Teufel und Verderbtheit der Menschen

Die wahre Lehre vom Teufel

Teil 2: Der Teufel und die Verderbtheit der Menschen

Wenn er (der Teufel) trotzdem auch jetzt in der Welt so große Macht besitzt, daß er sogar in der Schrift Fürst und Gott dieser Welt genannt wird (Joh. 12, 31; 2. Kor. 4,4), so ist daran nur die Verderbtheit der Menschen schuld. (Estius, In 2. Cor. 4,4 ) Sie legen in Trägheit die Waffen weg, die sie unüberwindlich gegen seine List und Macht machen würden (Vitae Patrum 7, 25, 1; Teresa, Leben, Kap. 31), sie ersparen ihm selbst die Mühe der Versuchung, da sie, noch ehe er sie angreift, bereits tun, was ihm beliebt (Vitae Patrum 7, 25, 2; 6, 10, 66). Und wenn er sie gleich Bäumen fällt, so ist es jedesmal ihr böser oder lässiger Wille, der ihm die Axt dazu in die Hand gibt. (Ebd. 7, 25, 4)

Dies die Lehre der katholischen Kirche über die Macht Satans und die Überzeugung, welche zu allen Zeiten dort vorherrschte, wo der kirchliche Geist in Kraft war.

Wer aber nun die Menschen kennt, wird sich nicht darüber wundern, daß sie auch mit diesen an sich so richtigen Anschauungen oft starken Missbrauch getrieben haben. Es ist längst aufgefallen, daß in den Sagen des Mittelalters, ganz im Gegensatz zu den späteren, der Teufel bei einem Bund mit ihm sehr häufig den kürzeren zieht. Meist muss er sich mit einem Wolf, einem Hahn, einem Hund statt der ausbedungenen Seele begnügen, oft geht er auch ganz leer aus. Es genügt, auf die bekannte Sage von Theophilus und auf die Legende von Reprobus oder Christophorus hinzuweisen. Wir stellen nicht in Abrede, daß manche dieser Legenden eine Ausartung des richtigen Glaubens in sich begreifen, und daß namentlich in französischen und spanischen Darstellungen die Geringschätzung gegen Satan bis zu einem gewissen kecken Mutwillen in Bezug auf das Heil fortschreitet. Wenn man aber geglaubt hat, den Ausdruck echt katholischer Gesinnung darin sehen zu müssen, daß es nach diesen Sagen nichts weiter bedürfe, um dem Teufel zu entgehen, als einer gewissen Summe frommer Äußerlichkeiten (Roskoff, Geschichte des Teufels II 375f), so hat man sich an die unrechte Adresse gewendet. Die wahre katholische Anschauung zeigt sich in den Sagen von jenen Kaufherren, Zauberern und Rittern, bei denen schließlich der Böse doch das Unsterbliche holt, weil sie leider vergessen haben, daß, will man des Bösen, mit dem man sich eingelassen, wieder los werden, außer diesen klugen und frommen Äußerlichkeiten auch die Innerlichkeit, nämlich wahre Bekehrung des Herzens, unerläßlich, ja die Hauptsache ist. So arg ist also der Leichtsinn des Mittelalters gerade nicht, wie man ihn ausmalt. Aber daß dieses manchmal zu weit ging, das braucht man durchaus nicht in Abrede zu stellen.

Jedoch diese Übelstände sind verhältnismäßig geringfügig gegen das Unheil, das mit dem Sinken des alten Glaubens eintrat. –
aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. II Humanität und Humanismus, 1908, S. 536 – S. 538

Category: Kulturgeschichte, Weiß
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