Kampf gegen Liberalismus und Sozialismus

Ein Porträt des großen spanischen Staatsmannes und Philosophen Donoso Cortes, für den Theologie Wissenschaft in Allem ist: er sitzt seitlich, den Kopf zum Betrachter gewendet, edel gekleidet sowie mit Auszeichnungen geschmückt

Die Apokalyptik Donoso Cortés (1809-1853)

Teil 3

Der Kampf gegen Liberalismus und Sozialismus

Was die Welt bisher gerettet hat, ist der Umstand, daß die Kirche in der Vergangenheit über die nötigen Machtmittel verfügte, um die Häresien auszurotten. Die Häresien, die Ihre Hauptstärke darin besitzen, mit den Worten der Kirche eine ganz andere, vom Dogma der Kirche grundverschiedene Lehre zu verkünden, hätten schon längst die Welt ihrer letzten Katastrophe entgegen geführt, wenn sie nicht von der Kirche immer noch rechtzeitig unterdrückt worden wären. Die wirkliche Gefahr begann für die menschlichen Gesellschaften erst mit dem Tag, wo die große Häresie des 16. Jahrhunderts in Europa Bürgerrecht erhielt. Seitdem wird jede Revolution zu einer Todesgefahr für die Gesellschaft. Die Todesgefahr liegt darin, daß jede Revolution in der protestantischen Häresie wurzelt und daher von Grund auf häretisch ist. Man betrachte doch nur, wie jede sich zu rechtfertigen sucht und mit Worten und Grundsätzen aus dem Evangelium legitimieren will! Der Sanskulottismus der ersten französischen Revolution erblickte im Gotteslamm, in Seiner sanften Milde und demütigen Selbstentäußerung sein geschichtliches Vorbild und sein Adelspatent! Aus der Revolution von 1830 entsprang der Saint-Simonismus; für seine after-mystischen Extravaganzen musste ein Evangelium herhalten. Aus der Revolution des Jahres 1848 ergossen sich mit dem Ungestüm eines Gebirgsstromes die Massen der mannigfaltigen sozialistischen Doktrinen. Aber alle waren in das Gewand des Evangeliums gehüllt.

Nicht als ob auch die katholische Welt vor dem 16. Jahrhundert schwere Heimsuchungen, gewaltige Erschütterungen und Umwälzungen erfahren habe. Aber alle diese Leiden und Erschütterungen sind nicht imstande gewesen, die Gesellschaft nieder zu ringen oder ihr gar den Todesstoß zu versetzen.

Heutzutage ist es umgekehrt. Eine einzige von der Gesellschaft in den Straßen von Paris verlorene Schlacht reicht hin, um die ganze europäische Gesellschaft wie von einem Blitzstrahl getroffen nieder zu strecken:

E cadde como corpo morto cade – Und sie fiel, wie ein Leichnam fällt.

Die neuzeitlichen Revolutionen besitzen eine destruktive Gewalt, der nichts widerstehen kann, eine Gewalt, wie sie die Revolutionen früher nicht besessen. Von Gott kann diese destruktive Gewalt nicht stammen. Also ist sie vom Teufel.

Hinter dem Liberalismus kommt der Sozialismus mit seinen Theorien von heiligen Massenaufständen und heroischen Verbrechen. Aber auch der Sozialismus wird nicht der letzte in der Reihe sein. Denn fern am Horizont bilden sich bereits neue Wolken, die noch blutiger aussehen. Das neue Evangelium für die Welt wird man wohl in einem Zuchthaus schreiben. Wenn die Welt einmal von diesen neuen Aposteln mit ihrem neuen Evangelium beglückt wird, hat sie, was sie verdient. –
aus: Donoso Cortes, Untergang oder Wiedergeburt des Abendlandes? Die europäischen Geschichts-Prophetien des großen spanischen Staatsmannes, 1953, S. 47 – S. 48

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