die unselige Mutter erhängte sich aus Verzweiflung. Der zweite Sohn ward wunderbar gesund, da er zu Ravenna in einer Kapelle des heiligen Laurentius betete. Das sechste und siebente Kind, eine Knabe mit Namen Paulus und ein Mädchen mit Namen Palladia, kamen nach Hippo, wo der heilige Augustin Bischof war. Dort befanden sich in der Kirche Reliquien des heiligen Stephan. Am Ostermorgen betete Paulus vor diesen Reliquien und wurde vollkommen geheilt. Sogleich hörte man von allen Seiten her in der Kirche rufen: Dank dem Herrn, gepriesen sei Gott!! Der Jüngling warf sich dem heiligen Augustin zu Füßen, der ihn aufhob und küßte. Hierauf bestieg der heilige Bischof die Kanzel, wies auf den Knaben hin und sprach: „Wir pflegen die Berichte der von Gott auf die Gebete des glückseligen Märtyrers Stephanus gewirkten Wunder zu verlesen; allein heute vertritt der Anblick dieses Jünglings die Stelle des Buches, wir bedürfen keiner andern Schrift als seines Angesichtes, das ihr kennt.“ Am Ostermontag ließ er den geheilten Knaben nebst seiner Schwester Palladia auf die Kanzelstufen stehen, damit sie das Volk sehen konnte. Paulus war ganz gesund, Palladia aber zitterte noch am ganzen Leib. Hierauf predigte der Heilige über die Ehrfurcht, welche Kinder ihren Eltern schuldig seien und die Mäßigung, womit Eltern ihre Kinder behandeln sollen. Seine Predigt ward aber plötzlich vom Volk durch den Ruf: Dank dem Herrn! Unterbrochen. Palladia hatte sich den Reliquien des heiligen Stephan genähert, dort gebetet, und war plötzlich gesund geworden.

Ein anderes, noch auffallenderes Wunder, welches bei den Gebeinen des heiligen Stephan geschah, ist uns ebenfalls aufbewahrt worden. Severus, Bischof von der Insel Menorca, wohin der Priester Orosius Reliquien des heiligen Stephan hinterlegt hatte, die er aus Jerusalem mitgebracht, wollte eine Unterredung mit mehreren Juden daselbst halten, um sie zum Glauben zu bekehren. Die Christen der Insel waren ungemein glaubenseifrig und hatten eine große Verehrung gegen die heiligen Reliquien. Als nun die Juden die Reliquien sahen und die große Verehrung der Christen, bekehrten sich innerhalb acht Tagen 540 derselben mit ihrem Vorsteher Rabbi Theodor und begehrten die Taufe. Die bekehrten Juden bauten auf ihre Kosten und mit eigenen Händen eine Kirche zu Ehren des Heiligen.

Wenn du, christliche Seele, diese wunderbaren Begebenheiten liest, so stimme vom herzen ein in die Worte des heiligen Königs David: „Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.“ Er hat sie in seiner unendlichen Barmherzigkeit zu Gefäßen seiner Gnade ausgewählt, sie haben treu den gegebenen Gnaden mitgewirkt, sie haben Ihn in einem Leben voll von Schmach und Leid verherrlicht und nun verherrlicht er sie im Himmel und auf Erden. Ihre toten Gebeine vermögen nichts, aber Gott ist, es, der sie als Werkzeug benützte, um sich selbst und sie zu verherrlichen. Die Glieder ihres Leibes, welche die Heiligen zum Dienst Gottes gebraucht, die sie für Ihn selbst der Marter und Qual hingegeben, sie müssen Zeugnis ablegen von der Wahrheit, daß Gott immer diejenigen erhöht, welche sich wegen seiner erniedrigten. Die ersten Christen folgten deshalb nicht bloß dem Drang ihres Herzens, wenn sie die Gebeine der Heiligen so sorgsam bewahrten und so innig verehrten, sondern auch und noch mehr dem Willen Gottes, der auch im toten Gebein seine Allmacht und Güte der Welt zeigen wollte. –

Ehre also auch du die Reliquien der Heiligen, und wenn du sie betrachtest, dann mache Gott das heilige Versprechen, daß du immer die Glieder deines Leibes wie die Heiligen rein bewahren, nie zur Sünde mißbrauchen, sondern nur zur Verherrlichung Gottes anwenden willst“ Willst du das tun? –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 2, 1904, Sp. 1341 – Sp. 1342

Category: Christenlehre, Ott
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