Die Pflicht des christlichen Eifers

Über die Pflicht des christlichen Eifers

Stehe eine Weile still vor dem so herrlichen Lebensbild des hl. Ludwig und bewundere seinen ausdauernden Eifer, welcher wie ein frischer Morgenwind sein Herz schon an der Wiege gefaßt und fort getrieben hat von Tugend zu Tugend bis zum Eintritt in die Ewigkeit und in die Sonntagsruhe des Himmels. Der christliche Eifer besteht, wie du am hl. Ludwig klar siehst, aus zwei Kräften: aus einem lebhaften Abscheu vor jeder Beleidigung Gottes und aus einer tätigen Liebe zur Verehrung Gottes; er ist für dich als Katholiken eine strenge Pflicht. Zwei Gründe sind es vorzüglich, welche dich zum christlichen Eifer verpflichten:

1. Du bist ein Kind Adams. Die heilige Taufe hat dich entsündigt und gereinigt von jeder Schuld und Strafe, so vollkommen, daß du, wenn du gleich nach der hl. Taufe gestorben wärest, ohne die mindeste Verzögerung den Vollgenuss der ewigen Seligkeit erlangt hättest. Freilich sind dir gewisse Folgen der Erbsünde geblieben: namentlich ein Hang zum Irdischen und Sinnlichen, eine Empfänglichkeit für Leiden und Krankheiten und die Notwendigkeit des Sterbens; aber diese an sich unliebsame Erbschaft hat Jesus überschwänglich aufgewogen durch die Mitteilung der drei göttlichen Tugenden: des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, durch den leichten Zutritt zu den heiligen Sakramenten, durch die Mutterliebe der katholischen Kirche und die Macht des Gebetes. Die lebenslänglich fort bestehenden Folgen der Erbsünde nun, welche Jesus Christus, dein Gott und Herr, bis zu seiner glorreichen Auferstehung leiden und bekämpfen wollte, verpflichten dich zu lebenslänglichem Eifer, mit Hilfe der göttlichen Gnadenmittel deinen Hang zum Sinnlichen nieder zu kämpfen, die Arbeiten und Leiden deines Berufes zur Ehre Gottes willig zu tragen, die Schrecknisse des Todes durch das freudige Opfer deines Lebens zu besiegen, und dich so als einen treuen Schüler Jesu zu bewähren. Das Fortbestehen dieser Folgen bei allen deinen Zeitgenossen auf der ganzen Erde, die furchtbaren Laster und Verbrechen, welche auf Erden begangen werden, mahnen dich allen Ernstes zu Eifer, die Sünde zu meiden und dem Satan zu widersagen, wie du es eidlich gelobt hast.

2. Du bist ein Kind Gottes. In der Taufe hast du die heiligmachende Gnade, das Siegel der Kindschaft Gottes erhalten und die Urkunde, daß du geadelt seiest, zum Mitbruder und Miterben Jesu Christi. Dafür hast du dich verpflichtet, mit beharrlichem Fleiß kennen zu lernen den dreieinigen Gott aus den Offenbarungen und Werken, welche Jesus während seines 33jährigen Lebens vollbracht hat und dich so in denStand zu setzen, den dreieinigen Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüt und aus allen Kräften zu lieben. Freilich ist das längste Erdenleben zu kurz, um dir eine vollkommene Erkenntnis der zwölf Glaubensartikel, der sieben heiligen Sakramente und der Gebote Gottes zu erwerben und auf Grund dieser Kenntnis Gott möglichst vollkommen lieben zu können; allein diese Einsicht sagt dir nur um so bestimmter, wie sehr du als Kind Gottes zum christlichen Eifer verpflichtet bist. O unterlasse es nicht, heute in deine Seele hinein zu schauen, wie es mit deinem Eifer stehe, da du ja lebhaft wünschest, mit dem hl. Ludwig ewig bei deinem Gott und Vater im Himmel zu sein! –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 751

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