Buße des Herzens Reue und Vorsatz

Nach der Erforschung des Gewissens empfängt man das Sakrament der Buße: ein langer Gang in einer barocken Kirche, in der auf der linken Seite aus Holz erbaute schöne und einladende Beichtkabinen stehen, um die Sünden zu Beichten und die Lossprechung zu erhalten

Unterricht vom heiligen Sakrament der Buße

Die Buße des Herzens oder Reue und Vorsatz

Was ist die Reue?

Die Reue ist der Schmerz der Seele und der Abscheu über die begangenen Sünden, mit dem Vorsatz, ferner nicht mehr zu sündigen. (Konz. v. Trient, Sitzung 14, K. 4)

Wie vielfach ist die Reue?

Man unterscheidet:

a) die natürliche,

b) die übernatürliche Reue.

Erstere ist ganz und gar wertlos und genügt keineswegs zum gültigen Empfang des heiligen Buß-Sakramentes. Eine solche nutzlose Reue hatten Pharao (2. Mose 9), Saul (1. Kg. 15), Antiochus (2. Mach. 9) und Judas, der Verräter. Die andere, mit Hilfe der göttlichen Gnade erweckt und die Seele zu Gott hinleitend, ist übernatürlich durch ihren übernatürlichen Grund, der vierfach sein kann, nämlich:

  1. Die Furcht vor göttlicher Bestrafung (Höllenstrafe, Fegefeuer und Strafen in diesem Leben);
  2. Hoffnung auf die göttliche Belohnung;
  3. Abscheu vor der Sünde, der aus Gründen der Religion entsteht; endlich
  4. Liebe zu Gott.

Wer aus einem dieser Gründe seine Sünden bereut, mit der Hoffnung, Verzeihung von Gott zu erlangen, hat eine übernatürliche Reue, und solche ist zur Gültigkeit des Buß-Sakramentes notwendig. Ohne solche übernatürliche Reue würde man ungültig und gottesschänderisch beichten.

Wie vielfach kann die übernatürliche Reue sein?

Zweifach: die vollkommene und die unvollkommenen Reue. Beide sind in ihrem Grund und in ihrer Wirkung verschieden. Die übernatürliche Reue ist vollkommen, wenn sie aus reiner Liebe zu Gott entsteht, d. h. wenn die Sünde einzig deshalb verabscheut wird, weil dieselbe Gott, das höchste Gut beleidigt. „Es werden ihr (Magdalena) viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat.“ (Luk. 7,47)

Die vollkommene Reue rechtfertigt den Sünder auch außerhalb des Buß-Sakramentes, wenn sie mit dem Verlangen nach diesem und dem Vorsatz, es möglichst bald zu empfangen, verbunden ist. Sie erwirkt die heiligmachende Gnade, die Verzeihung aller Sünden, die Nachlassung der Höllenstrafen und die Wiederauflebung der verlorenen Verdienste.

Man ist verpflichtet, eine vollkommene Reue zu erwecken, wenn man eine Todsünde auf sich hat und nicht beichten kann, in Todesgefahr, vor dem Empfang eines Sakramentes der Lebendigen, wenn man die sakramentale Lossprechung vorher nicht erhalten kann.

Die übernatürliche Reue

Wie muss die übernatürliche Reue noch ferner beschaffen sein?

Sie muss allgemein sein, d. h. sich auf alle Todsünden erstrecken. „Wer sonst das ganze Gesetz hält, aber nur ein Gebot übertritt, der versündigt sich an allen.“ (Jak. 2,10)

Sie muss innerlich sein, d. h. eine wahre Bitterkeit des Herzens, verbunden mit der Verabscheuung der Sünde, wie sie aus der aufrichtigen Änderung des Willens hervor geht. Damit ist keineswegs gesagt, daß die Reue auch ein sinnlicher, fühlbarer Schmerz sein müsse. Ein sentimentales Gemüt ist leicht zu sinnlicher Rührung geneigt, ohne daß ihr immer eine Bekehrung des Willens entspräche. „Zerreißet eure Herzen, nicht eure Kleider.“ (Joel 2,13) „Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist; ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen.“ (Ps. 50,19)

Sie muss über alles groß sein, weil das durch die Sünde verlorene Gut, d.i. Gott, unendlich groß ist, und „es dem Menschen nichts nützt, wenn er die ganze Welt gewinnt, an der Seele aber Schaden leidet.“ Doch muss die Reue mit fester Hoffnung auf Verzeihung verbunden sein und darf nicht etwa in Verzweiflung ausarten.

Mit der wahren übernatürlichen Reue muss notwendig der Vorsatz verbunden sein. Er ist die Entschlossenheit des Willens, die Sünde in Zukunft mit Gottes Beistand zu meiden.

Wie muss der Vorsatz beschaffen sein?

Er muss sein:

1) Fest und entschieden, nicht ein bloßer Wunsch, besser zu werden, sondern eine ernstliche Entschlossenheit, um jeden Preis mit der Sünde zu brechen. Von den ohnmächtigen, stets unwirksamen Vorsätzen gilt das Sprichwort: „Der Weg zur Hölle ist mit Vorsätzen gepflastert.“

2) Allgemein, d. h. sich wenigstens auf alle Todsünden erstrecken. Hat der Sünder keine Todsünden begangen und zu beichten, so muss er seine läßlichen Sünden bestimmt zu meiden sich vornehmen.

3) Bestimmt oder wirksam, d. h. er muss auf der klaren Überlegung beruhen, was zu tun sei, um mit Gottes Hilfe in Zukunft die Sünde zu meiden. Der bestimmte, wirksame Vorsatz muss sich beziehen:

a) Auf die Sünde selbst. „Gehe hin und sündige nicht mehr, damit dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.“ (Joh. 5,14) Besonders gebe man auf die Lieblings- oder Gewohnheits-Sünde acht.

b) Auf die Mittel zur Besserung, besonders auf die Flucht der nächsten Gelegenheit zur Sünde. Das haben besonders die Spieler, die Trunkenbolde, die Unzüchtigen, die Ungerechten zu beachten.

c) Auf die Wiedergutmachung des durch die Sünde zugefügten Schadens, sei er an der Seele durch Ärgernis, oder an der Ehre durch Verleumdung, oder an zeitlichen Gütern durch alle Arten von Diebstahl, oder an dem Leib des Nebenmenschen verübt.

Eine wahre übernatürliche Reue erwecken

Was kann und soll man tun, um eine wahre übernatürliche Reue samt dem Vorsatz zu erwecken?

1) Vor allem bitte Gott recht inständig um die große Gnade einer wahren Reue. Gott allein kann unser böses Herz bekehren, es reumütig und bußfertig machen. „Bekehre mich, o Herr, so werde ich bekehrt.“ (Jer. 13,18)

2) Bedenke, was du durch die Sünde (vor allem die Todsünde) verloren hast, nämlich den Himmel und seine ewigen Freuden, die Anschauung Gottes, die Gesellschaft aller Guten und Heiligen, alle deine guten Werke und Verdienste. „Wenn der Gerechte sich abwendet von seiner Gerechtigkeit und Böses tut… all seiner Gerechtigkeit, die er getan, soll nicht nicht mehr gedacht werden.“ (Ezech. 18,24) O ewige, schreckliche unnütze Reue, wenn du jetzt nicht bereust!

3) Erwäge, was du durch die Sünde gewonnen hast. Hier auf Erden Gewissensqual. „Die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht der Herr.“ (Is. 48,22) Immer tieferes Sündenelend. „Jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde.“ (Joh. 8,34) In der Ewigkeit die Hölle. „Weichet von Mir, ihr Verfluchten in das ewige Feuer.“ (Matth. 25) „Wenn dich deine Hand ärgert, so haue sie ab; es ist dir besser, verstümmelt ins ewige Leben einzugehen, als zwei Hände zu haben und in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“ (Mark. 9, 42-43) Und wie heißt es in der geheimen Offenbarung? „Der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit; und sie werden keine Ruhe haben Tag und Nacht.“ (Offenb. 14,11) O zünde doch hier das Feuer heißbrennender Reue in deinem Herzen an, ehe es zu spät ist!

4) Erwäge, warum du gesündigt hast. Was hat dich zur Sünde veranlaßt? Ein kleiner Gewinn, eine augenblickliche Freude. „Wehe ihnen, um eine Hand voll Gerste, um eines Stücklein Brotes willen entheiligen sie Mich und töten ihre Seelen.“ (Ezech. 13,18 u. 19) Und du hast wegen eines Nichts gesündigt trotz der deutlichsten und anhaltendsten Warnungen des Gewissens.

5) Bedenke, was du getan hast, indem du sündigst. Du hast Gottes Gebot, das du wohl kanntest, mit vollem Wissen und freiem Willen übertreten.

Dadurch hast du Gott, den höchsten Herrn, seinen Willen und sein Gesetz verachtet. „Höret es, ihr Himmel, spricht Gott, und nimm es zu Ohren, o Erde, denn der Herr redet! Söhne hab` ich aufgezogen und empor gebracht; sie aber haben Mich verachtet. Es kennt der Ochs seinen Eigentümer, und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber kennt Mich nicht, und mein Volk versteht es nicht. Wehe dem sündigen Volk, wehe diesem Geschlecht unter der Last seiner Missetaten, dem boshaften Volk, den lasterhaften Söhnen! Wohin soll Ich euch noch schlagen, wenn ihr Sünde auf Sünde häuft?“ (Is. 1, 2-5)

Dadurch hast du dich gegen die Majestät Gottes empört. „Der Gottlose streckt wider Gott seine Hand aus und lehnt sich auf gegen den Allmächtigen.“ (Job 15,25) Du Staub und Asche empörst dich gegen den Allmächtigen! O Wahnsinn! O Frevel! O Barmherzigkeit Gottes! Daß du den Rebellen nicht sofort zertrittst!

6) Erwäge, wen du durch die Sünde beleidigt und verachtet hast. Gott, den Dreieinigen, Gott, den Allmächtigen, Gott, den unendlich Gütigen, Heiligen, Gerechten, hast du beleidigt, Ihm, deinem Wohltäter, hast du mit seinen Wohltaten ins Angesicht geschlagen. Was hat dir Gott jemals zuleide getan? „Mein Volk, was tat Ich dir?“ (Improperien)

7) Bedenke, wie du, indem du sündigst, gegen deine lieben Heiland verfährst, der dich in seine Hände gezeichnet, der blutend am Kreuz aus Liebe zu dir – für dich – sich geopfert. Er trägt die schreckliche Buße, die du verdient, an seinem Leib und an seiner Seele, damit du der Strafe entgehst. Und alles, was Jesus für dich getan und gelitten, machst du durch eine einzige Todsünde unnütz. Du verspottest deinen Heiland und kreuzigst Ihn noch einmal, wie der hl. Apostel Paulus sagt. (Hebr. 6,6)

Dies alles bedenke ernstlich, im Hinblick auf den Tod, das Gericht und die Ewigkeit; dann weine und seufze mit Jeremias: „Bekehre Du mich, o Herr, zu Dir, und ich will mich bekehren; erneuere meine Tage, wie in der Vorzeit.“ (Klagel. 5,21)

Wer muss fürchten, beim Empfang des Buß-Sakramentes keine wahre übernatürliche Reue und keinen festen Vorsatz zu haben oder gehabt zu haben?

1) Derjenige, welcher sich nicht einmal bemüht, zu wissen, was wahre Reue ist, und wie sie beschaffen sein muss. Wie viele sind in dieser wichtigsten Sache unwissend!

2) Derjenige, welcher seine Beichten nur mechanisch und gewohnheitsmäßig ablegt, weil es eben ein allgemeiner Beichttag, dies oder jenes Fest ist.

3) Derjenige, welcher gleich nach der Beichte wieder fällt, gar keinen Eifer zeigt, sich zu bessern, keine Mittel zur Besserung anwendet, die bösen Gelegenheiten nicht flieht und keinen Schaden gut machen will. –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 47 – S. 51

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