Sich den Heimsuchungen unterwerfen

Von der Ergebung in die Fügungen der göttlichen Vorsehung

Der Weg zum inneren Frieden

In welchen Dingen wir uns den Anordnungen der göttlichen Vorsehung unterwerfen sollen.

Wir sollen uns in allen Dingen dem Willen Gottes unterwerfen

I. Die erste Frage ist jetzt, worin wir uns dem Willen Gottes unterwerfen sollen. Ich antworte: „In allen Dingen.“ Die Hauptpunkte, die alles übrige in sich schließen, wollen wir etwas näher ins Auge fassen. Um mit dem Unbedeutendsten anzufangen, so sollen wir uns in jede Witterung fügen; Hitze und Kälte, Regen und Hagel, Sturm und Ungewitter müssen wir ruhig und willig annehmen. Statt ungeduldig oder zornig zu werden, wenn das Wetter uns nicht behagt, sollen wir nicht nur mit jedem Wetter, wie es Gott uns schickt, zufrieden sein, sondern, wenn uns eine Witterung beschwerlich fällt, mit den drei Jünglingen im Feuerofen ausrufen: „Kälte und Hitze, Eis und Schnee, Blitze und Wolken, preiset den Hern, lobet und verherrlicht ihn in Ewigkeit.“ –

Die leblose Natur ehrt den Herrn durch die Erfüllung seines heiligsten Willens unbewußt; wir müssen ihn verherrlichen, indem wir bewußter Weise in die natürlichen Vorgänge einstimmen. Oft ist auch das Wetter, das uns so unangenehm ist, einem andern höchst willkommen; es vereitelt unser Vorhaben, aber es begünstigt die Pläne vieler unserer Mitmenschen. Und wenn dem nicht so wäre, wissen wir denn nicht, daß jedes Wetter zur Ehre Gottes gereicht und seinem heiligen Willen entspricht? Sollte uns dies nicht genügen? – Im Leben des hl. Franz von Borgia lesen wir ein schönes Beispiel der Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes. Dieser Heilige besuchte einst ein Kloster seines Ordens und kam erst spät abends dort an. Da alles schlief, so musste er bei der strengsten Kälte und während eines heftigen Schnee-Gestöbers sehr lange vor der Türe warten. Endlich hört man sein Klopfen, man öffnet und entschuldigt sich tausendmal, daß man ihn bei einem solchen Wetter so lange draußen habe stehen lassen. Allein der Heilige sagte: „Es hat mir den süßesten Trost gewährt, zu bedenken, daß es Gott war, der so heftig auf mich schneien ließ!“

Diese Gleichförmigkeit ist Gott so wohlgefällig, daß sie oft selbst auf das zeitliche Wohl sichtlichen Einfluss hat. Dies beweist die Geschichte jenes frommen Landmannes, dessen bei den ersten Vätern der Wüste Erwähnung geschieht: seine Felder trugen immer mehr als alle andern, und als seine Nachbarn ihn fragten, woher dies komme, so antwortete er: „Wundert euch nicht über den reichen Ertrag meiner Saaten; ich habe immer auch gerade das Wetter, welches ich wünsche.“ Erstaunt über diese Worte, drangen sie in ihn mit der Bitte, er möge ihnen doch erklären, wie das möglich sei. „Dies kommt daher“, erwiderte der fromme Landmann, „weil ich nie ein anderes Wetter wünsche als dasjenige, welches Gott will; und da ich alles will, was ihm gefällt, so verleiht er mir auch eine Ernte, so gut und so reichlich, wie ich sie nur wünschen kann.“

Wir sollen uns in allen öffentlichen Heimsuchungen dem Willen Gottes unterwerfen

II. Wir sollen uns in allen öffentlichen Heimsuchungen, in Krieg, Hungersnot, Pest, usw., dem Willen Gottes unterwerfen und seine göttliche Gerechtigkeit in tiefster Demut anbeten. So streng uns auch die Strafgerichte des Herrn scheinen, so müssen wir uns doch sagen, daß ein unendlich gütiger Gott solche Geißeln nicht über uns hereinbrechen ließe, wofern es nicht vielen Seelen zum höchsten Nutzen gereichte. Wie vielen Seelen wurden nicht durch Trübsal gerettet, während sie auf jedem andern Wege zu Grunde gegangen wären! Wie viele Seelen bekehren sich nicht in der Stunde der Prüfung von ganzem Herzen zu Gott und sterben in wahrer Reue über ihre Sünden! So ist das, was wir als eine Züchtigung und als eine Strafrute Gottes betrachten, oft eine ganz besondere Gnadenwirkung seiner unendlichen Barmherzigkeit. Was uns persönlich angeht, so müssen wir uns ganz von dem trostreichen Gedanken durchdringen lassen, daß alle Haare unseres Hauptes gezählt sind, und daß keines derselben ohne den Willen unseres himmlischen Vaters von unserm Haupte fällt. Dies will sagen, daß man uns nicht das Geringste anhaben kann, ohne daß Gott es will oder zuläßt. Im Lichte dieser Wahrheit werden wir leicht erkennen, daß wir zur Zeit allgemeiner Bedrängnis weder mehr noch weniger zu befürchten haben als zu jeder andern; denn Gott kann uns ebenso gut inmitten allgemeiner Bedrängnis vor jedem Unheil bewahren, als er uns in Not und Elend stürzen kann, wenn alles um uns her ruhig und glücklich ist.

Wir haben also nichts anderes zu tun als die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, des Allmächtigen, auf uns herabzurufen, und dieses können wir am besten und sichersten durch die Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes. Seien wir also stets bereit, alles sogleich gern und freudig aus Gottes Hand anzunehmen; diese Gesinnung vermag alles über sein göttliches Herz. Gerührt von unserer demütigen und vertrauensvollen Ergebung, wird er uns entweder die Drangsale, die wir so großmütig angenommen haben, zum größten Verdienste und Heile gereichen lassen, oder er wird uns ganz damit verschonen.

Die Geißel Gottes

Ein merkwürdiges Beispiel hiervon liefert uns die Geschichte Attilas, des berühmten Hunnenkönigs, der nicht mit Unrecht „Gottes Geißel“ genannt wurde. Dieser wilde Länderstürmer war mit gewaltiger Heeresmacht in Gallien eingebrochen; schon hatte er die Städte Reims, Cambrai, Besançon, Auxerre und Langres seine ganze Wut fühlen lassen und stürmte nun auf Troyes los. Entsetzen ergriff alle Bewohner dieser Stadt; aber ihr Bischof, der hl. Lupus, verzagte nicht. In festem Vertrauen auf den Schutz des Himmels ging er, das Kreuz voran und von seiner Geistlichkeit begleitet, in vollem Ornate dem Hunnenfürsten entgegen und fragte ihn: „Wer bist du?“ – „Ich bin die Geißel Gottes“, antwortete Attila. Darauf der heilige Bischof: „Die Geißel Gottes sei uns willkommen!“ Und er befahl, dem wilden Eroberer die Tore der Stadt zu öffnen. Dies geschah; allein Gott, der die Herzen der Menschen nach seinem Wohlgefallen lenkt, besänftigte dermaßen die wilde Raubgier der Hunnen, daß sie durch die Stadt zogen, ohne auch nur den geringsten Schaden anzurichten. Und hierzu bemerkt Rodriguez, daß, obwohl Attila wirklich eine Geißel Gottes war, er es nach dem Willen Gottes doch nicht für jene sein sollte, die ihn als solche mit so großer Ergebung empfingen. –
aus: P. von Lehen S.J., Der Weg zum innern Frieden 1896, Kap. 2, S. 23 – S. 26

Category: Betrachtungen, von Lehen
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