Dritter Sonntag nach Erscheinung des Herrn – Der Aussätzige und der heidnische Hauptmann
Eingang zur heiligen Messe.
„Betet den Herrn an, ihr alle seine Engel! Es hört`s und freit sich Sion, und die Töchter Judas frohlocken. – Der Herr regiert, es freue sich die Erde, es freue sich die Menge der Inseln!“ (Ps. 96, 1. 8) – Ehre sei dem Vater etc.
Gebet der Kirche.
Allmächtiger, ewiger Gott! Sieh gnädig auf unsere Schwachheit und strecke die starke Hand deiner Majestät zu unserm Schutz aus, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.
Evangelium nach dem hl. Matthäus. Kap. 3, Vers 1-13.
Als zu derselben zeit Jesus vom Berge herab stieg, folgte Ihm viel Volk, und siehe, ein Aussätziger kam, betete Ihn an und sprach: „Herr, wenn Du willst, so kannst Du mich reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: „Ich will, sei gereinigt! Und sogleich war er gereinigt von dem Aussatz. Und Jesus sprach zu ihm: Sieh zu, daß du es niemand sagest: sondern geh` hin, zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, welche Moses befohlen hat, ihnen zum Zeugnis. Da Er aber in Kaphernaum eingegangen war, trat ein Hauptmann zu Ihm, bat Ihn und sprach: Herr! Mein Knecht liegt zu Hause an der Gicht krank und leidet große Qual.
Und Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Und der Hauptmann antwortete und sprach: Herr! Ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit unterworfen, und habe Kriegsleute unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh! so geht er; und zu dem andern: Komm her; so kommt er; und zu meinem Knecht: Tue das, so tut er`s.
Da nun Jesus das hörte, wunderte Er sich und sprach zu denen, die Ihm folgten: Wahrlich, sag`Ich euch, solch großen Glauben habe Ich in Israel nicht gefunden. Aber Ich sage euch, daß viele von Aufgang und Niedergang kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen werden; die Kinder des Reiches aber werden in die äußerste Finsternis hinaus geworfen werden; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh` hin, und wie du geglaubt hast, soll dir geschehen. Und in derselben Stunde ward sein Knecht gesund.
Was lehrt uns der Aussätzige durch sein Benehmen?
Er lehrt, wie man beten soll, nämlich:
1) Mit lebendigem Glauben. Der Aussätzige erkennt durch die Gnade, daß Jesus der Messias, wahrer Gott und Erlöser der Menschen sei, und er bezeugt diesen Glauben; er fällt vor Jesus auf die Knie und betet Ihn an.
2) Mit tiefer Demut. Er spricht: „Herr, wenn Du willst“, in Erkenntnis seiner eigenen Unwürdigkeit, seiner Unwissenheit, in welcher er nicht weiß, zu was seine Krankheit gut ist.
3) Mit gänzlicher Ergebung in den Willen Gottes. „Herr, wenn Du willst.“ Er ist bereit, die Krankheit, nach dem Willen Gottes, auch weiter zu tragen.
4) Mit festem Vertrauen. Obwohl vom Kopf bis zu den Füßen mit dem Aussatz bedeckt, kommt er doch zu Jesus, fürchtet nicht, von Ihm verstoßen zu werden; im Vertrauen auf seine Güte bittet er Ihn um Heilung. Er weiß, daß Christus ihn heilen kann und ihn auch heilen will, wenn es für ihn gut ist. O daß wir doch in Krankheit und Not, behaftet mit dem geistigen Aussatz der Sünde, also wie dieser Aussätzige beten könnten und würden!
Was bedeuten die Worte: „Ich will, sei rein“?
Sie offenbaren uns:
1) den unendlich gütigen und barmherzigen Willen Jesu, sein erbarmungsvolles Herz;
2) die unendliche göttliche Macht Jesu, womit Er sogleich seinen Willen vollzieht.
Warum streckte Jesus seine Hand aus und berührte den Aussätzigen?
Jesus berührte den Aussätzigen gegen das Verbot des Gesetzes, um uns zu zeigen:
1) Daß Er der Herr des Gesetzes sei und über dem Gesetz stehe;
2) daß Er der Herr über Gesundheit und Krankheit sei und die Berührung des mit ansteckender Krankheit Behafteten Ihm nicht schaden könne, dem Kranken aber Heilung bringe;
3) daß wir die Kranken, so ekelhaft sie sein mögen, nicht verachten, sondern liebevoll pflegen sollen.
Warum befahl Christus dem Geheilten, seine Heilung geheim zu halten?
Uns zur Lehre, daß wir im geheimen Gutes tun sollen, daß wir dem Nächten helfen sollen, nicht um gelobt zu werden.
Warum hat Christus den Aussätzigen zu den Priestern geschickt?
1) Um das Recht der jüdischen Priester, in dieser Sache zu urteilen, anzuerkennen und uns zu lehren, das Amt des Priesters hoch zu achten;
2) damit die Priester Ihn nicht boshaft der Gesetzes-Verletzung beschuldigen könnten, und um uns in allem Klugheit zu lehren;
3) damit niemand das Wunder leugne, und auch die Priester daraus Ihn als Messias erkennen möchten; 4) um das heilige Sakrament der Buße und die Notwendigkeit der sakramentalen Beichte zu versinnbilden.
Warum hat Christus dem Aussätzigen befohlen, eine Opfergabe darzubringen?
Um dem Gesetz Genüge zu leisten und uns zu lehren, daß wir Gott für erhaltene Wohltaten dankbar sein sollen.
Welche höhere Bedeutung hat die Heilung des Aussätzigen?
Sie bedeutet, daß Jesus, der allein reine, gekommen ist, uns alle von dem Aussatz der Erbsünde und der persönlichen Sünde zu reinigen und zu heilen. Der Aussatz bedeutet die Sünde überhaupt und die schreckliche Sünde der Unkeuschheit insbesondere. Wie der Aussatz unheilbar und ansteckend ist, so auch die Sünde. In diesem Wunder erkennen wir auch, was wir tun müssen, um von der Sünde geheilt zu werden.
Was lehrt uns der heidnische Hauptmann?
Warum sagte Jesus: „Ich will kommen und ihn gesund machen“?
Ums eine große Demut zu zeigen, vermöge welcher Er, obwohl Gott und der Herr aller Herren, sich doch nicht scheute, zu einem armen Knecht zu gehen. Wie sehr beschämt diese Demut Christi jene Herrschaften, welche sich zu groß dünken, für einen armen Dienstboten eine Hand oder einen Fuß zu bewegen!
Warum sagte der Hauptmann. „Herr! Ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach“?
Weil er seine Sündhaftigkeit und sein Nichts im Vergleich mit der Heiligkeit und der Macht Jesu Christi wohl erkannte. – Lernen wir hieraus uns demütigen, namentlich, wenn wir zur hl. Kommunion gehen, in der Christus noch viel gnadenvoller zu uns kommt, um unsere Schwächen zu heilen und das Leben der Gnade in uns zu nähren.
Warum sagte er: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund“?
Dadurch bezeugte er öffentlich seinen Glauben an die Gottheit und Allmacht Christi. – Hat ein heidnischer Hauptmann einen solchen Glauben an Christus und eine solche Zuversicht zu Ihm gehabt, müssen wir Christen uns nicht schämen, daß wir oft so kleingläubig und mißtrauisch gegen Gott sind?
Was bedeuten die Worte: Daß viele vom Aufgang und Niedergang kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tische sitzen werden, daß die Kinder des Reiches aber in die äußerste Finsternis hinaus geworfen werden, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird?
Sie bedeuten, daß viele aus allen Nationen der beiden Erdhälften das Evangelium annehmen, demselben gemäß leben und deswegen mit Abraham, Isaak und Jakob die himmlischen Freuden genießen werden; die Juden hingegen, welche Kinder Gottes waren und die nächsten Ansprüche auf das Himmelreich hatten, ihres Unglaubens und anderer Sünden wegen davon ausgeschlossen werden. – „Hinaus geworfen werden“ heißt hier: Gottes und damit aller Güter, die man in Gott findet, gewaltsam beraubt werden; – „in die äußerste Finsternis geworfen werden“ heißt alles Lichtes und damit aller Freude beraubt sein. Da der Mensch aus Leib und Seele besteht, so bedeutet das „Zähneknirschen“ alle leiblichen Quallen, das „Heulen“ die inneren Seelenpeinen der Verdammten. Beides aber drückt die höchste, durchdringende, entsetzliche Strafe der Verworfenen in der Hölle aus.
Ist diese Prophezeiung schon in Erfüllung gegangen?
Ja, an dem jüdischen Volk, das bis zum heutigen Tage von Gott verworfen ist, sowie an den heidnischen Völkern, die in die Kirche Christi schon eingetreten sind und immer noch eintreten. – Sie geht täglich in Erfüllung an den einzelnen Seelen, welche die Gnade des Glaubens hatten, aber nicht darnach leben und lasterhaft und ungläubig werden, sowie an jenen, die zum Licht des Evangeliums gelangen und selig werden.
Übung.
Bete und vertraue wie der Aussätzige und der heidnische Hauptmann, sei demütig wie sie; danke Gott für die Gnade des Glaubens und lebe darnach. Fürchte die Gerichte Gottes. In leiblicher Not und in geistigen Kämpfen, z. B. In Glaubenszweifeln, lies dies Evangelium.
Gebet.
Barmherziger Jesus! Der Du den Aussätzigen mit einem Wort gereinigt und des Hauptmanns Knecht gesund gemacht hast: wir bitten Dich, siehe an die große Schwachheit und Gebrechlichkeit, womit wir an Leib und Seele behaftet sind. Erbarme Dich unser, die Du so teuer erkauft hast, und verleihe uns die Gnade, daß wir uns dem Priester zeigen und, durch den gerechten Gebrauch des heiligen Buß-Sakramentes vom tödlichen Aussatz der Sünde gereinigt, Dir für solche Wohltat ewig danken mögen. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 104 – S. 107