Unterricht von dem hl Sakrament der Firmung

Unterricht von dem heiligen Sakrament der Firmung

Was ist die Firmung?

Sie ist jenes Sakrament, durch welches der Getaufte durch das Gebet, die Handauflegung des Bischofs und die Salbung mit dem Chrisam den heiligen Geist empfängt, um gestärkt zu werden zur treuen Erfüllung des Taufbundes. Er wird eingeweiht zu einem Streiter Christi, damit er mutig kämpfe gegen den Feind, dem er abgeschworen hat, und standhaft bleibe im Bekenntnis des heiligen Glaubens.

Ist die Firmung ein Sakrament?

Ja; denn Jesus Christus hat nicht nur den Aposteln, sondern allen Gläubigen zur vollen Bestärkung im Glauben und in der Liebe den heiligen Geist verheißen (Joh. 7,37-39); die Apostel haben, vom heiligen Geist erleuchtet, und sonach dem Willen Christi gemäß. Den Getauften unter dem sinnbildlichen Zeichen der Händeauflegung den heiligen Geist wirklich mitgeteilt (Apg. 8,14ff); endlich hat die katholische Kirche von Anfang an bis jetzt diese Handlung für ein Sakrament erklärt und die hartnäckigen Gegner von der Kirchen-Gemeinschaft ausgeschlossen.

Welches ist das von Christus eingesetzte sichtbare Zeichen dieses Sakramentes?

Die Auflegung der bischöflichen Hände, die Salbung mit dem heiligen Chrisam und die Worte, welche der Bischof dabei ausspricht, nämlich: „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und firme (stärke) dich mit dem Chrisam des Heiles im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.“

Welches sind die Wirkungen dieses heiligen Sakramentes?

1) Vermehrung der heiligmachenden Gnade und Befestigung in der Taufgnade zum Bekenntnis des Glaubens. Darum heißt es auch Firmung, d. h. Stärkung, Befestigung. 2) Erteilung des heiligen Geistes mit seinen sieben Gaben. In den apostolischen Zeiten und oft auch später wurden vom heiligen Geist auch noch besondere Gaben, z. B. die Sprachen-, die Prophetengabe mitgeteilt. 3) Einprägung eines unauslöschlichen geistigen Merkmals (Charakter).

Wie oft kann die heilige Firmung empfangen werden?

Nur einmal; denn dadurch, daß sie den Christen mit himmlischer Kraft zum öffentlichen Bekenntnis Jesu und zum Kampf für Ihn gegen das Reich der Finsternis ausrüstet und so als Streiter Christi bezeichnet, drückt sie seiner Seele ein unauslöschliches Siegel auf, das ihn von jedem Nicht-Gefirmten unterscheidet. (Eph. 1,13)

Wer ist der Ausspender der heiligen Firmung?

Nach dem Beispiel der Apostel (Apg. 8,16), nach der kirchlichen Überlieferung und der ausdrücklichen Entscheidung der Kirche (Konzil von Trient, 7. Sitzung) ist nur der Bischof ordentlicher Ausspender derselben. In außerordentlichen Fällen kann der Papst auch einem gewöhnlichen Priester diese Vollmacht erteilen, z. B. den Missionaren in heidnischen Ländern.

Was ist der heilige Chrisam, mit welchem der Bischof firmt?

Ein mit Balsam vermischtes Öl, das jährlich am Gründonnerstag vom Bischof geweiht wird. Das Öl bedeutet die stärkenden Gnade des heiligen Geistes, der Balsam die Bewahrung vor der Fäulnis der Sünde und den guten Geruch eines erbaulichen Lebenswandels, wodurch der Christ Gott ein Wohlgeruch Christi sein soll. (2. Kor. 2,15)

Ist die heilige Firmung zur Seligkeit notwendig?

Nein; es soll jedoch niemand unterlassen, sie zu empfangen, weil sie viele Gnaden mitteilt, und weil jeder gegen die unzähligen Feinde des Heiles und bei seiner eigenen Schwäche der göttlichen Hilfe bedarf, damit er nicht unterliege; ferner weil Gott dieses Sakrament nicht vergeblich eingesetzt hat, die Vernachlässigung also sträfliche Gleichgültigkeit gegen seine Gnaden, wie gegen unser Heil wäre. Dies sollen besonders jene bedenken, die an nicht katholischen Orten wohnen, und Eltern, die ihre Kinder in die Fremde gehen lassen, wo ihnen so viele Gefahren drohen.

Wie soll man sich auf den Empfang der heiligen Firmung vorbereiten?

Um das heilige Sakrament der Firmung würdig zu empfangen, muss man im Stande der heiligmachenden Gnade sein; daher soll man 1) das Gewissen durch eine reumütige Beichte von allen schweren Sünden reinigen, sonst würde man, statt Gnade zu erhalten, eine Todsünde begehen, weil man dem Wirken des heiligen Geistes Hindernisse bereitete; 2) nach den Fähigkeiten des Alters in den Geheimnissen des Glaubens, besonders über die heilige Firmung, unterrichtet sein; 3) ein eifriges Verlangen haben, die stärkende Gnade des heiligen Geistes zu empfangen, und daher inbrünstig Gott darum bitten. 4) Löblich wäre es, wenn man, nach dem Gebrauch der Kirche in früheren Zeiten, vorher fasten, gute Werke verrichten und die heilige Firmung nüchtern empfangen würde. Man soll 5) einen gefirmten Firmpaten haben, und endlich 6) bei dem Empfang selbst mit gläubigem Sinn, voll Ehrfurcht und Andacht erscheinen und sich vor allem Drängen und Mutwillen hüten.

Aus dem Gesagten geht deutlich hervor, daß es nicht ratsam sei, Kinder firmen zu lassen, die weder wissen, was sie empfangen, noch sich gehörig vorbereiten können, sondern daß man vielmehr warten solle, bis die Kinder zu reiferen Jahren gekommen sind, wo sie den Sinn und die Wichtigkeit des Sakramentes einsehen, es daher mit mehr Überlegung und folglich auch mit mehr Ehrerbietigkeit und Nutzen empfangen können.

Weswegen sind Firmpaten vorgeschrieben?

Sie sollen zunächst Zeugen sein des vom Firmling erneuerten Taufbundes und sollen väterliche Freunde desselben auf der Bahn des Heiles werden, die, im Fall dies sonst nicht geschähe, für den Unterricht des Firmlings in der Religion sorgen und ihn vor den Gefahren der Seele zu warnen und zu bewahren haben. Das, nicht bloß leibliche Unterstützung, viel weniger übertriebener Aufwand für einen Tag, bildet die Pflicht des Firmpaten. – Wie sehr ist es daher Pflicht der Eltern etc., nur solche Taufpaten zu wählen, die gewissenhaft genug sind, dies Versprechen nicht bloß zu geben, sondern auch zu halten!

Was hat man nach der heiligen Firmung zu tun?

Man danke Gott für die empfangene Gnade und suche besonders den Firmtag gottgefällig zuzubringen und treibe nicht etwa durch Ausgelassenheit und Unmäßigkeit den heiligen Geist schon am Firmtag wieder aus dem Herzen. Die Firmpaten sollen besonders hierüber wachen. Der Firmling trachte mit der Gnade des heiligen Geistes getreu mitzuwirken und sich stets so zu betragen, daß an ihm die Kraft und die Früchte des heiligen Geistes vor allen Mitmenschen sichtbar werden; er soll ein tapferer Streiter Christi sein gegen die Leidenschaften, die Welt und den Teufel, ein wahrer Schüler Jesu, daher nüchtern, gerecht, menschenfreundlich, friedfertig, geduldig, versöhnlich, ja sogar Verfolgung und Verfolger liebend. Vor allem muss sich die siegende Kraft des heiligen Geistes darin offenbaren, daß der Mensch sich selbst überwindet.

Gebet eines Gefirmten.
Ich danke Dir, o hl. Geist! daß du mir in dem heiligen Sakrament der Firmung deine Gnade erteilt hast, um mich wider alle Versuchungen und Verfolgungen zu stärken, und bitte Dich demütig, du wollest durch innerliche Einsprechung mich stets antreiben, der empfangenen Gnade bei allen Gelegenheiten treu zu bleiben, mit ihr mitzuwirken und nie aus Menschenfurcht etwas gegen die Gebote Gottes oder der Kirche zu begehen. O gib mir die Gnade, daß ich lieber sterben möge, als daß ich deinen Einsprechungen widerstrebe und Dich betrübe, oder gar durch eine Todsünde Dich aus meinem Herzen vertreibe! Um dieses bitte ich Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 317 – S. 320

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