Unsere Liebe Frau von Skape in Polen

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Der Gnadenort Unserer Lieben Frau von Skape

Um dieselbe Zeit, da der selige Ladislaus diese Art des Rosenkranz-Gebetes mit Wort und Beispiel Allen empfahl, ereignete sich eine wunderbare Begebenheit. Nahe bei dem Ort Skape, nicht weit von der Straße, die nach Lipna führt, fand man einen Stein von mäßiger Größe, der innerhalb und außerhalb mit dem Bild des heiligen Kreuzes bezeichnet war. Alles bewunderte den seltsamen Stein, bald aber stieg die Verwunderung, als alle, welche sich dem Stein unehrbietig nahten, oder irgend etwas Böses bei ihren Vorübergehen taten, nicht ohne merklichen Schaden davon kamen. Bald zerbrach ein Wagen, und die darin saßen, stürzten zu Boden,, bald verlor der Wagen die Räder oder es zerbrach die Achse, wenn nämlich die Fuhrleute irgend eine ausgelassene, unehrbare, Rede führten. Während man nun erstaunt nachdachte, was es doch wohl mit diesem Stein für eine Bewandtnis habe, kam ein Allen bekannter Greis, der obwohl arm, doch wegen seines gottesfürchtigen Lebens sehr beliebt war, welcher unter einem Eidschwur bekräftigte, daß er bei diesem Stein die allerseligste Jungfrau in wunderbarem Glanz gesehen habe, welche also sprach: „Dieser Ort ist Gott und mit wohlgefällig; es ist heilig Land und uns geweiht. Von nun an soll er der göttlichen Verehrung gewidmet und von allen unversehrt bewahrt werden. Ich will die Religiosen haben, welche meinem Sohn wohl gefallen, und dem Gottesdienst obliegen sollen, der hier stattfinden wird. Mit diesen Worten verschwand die heilige Jungfrau.“ Alles war erstaunt über die Aussage des Mannes, und alsbald fand der Ort hohe Verehrung. Von allen Seiten strömte das Volk herbei, um da zu beten. Viele Kranke und Bedrängte kamen, machten Gott und der heiligen Jungfrau Gelübde und fanden Erhörung. Von Tag zu Tag nahm die Verehrung zu. –

Man hatte in demselben Jahr ein hohes Kreuz an dem Ort errichtet, und mehr als hundert unglückliche Menschen kamen, um Hilfe zu finden. Unter ihnen befanden sich zwei Elende, welche vom Teufel besessen grausam gequält wurden. Ihre Freunde führten sie; kaum aber nahten sie sich dem heiligen Ort, als sie sich ihren Händen entwanden und in den nahen Wald entflohen. Man fing sie wieder und führte sie trotz ihres Widerstrebens an den bezeichneten Ort. Nun brachen sie in ein schreckliches Geschrei aus und riefen, daß sie von der heiligen Jungfrau Maria sehr gequält würden, und beklagten sich über die Gewalt, welche ihnen dieselbe antue. Auch sagten sie aus, daß in kurzer Zeit einige Religiose, die bloßfüßig gehen, diesen Ort in Besitz nehmen würden. Kaum hatten die Teufel dies gesagt, als sie ausfuhren und die Befreiten der Himmelskönigin Dank sagten. Wie die bösen Geister, von der Himmelskönigin gezwungen, voraus gesagt hatten, so traf es zu. Es wurden Väter aus dem Orden des heiligen Franziskus herbei gerufen, welche der selige Ladislaus der bereits zum Provinzial-Vikar erhoben worden war, sendete und eine Kapelle an den Ort, wo das Kreuz errichtet war, erbaute. Allein der Pfarrer von Skape wollte dies nicht zugeben. Von rechtschaffenen Männern wurde er gemahnt, dem Willen Gottes sich nicht zu widersetzen, und als man ihm sagte, daß mehrere andächtige Pilger in der Kapelle der heiligen Jungfrau zur Nachtzeit Engelsstimmen haben singen hören, welche dies mit einem Eid bekräftigen wollten, brach er sogar vor Zorn in Lästerungen aus und suchte die Kapelle zu verunehren. Aber kaum hatte er dies getan, als er plötzlich von einer Krankheit getroffen zur Erde stürzte, so daß man ihn nach Hause tragen musste. – Von den Schmerzen der Krankheit arg gequält, erkannte er endlich seine Schuld, rief die allerseligste Jungfrau um ihre Fürbitte an, und tat das Gelübde, er wolle von nun an gerne ihr Lob verkünden, und in einer feierlichen Prozession zur Kapelle gehen, um ihr seine Huldigung darzubringen, wenn sie ihm die Gesundheit gewähren würde. Und siehe, kaum hatte er sein Gelübde gemacht, als er sogleich gesund wurde. Er erfüllte auch sein Gelübde, ging mit seinen Pfarrkindern in die heilige Kapelle, dort bekannte er seine Schuld, bat die Väter Franziskaner um Vergebung, hielt ein feierliches Lobamt auf dem, mit dem Bild der Lieben Frau gezierten Altar und dankte für seine Genesung.

Nicht lange darauf wurde der Pfarrer von Skape mit mehreren Amtsbrüdern von einem vornehmen Herrn zu Tisch geladen. Bevor sie sich zu Tische setzten, wurde ihnen Wasser zum Waschen der Hände gereicht. Während dessen sagte ein benachbarter Pfarrer zu dem von Skape: „Warum gestatten denn Eure Hochw. diesen Bettelmönchen eine neue Kapelle in Eurer Pfarrei zu erbauen, zum Schaden Eurer Kirche, die bald verlassen sein wird? Ihr vergeßt die Sorge für Eure Schäflein! Könnt ihr wohl dies zugeben? Entfernt diese Mönche mit samt ihrem Hause!“ Doch der Pfarrer von Skape entgegnete, daß dieser Ort von der allerseligsten Jungfrau auserwählt sei und unter ihrem Schutz stehe. Er wolle nichts gegen den Willen der Gottesmutter unternehmen und sich neuer Gefahr aussetzen; vielmehr wolle er die Verehrung der Lieben Frau so viel möglich befördern. Darüber aber lachte der Pfarrer und begann sogar zu spotten und zu lästern. Aber auch ihn traf die Hand Gottes, er fiel plötzlich heulend und schreiend zu Boden und verlor Sprache und Vernunft. So brachte man ihn nach Hause. Als er wieder zu sich kam, erkannte er seine Schuld, bereute sie bitterlich, und gelobte ebenfalls mit seinen Pfarrangehörigen eine Prozession zur heiligen Kapelle zu halten. Darauf ward er gesund und vollzog mit größtem Dank sein Gelübde. Die Franziskaner-Brüder nahmen nun friedlich Besitz von dem heiligen Ort, und sangen Tag und Nacht das Lob der Himmelskönigin.

Der selige Ladislaus hatte immer eine besondere Andacht zur Lieben Frau von Skape. Er selbst kam dahin und unter seiner Leitung gelangten die Brüder zur großen Vollkommenheit die sie Gott und der heiligen Jungfrau wohlgefällig machte. Auch unterließen die Brüder nicht, den von dem seligen Ladislaus eingeführten Rosenkranz zur Ehre der Gottesmutter zu beten. Wie wohlgefällig dies der Lieben Frau gewesen, bestätigten häufige Wunder. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1120 – Sp. 1125

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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