Jesus überträgt Petrus das oberste Hirtenamt

Jesus Christus übergibt dem heiligen Petrus die Schlüssel und damit die Schlüsselgewalt über die Kirche

Jesus überträgt dem hl. Petrus das oberste Hirtenamt

Text aus der heiligen Schrift

Die Apostel waren auf dem Befehl des Herrn von Jerusalem weg nach Galiläa gegangen. (Mt. 28,16). Da offenbarte er sich ihnen wiederum am See Tiberias (1), und zwar in folgender Weise: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, Nathanael, der von Kana in Galiläa war, die Söhne des Zebedäus (2) und zwei andere von seinen Jüngern. Da sprach zu ihnen Simon Petrus: „Ich gehe fischen.“ Sie sprachen zu ihm: „Wir gehen mit dir.“ Und sie gingen hinaus und stiegen in das Schifflein (3); doch in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber Morgen geworden, stand Jesus am Ufer; die Jünger erkannten ihn jedoch nicht. Jesus sprach zu ihnen: „Kinder, habt ihr etwas zu essen?“ Sie antworteten ihm. „Nein!“ Er sprach zu ihnen: „Werfet das Netz zu Rechten (4) des Schiffes aus, so werdet ihr etwas finden.“ Sie warfen es aus, und nun konnten sie das Netz nicht mehr heraus ziehen wegen der Menge der Fische. (5) Da sagte jener Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Sowie Petrus hörte, daß es der Herr sei, gürtete er sich den Überwurf um (denn er war unbekleidet (6)) und warf sich ins Meer (7); die andern Jünger aber kamen mit dem Schifflein; sie waren nämlich nicht weit vom Lande entfernt, nur etwa 200 Ellen (8). Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer angelegt, einen Fisch darauf und Brot dabei. (9) Jesus sprach zu ihnen. „Bringet von den Fischen her, die ihr eben gefangen habt.“ Petrus stieg hinein und zog das Netz, das mit 153 großen Fischen (10) angefüllt war, ans Land; und obwohl ihrer so viele waren, zerriß das Netz doch nicht. Jesus sprach zu ihnen: „Kommet und esset!“ Sie ließen sich nun bieder, aber keiner von ihnen wagte es, ihn zu fragen:“Wer bist du?“ Denn sie wußten, daß es der Herr war. (11) Jesus nahm dann das Brot und gab es ihnen, ebenso auch den Fisch. Dieses war nun das dritte Mal, daß sich Jesus seinen Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war. (12)

Anmerkungen zum Text

(1) Nach manchen nahe bei der Stadt Tiberias selbst, nach andern bei Ain et-Tabigha (Kirche ad mensam Domini).
(2) Jakobus der Ältere und Johannes.
(3) Das eine Schifflein sinnbildet die aus dem Judentum und Heidentum gebildete und vollkommen geeinte Kirche unter Petrus, ihrem sichtbaren Oberhaupt (vgl. Eph. 2,14ff).
(4) Die Seite der Auserwählten; hier soll der Segen des Primates, d.i. des Oberhirtenamtes Petri, angedeutet werden; und es kommen hier nur die in Betracht, die mit der Gnade getreu mitwirken und wirklich selig werden.
(5) Jesus wirkte hier zur Einleitung der feierlichen Einsetzung des hl. Petrus in sein Oberhirtenamt dasselbe Wunder wie damals, als er ihn bleibend zu seiner Nachfolge berief und ihm seine Stelle und Aufgabe in der Kirche andeutete. Das Wunder sollte jenes frühere nebst seiner Bedeutung in Erinnerung bringen; es sollte die Apostel lehren, von wem allein sie allen Segen und Erfolg ihrer apostolischen Tätigkeit zu erwarten hätten, und wie sie, in Liebe miteinander verbunden, unter ihrem Oberhaupt treu zusammen wirken müßten. Zugleich sollte das Wunder den Petrus und dessen Gefährten im Glauben an Jesu Auferstehung und Allmacht aufs neue bestärken. Bemerkenswert sind auch die von jenem ersten Fischfang verschiedenen Umstände, nämlich daß nur von einem Schifflein die Rede ist; daß das Netz zur Rechten ausgeworfen, daß die Zahl und Größe der Fische bemerkt, daß das Netz ans Land gezogen wird, und daß es nicht zerreißz; – lauter Hindeutungen darauf, daß die Auserwählten, d.h. Die, welche wirklich an das Gestade der seligen Ewigkeit gelangen, dahin nur kommen als echte Kinder der einen Kirche Christi, deren Oberhaupt Petrus ist und seine rechtmäßigen Nachfolger (und außerhalb der Kirche nur jene, die Gottes Allwissenheit innerlich, der Gesinnung nach, mit dieser einen wahren Kirche verbunden sieht, obwohl sie äußerlich, aber ohne ihre Schuld, von derselben getrennt sind.) Vgl. S. Aug., In Ioannis Evangelium c. 21, Tractatus 122, 6-8 und Sermones 248-252.
(6) Er war wohl nur mit dem kurzen Fischerhemd bekleidet; darüber zog er nun rasch, aus Ehrfurcht gegen Jesus, das ärmellose Überkleid an und befestigte es mit dem Gürtel.
(7) Um unverweilt zum Herrn zu kommen, während die andern mühsam das Netz nachzogen und nicht so rasch zur Stelle kamen.
(8) Es ist wohl die griechische Elle gemeint. Danach betrugen die 200 Ellen ½ Stadium oder 300 Fuß = 93 ½ m; die Elle etwa 0,47, der Fuß etwa 0,31 m.
(9) Die Apostel hatten die ganze Nacht gearbeitet, waren müde und hungrig und hatten weder Brot noch Feuer. Es herbei zu schaffen hätte immerhin ziemliche Zeit erfordert. Gott denkt an ihre Bedürfnisse und gibt ihnen hier wieder einen Beweis seiner liebevollen Fürsorge und Freigebigkeit, auf die sie in ihrem apostolischen Wirken sich unbedingt verlassen sollen. Mit derselben Freigebigkeit deckt der göttliche Erlöser denen, die für ihn leben und arbeiten, den Tisch geistiger Erquickung in seiner göttlichen Lehre und dem heiligen Sakrament und bereitet ihnen das ewige, glückselige Gastmahl im Himmel.
(10) Die Fische sind groß, weil sie die Auserwählten sinnbilden, die groß sind durch Reinheit und Heiligkeit des Lebens, durch Edelsinn und heldenmütige Tugenden. Darum zerreißt auch das Netz nicht; keiner geht verloren (vgl. Joh. 17,12), sondern alle gelangen ans Gestade der seligen Ewigkeit. Ihre Zahl wird angegeben, um zu zeigen, wie reich dieser Fischzug war, und wie tief sich das Wunder den Aposteln einprägte.
(11) Sie sahen es unzweifelhaft an dem Wunder und dem ganzen Verhalten Jesu. Obgleich es ihm gefiel, ihnen nicht in der wohl bekannten Gestalt zu erscheinen, so wagten sie doch nicht zu zweifeln, weil jenes Wunder und ihr Herz ihnen sagte, daß es Jesus sei. Ähnlich prüft Jesus unsern Glauben bei dem himmlischen Gastmahl des allerheiligsten Sakramentes. Der Glaube ergänzt oder ersetzt die Unzulänglichkeit der Sinne.
(12) Gemeint sind die Erscheinungen vor allen oder der Mehrzahl der Apostel. So erschien ihnen Jesus am Abend des Auferstehungstages, acht Tage später und hier, die drei Erscheinungen des Herrn vor seinen Jüngern, die der hl. Johannes erwähnt.

Jesus verleiht Petrus endgültig den Primat

Nach dem Mahl sprach Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Petrus antwortete: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe.“ Jesus sprach zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Abermals sprach er zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Petrus antwortete: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe.“ Jesus sprach zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Er sprach zum dritten Mal zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Da ward Petrus traurig (13), daß Jesus zum dritten Mal ihn fragte: „Liebst du mich?“ und sprach zu ihm: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, daß ich dich liebe.“ Jesus sprach zu ihm: „Weide meine Schafe.“

Jesus, der wahre und gute Hirte, setzt hier Petrus zu seinem Stellvertreter ein und überträgt ihm feierlich das früher verheißene Oberhirtenamt seiner Kirche. Denn der Heiland spricht hier zu Petrus allein, nicht zu allen Aposteln; ja er hebt ihn durch die Frage: „Liebst du mich mehr als diese?“ geradezu aus der Reihe der übrigen Apostel heraus. Ihm allein also und seinen rechtmäßigen Nachfolgern übergibt er die Leitung der ganzen Kirche; denn Lämmer und Schafe bezeichnen die ganze Herde. – Die dreimalige Frage Jesu deutete offenbar auf die dreimalige Verleugnung hin, die Petrus durch das dreimalige Bekenntnis seiner innigen, feurigen Liebe wieder gutmachen sollte, und wollte zu erkennen geben, daß trotz der Verleugnung die ehemalige Verheißung jetzt erfüllt werde. Auch deutete Jesus damit allen Hirten seiner Kirche an, daß sie nicht sich und das Ihrige suchen und lieben dürfen, sondern Jesus, und daß die Liebe zu ihm die Triebfeder der Verwaltung ihres heiligen Amtes sein müsse. (14)

Anmerkungen

(13) Demütig hatte Petrus sich auf die Allwissenheit Jesu bezogen und nicht gewagt zu sagen, er liebe ihn mehr. Die zum dritten Mal wiederholte Frage aber erinnerte ihn an die dreimalige Verleugnung und ließ ihn befürchten, er möge sich auch jetzt ähnlich über seine Liebe täuschen wie damals über seine Standhaftigkeit.
(14) Vgl. S. Aug., Tract. 123 in Ioan. n.5

Jesus verheißt Petrus das Martyrium

„Wahrlich, wahrlich, sage ich dir, da du jünger warest, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest. Wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst!“ Dieses aber sagte Jesus, um anzudeuten, durch welche Todesart Petrus Gott verherrlichen werde.

Als Jesus dies gesagt hatte, sprach er zu Petrus. „Folge mir nach!“ Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger, den Jesus lieb hatte, nachfolgen, denselben, der auch beim Abendmahl an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: „Herr, wer ist`s, der dich verraten wird?“ Da nun Petrus diesen sah, sprach er zu Jesus: „Herr, was soll aber dieser?“ Jesus sprach zu ihm: „Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Du, folge mir!“ Daher verbreitete sich unter den Brüdern die Sage, daß jener Jünger nicht sterbe. Jesus aber sagte nicht zu ihm, daß er nicht sterbe, sondern: „Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?“ Dieser ist der Jünger, der hiervon Zeugnis gibt und dieses geschrieben hat (15), und wir (16) wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.

Jesus beruhigt Petrus über seine Befürchtung durch die feierliche Verheißung, daß er ihm jetzt beharrlich und mutig treu bleiben und ihm sogar den höchsten Beweis der Liebe durch Hingabe seines Lebens geben, ja ihm selbst, dem „Fürsten der Hirten“ (1. Petr. 5,4), als sein echter Stellvertreter im Hirtenamt auch in der Art des Todes gleich sein und wie er selbst am Kreuz sterben werde. Die Worte: „Du wirst deine Hände ausstrecken (nämlich am Kreuz), und ein anderer wird dich gürten (d.h. Wird dir Gürtel, Bande anlegen, dich ans Kreuz festbinden, dich annageln) und wird dich führen, wohin du nicht willst“ (nämlich dem bloß natürlichen Menschen nach), bezeichnen den Tod des hl. Petrus als einen gewaltsamen und für den natürlichen Menschen überaus bittern.
Die Worte Jesu über die Todesart des Petrus waren dunkel und geheimnisvoll. Mit Recht hat man daher aus obiger Bemerkung des hl. Johannes geschlossen, daß die ersten Leser seines Evangeliums bereits die Erfüllung erlebt hatten und sehr gut wußten, auf welche Weise der hl. Petrus gestorben war. Wußten sie aber dies, dann wußten sie auch den Ort, wo er gestorben war, und da als solchen das christliche Altertum von Anfang an stets Rom, nie einen andern Ort bezeichnet, so gibt das Evangelium selbst, weil für die Art des Todes, eben darum auch für den Ort desselben, ein zwar mittelbares, aber sehr sicheres Zeugnis. Ein sinnbildliche Handlung soll die Berufung des hl. Petrus vollenden: „Folge mir!“ nämlich in der vollkommensten Weise, selbst bis zum Tod am Kreuz! Alsbald regt sich in Petrus die Neugierde, zu wissen, ob nicht auch der Liebesjünger Jesu bis zum Tod am Kreuz folgen soll. Jesus verweist ihm seine Neugierde: Wenn ich ihm nicht mit dir gesagt habe: „Folge mir!“ sondern wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Siehe du nur auf deine hohe Berufung.

Anmerkungen:

(15) Worte des hl. Johannes selbst, der im ganzen Evangelium von sich in der dritten Person redet, und feierliche Bezeugung der Wahrheit dessen, was er im ganzen Evangelium erzählt. (Ähnlich wie Joh. 19,35; 1. Joh. 1,1)
(16) „Wir“, d.h. der Evangelist und seine Schüler; vgl. Joh. 19,35. Wahrscheinlich aber führen in diesem Sätzchen einige aus der Umgebung des Apostels Johannes das Wort und nicht mehr der Apostel selbst.

Auch bezüglich des Liebesjüngers gebrauchte Jesus in ähnlicher Weise wie bei Petrus dunkle, geheimnisvolle Ausdrücke. Was seine Worte bei Petrus bedeuteten, wußte man, als der hl. Johannes sein Evangelium schrieb, längst durch die Erfüllung; man schloß daraus, daß, im Gegensatz dazu, Johannes nicht sterben, sondern bis zur Wiederkunft des Herrn leben werde. Zu dieser Meinung kam man um so leichter, als man sich vielfach diese Wiederkunft nahe dachte und Johannes immer noch lebte, während bereits alle Apostel heimgegangen waren. Johannes selbst konnte diese Meinung nicht als absolut irrig bezeichnen, aber auch nicht als sicher richtig erklären. Darum begnügt er sich mit der Bemerkung, daß jene Meinung keineswegs notwendig in den Worten Jesu begründet sei, daß diese vielmehr wahr blieben, auch wenn er sterbe. So war es auch; die Worte Jesu besagten eben nur, daß Johannes nicht wie Petrus am Kreuz und überhaupt nicht als Märtyrer wie die übrigen Apostel sterben, daß vielmehr Jesus selbst kommen und ihn durch einen natürlichen Tod aus dieser Welt abholen werde (Joh. 14,3); danach aber sehnte sich Johannes sehr. (Offb. 22,20) –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. II, Neues Testament, 1910, S. 604 – S. 608

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