Unterricht für den Dreifaltigkeit Sonntag

Das Kirchenjahr Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis: In dem Bild sieht man die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn Jesus Christus, Gott Heiliger Geist als Taube; links und rechts davon sind Blumengirlanden, durch die sich ein Band zieht mit dem Schriftzug Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.

Unterricht für den Dreifaltigkeits-Sonntag

An diesem Sonntag mahnt uns die heilige Kirche, Gott und den Nächsten zu lieben, nach dem Beispiel Jesu, und seiner grenzenlosen Barmherzigkeit zu vertrauen. Sie singt deswegen zum Eingang der heiligen Messe: „Herr, ich vertraue auf deine Barmherzigkeit; es frohlockt mein Herz in deinem Heil. Ich will lobsingen dem Herrn, der mir Gutes getan.“ (Ps. 12,6) „Wie lange, o Herr! Wirst Du mein so ganz vergessen? Wie lange wendest Du dein Angesicht von mir?“ (Ps. 12,1) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.

O Gott! Du Stärke aller derjenigen, die auf Dich hoffen, erhöre gnädig unser Flehen, und weil die menschliche Schwachheit ohne Dich nichts vermag, so verleihe uns die Hilfe deiner Gnade, damit wir bei Erfüllung deiner Gebote mit unserm Willen und unsern Werken Dir gefallen mögen; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herr. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Johannes. Kap. 4, V. 9-21

s. 1. Brief des hl. Apostels Johannes Kapitel 4, 9-21

Erklärung und Anwendung.

Kann es wohl einen stärkeren Beweggrund, Gott zu lieben, geben, als die unendliche Liebe Gottes gegen uns? Lieben wir Ihn, da Er zuvor uns geliebt hat! – Ob wir Ihn aber lieben, dafür hat Er uns einen untrüglichen Prüfstein gegeben in unserer Liebe zu den Mitmenschen. Wenn wir diese, die wir sehen, nicht lieben, aus Liebe zu ihnen nichts tun und leiden mögen, wie können wir sagen, daß wir Gott lieben, den wir nicht sehen, und dessen Gebot, den Nächsten wie uns selbst zu lieben, wir nicht befolgen? – Wenn wir unsere Mitmenschen aber lieben, so beweisen wir dadurch, daß wir Gott lieben, indem wir Ihn in seinen Geschöpfen, in seinen Ebenbildern und Erlösten ehren und lieben.

Übung.

Prüfe dich, wie es mit deiner Liebe zu Gott und zum Nächsten stehe, und nimm dir vor, alle Tage etwas aus Liebe zum Nächsten um Gottes willen zu tun oder zu dulden. Erwecke die Tugend der Liebe:
Mein Gott und mein Herr! Du höchstes Gut, in dem, aus dem und durch den alles ist! Ich liebe Dich aufrichtig aus ganzem Herzen, weil Du mein Gott und alles bist. Aus reinster Liebe zu Dir, und weil es also dein heiligster Wille und dein Gebot ist, liebe ich auch alle meine Mitmenschen ohne Ausnahme; ich wünsche ihnen alles Gute an Leib und Seele und das ewige Leben. Amen.

Evangelium nach dem hl. Lukas. Kap. 6, V. 36-42

s. Lukas Kapitel 6, 36-42

Was bedeuten die Worte: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“?

Wenn wir Kinder des himmlischen Vaters sein wollen, so müssen wir durch Nachahmung Ihm ähnlich werden, also auch barmherzig sein, wie Er. Wir müssen demnach, gleich wie Er seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse, Ihm gleich, nicht nur Freunde, sondern auch Feinde, nicht nur die Guten und Frommen, sondern auch die Sünder und Ungerechten lieben und ihnen nach Kräften gerade so Gutes erweisen, wie wir wünschen, daß Gott es uns erweise. (Matth. 5,42-46)

Was heißt das: „Richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden“?

Mit diesen Worten verbietet Christus zweierlei Arten von Urteilen, das freventliche oder vermessentliche, und das angemaßte. Ein freventliches Urteil fällt derjenige, welcher Handlungen des Nächsten ohne rechten Grund und auf bloße Mutmaßungen hin für böse und strafwürdig hält. Niemand kann in das Herz des Nächsten sehen und dessen Meinungen und Absichten erkennen; darüber kann Gott allein urteilen, der Herz und Nieren durchforscht. Ein angemaßtes Urteil heißt dasjenige, wodurch man andere richtet, ohne dazu verpflichtet zu sein. Beiderlei Arten von Urteilen sind sehr sündhaft, indem man dadurch in die Rechte Gottes eingreift (Röm. 14,4) und die Liebe des Nächsten schwer verletzt. Damit zieht man sich ein strenges Gericht zu. „Denn“, sagt der heilige Chrysostomus, „indem du deinen Bruder verdammst, verdammst du dich selbst und reizest den Richter, dich streng zu behandeln.“

Was sagen die Worte: „Vergebt, und es wird euch vergeben werden. Gebt und es wird euch gegeben werden“?

Damit lehrt Christus, daß wir die Vergebung unserer unendlichen Sündenschuld nur unter der Bedingung erhalten werden, daß auch wir unsern Feinden ihre Beleidigungen von Herzen verzeihen – von Herzen, das heißt, mit Ablegung alles heimlichen Grolls, der da hindert, ihn anzusehen, mit ihm freundlich zu reden, wie der hl. Chrysostomus es erklärt. Willst du also Vergebung, so vergib zuerst!
Aus uns selbst arm, haben wir sehr nötig, daß Gott uns gebe. Darum beten wir täglich: Gib uns heute unser tägliches Brot! – Gott gibt uns aber nur unter der Bedingung, daß wir, seine Liebe und Güte nachahmend, auch geben. „Ihr seid meine Armen“, spricht Er gleichsam; „wollt ihr nun, daß Ich euch gebe, so gebt nach Kräften auch den Armen, die um euch sind.“ Und wie reichlich lohnt Gott dieses Wohltun! Wenig nur können wir geben; Er aber belohnt unsere Güte mit vielem, mit einem guten, gerüttelten und aufgehäuften Maße.

Was wollte Jesus durch das Gleichnis vom blinden Führer lehren?

Er wollte damit seine Jünger, welche einst die Hirten und Führer der Völker sein sollten, ermahnen, nicht den Pharisäern zu gleichen, da diese nur blinde Führer seien und sich und die ihrer Leitung Anvertrauten in die Grube stürzen, d. h. zu Grunde richten. Sie aber sollten zuerst ihr Leben nach dem Seinigen einrichten, ihre Worte durch ihr Beispiel bekräftigen und so die Völker zum rechten Ziele führen. – Diese Lehre gilt für alle Jahrhunderte, ist gegeben allen Vorstehern, Eltern, Erziehern, Lehrern. Wer andere belehren, ermahnen, tadeln, auf den Weg des Heiles führen will, tue selbst, wozu er ermahnt, sei frei von dem, was er tadelt, wandle voraus auf dem Weg zum Himmel. Wäre es nicht ebenso sträflich, als lächerlich, an anderen zu tadeln, wessen man selbst schuldig ist, und andern einen Weg weisen, den man selbst nicht kennt?

Übung.

Prüfe dich selber, ob du nicht andere richtest und tadelst; ob du nicht den Splitter im Auge deines Bruders siehst, den Balken im eigenen Auge aber nicht! Siehe dich jeden Morgen vor, wie du anderen mit gutem Beispiel vorangehen wollest.

Gebet.

O Jesus, Du Urquell aller Gnaden und aller Barmherzigkeit, Du befiehlst uns, nach dem Beispiel unseres himmlischen Vaters barmherzig zu sein, nicht zu urteilen, noch zu verdammen, sondern den Notleidenden christliche Hilfe zu leisten. Da wir aber aus uns selbst dies nicht vermögen, so bitten wir Dich durch deine große Liebe und Barmherzigkeit, verleihe uns deinen göttlichen Beistand, damit wir das Tun und Lassen unseres Nächsten nicht freventlich auslegen und nicht übel davon reden, sondern es seiner Unkenntnis zuschreiben, wenn er unrecht tut. Laß uns stets bedenken, daß wir in noch größere Sünden fallen können, wenn deine gnadenreiche Hand uns nicht davon abhält. Demütigst bitten wir Dich, Du wollest unsere Worte, Werke und Gedanken also segnen, daß wir das, was uns zuwider ist, nicht unserm Nächsten zuschreiben, sondern ihn, wie uns selbst, lieben und endlich mit ihm selig werden. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 334 – S. 337

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